Produktionsschule Westmecklenburg : Neuanfang im Schatten des Gingko

Dankesworte mit Blumenstrauß: Produktionsschulleiterin Antje Tschiersch bedankt sich bei Dr. Egbert Dähn, Schulleiter der Regionalen Schule Crivitz, für die langjährige Zusammenarbeit.  Fotos: sabrina panknin
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Dankesworte mit Blumenstrauß: Produktionsschulleiterin Antje Tschiersch bedankt sich bei Dr. Egbert Dähn, Schulleiter der Regionalen Schule Crivitz, für die langjährige Zusammenarbeit. Fotos: sabrina panknin

Produktionsschule Westmecklenburg Greven/Schwerin feiert zehnjähriges Bestehen. Am 1. September startet neues Projekt „Konzept +“

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30. August 2016, 08:58 Uhr

Im Park der Produktionsschule Westmecklenburg in Greven wächst er noch immer, trägt grüne Blätter – der Ginkgo. Er ist und bleibt das Symbol der Einrichtung. „Wir haben ein Logo gesucht und ihn in unserem Park gefunden“, sagt Jan Buchholz, Geschäftsführer der ALL Pütter gGmbH – eine Tochtergesellschaft des Jugendfördervereins Parchim/Lübz e.V. und Träger der Produktionsschule. „Der Ginkgo steht für Neuanfang. Es war damals nach dem Atombombenangriff auf Hiroshima der erste Baum, der wieder Blätter trug. Auch deshalb haben wir dieses Logo gewählt“, erläutert Jan Buchholz weiter. Die Produktionsschule bildet eine Alternative zu den Regelschulen; theoretisches und praktisches Lernen gehen hier Hand in Hand. Gegründet wurde die Einrichtung am 1. August 2006, Schulbeginn war am 1. September und der erste Werkstattbetrieb erfolgte am 4. September vor zehn Jahren. Gestern wurde dieser Geburtstag mit einer Feierstunde in Greven gefeiert.

Vor zehn Jahren haben sich die ersten Jugendlichen beworben – angefangen hat alles mit 23 Schülern. „Es gibt Jugendliche, die eine ganz gezielte und individuelle Ausbildung benötigen“, verdeutlicht Schulleiterin Antje Tschiersch. Bis heute beruht die Teilnahme an der Produktionsschule auf Freiwilligkeit. „Die Jugendlichen bewerben sich bei uns, schließen einen Vertrag mit uns ab“, erklärt die Schulleiterin. Praktisch gearbeitet wird in den sechs verschiedenen Werkstätten. „Die Holzwerkstatt und Gartenbau sowie Landwirtschaft sind unsere Bereiche, die hier in der Region einzigartig sind“, erläutert Antje Tschiersch. In den vergangenen Jahren hat die Produktionsschule in Greven eine Galloway-Zucht aufgebaut. Neben der Zucht steht auch der Verkauf der Produkte u.a. beim Hoffest auf dem Betriebsgelände der Schmidt & Co GmbH. „Wir würden uns freuen, wenn sich Jugendliche bei uns bewerben, die gerade in diesen Bereichen Interesse haben. Landwirte suchen vor allem bei der Tierzucht immer wieder Kräfte“, verdeutlicht die Schulleiterin und rührt ein wenig die Werbetrommel für ihre Einrichtung. Gemeinsam mit Partnern – Unternehmern aus der Region sowie der Landkreis – sollen die Mädchen und Jungen den Weg in den ersten Arbeitsmarkt finden. „750 Schüler haben unsere Schule in den vergangenen zehn Jahren besucht“, so Antje Tschiersch.

Die Möglichkeit einen Abschluss zu machen, besteht durch die Kooperation mit der Regionalen Schule Crivitz. Mittels Ablegen einer Prüfung erhalten die Schüler die Berufsreife – gleichzusetzen mit dem Abschluss der 9. Klasse. In den vergangenen neun Jahren haben insgesamt 130 Jugendliche die Prüfung abgelegt, bestanden und die Berufsreife erhalten. „Ich betone in den letzten neun Jahren. Denn in diesem Jahr – und das ist für mich auch ein Novum – hat keiner die Prüfung bestanden“, schlägt Dr. Egbert Dähn, Schulleiter der Regionalen Schule Crivitz, auch kritische Töne an. Deshalb wurden gestern nach der Feierstunde lediglich Teilnahmebescheinigungen an die Mädchen und Jungen überreicht – keine Zeugnisse. Er appellierte dennoch an die Jugendlichen, es im kommenden Jahr noch einmal zu versuchen. Aber: „Auch ihr Schüler müsst euch engagieren. Lernen, Wissenserwerb ist langwierig und kontinuierlich.“

Nach zehnjährigem Bestehen geht die Schule in wenigen Tagen einen weiteren Schritt. Am 1. September beginnt ein neues Projekt – „Konzept +“. In Greven wird es fortan eine Deutsch-Werkstatt für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge geben. „Alle Produktionsschulen im Land haben die Genehmigung für dieses Projekt vom Bundesbildungsministerium in der vergangenen Woche erhalten“, erklärt Jan Buchholz. In Greven werden zehn Jugendliche ihre Chance nutzen.

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