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Idee: Geld aus dem Bildungs- und Teilhabepaket umschichten : Neue Geldquelle für Schulsozialarbeit

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Dass Schule ohne Sozialarbeiter auskommt, daran glauben nur wenige Bildungspolitiker, doch die Finanzierung ist eine Wackelpartie. Die Linke schlägt vor, ungenutztes Geld aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu verwenden.

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erstellt am 04.Apr.2013 | 08:27 Uhr

lübz/parchim | Dass Schule heute ohne Sozialarbeiter auskommt, daran glauben nur noch wenige Bildungspolitiker. Dennoch ist die Finanzierung immer noch eine Wackelpartie. Linken-Fraktionschef im Kreistag Wolfgang Bohnstedt schlägt jetzt vor, das nicht genutzte Geld aus Ursula von der Leyens Bildungs- und Teilhabepaket für Schulsozialarbeiter zu verwenden und eine Bildungskarte einzuführen.

Die sozialen Probleme in den Bildungseinrichtungen werden immer mehr, gesellschaftliche Veränderungen und Probleme in den Familien verschärfen die Lage noch. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind aktuell 43 Schulsozialarbeiter tätig, davon 25 im Altkreis Ludwigslust und 18 im Altkreis Parchim. "Zu unserer Schulsozialarbeiterin können wir immer mit unseren Problemen kommen", heißt es in einer Wortmeldung zweier Mädchen in einem Präsentationsfilm über die seit 20 Jahren aktiven Helfer. "Durch unsere Schulsozialarbeiterin bin ich wieder auf den rechten Weg gekommen, was Schule und Lernen betrifft", gibt ein anderer Schüler vor der Kamera offen und ehrlich zu.

Die Schulsozialarbeit - eine freiwillige Aufgabe - aufrechtzuerhalten, ist auch erklärtes Ziel von Landrat Rolf Christian sen (SPD). Eine Chance, die Finanzierung zu sichern, sieht Linken-Fraktionschef Wolfgang Bohnstedt: "Angesichts des Überhangs an nicht ausgereichten Mitteln aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes sollte die Schulsozialarbeit über das Jahr 2013 hinaus stärker aus diesem Topf gespeist und ausfinanziert werden." Bund und Land seien gefordert. Bohnstedt: "Unser Landkreis hat immer eine Vorreiterrolle bei der Schulsozialarbeit eingenommen. Dieses Erfolgsprojekt ist alternativlos und aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Die engagierte Arbeit der Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter findet unsere höchste Anerkennung. Sie haben es verdient, auch in Zukunft auf langfristig gesicherter finanzieller Grundlage ihrer Tätigkeit nachgehen zu können."

Nach wie vor nutzen die Familien das Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder von Hartz-IV-Empfängern nur wenig. Von den im Jahr 2012 vorgesehenen 4,27 Millionen Euro im Landkreis wurden nur 1,73 Millionen Euro ausgegeben, das sind gut 40 Prozent. Den größten Posten macht das Mittagessen an Schulen und Kitas aus (426 504 Euro), für persönlichen Schulbedarf bekamen Bedürftige 354 053 Euro. Die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben bezuschusste der Kreis mit 65 738 Euro. Fast 4900 Kinder aus armen Familien könnten im Landkreis Ludwigslust-Parchim Geld aus dem so genannten Bildungs- und Teilhabepaket bekommen, aber ihre Eltern beantragen die Leistung nicht. Landrat Rolf Christiansen vermutet zu hohe bürokratische Hürden: "Der Aufwand für die Beantragung und Bewilligung von Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket ist nach wie vor einfach zu hoch." Vier Mitarbeiter in der Kreisverwaltung und weitere im Jobcenter seien mit diesem Thema beschäftigt.

Linken-Politiker Wolfgang Bohnstedt will sicherstellen, dass das Geld dennoch den betroffenen Personenkreis erreicht: "Der Bundesrat hat Vereinfachungen in der Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets beschlossen. Eine Forderung, die die Linksfraktion im Kreistag seit langem angemahnt hat. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, damit das Geld bei den Kindern und Jugendlichen ankommt, die es benötigen." Die Linke möchte eine Bildungskarte einführen, die es leichter machen würde, an Vergünstigungen zu kommen. Bohnstedt: "Auch in unserem Landkreis konnten die zur Verfügung stehenden Bundesmittel bei Weitem nicht ausgeschöpft werden, u. a. aufgrund massiver bürokratischer Hürden, die viele Betroffene abhalten, von ihrem Recht Gebrauch zu machen. Die Einführung einer Bildungskarte für unseren Landkreis steht für uns auf der Tagesordnung."

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