"Nein danke" zu noch mehr Windenergieflächen

<fettakgl>Westlich  von Plau  </fettakgl>sah der Regionale Planungsverband  bislang zwei Windeignungsgebiete  vor: Bei  Barkow und Plauerhagen. Jetzt wurde  auch Altenlinden ins Auge gefasst.
Westlich von Plau sah der Regionale Planungsverband bislang zwei Windeignungsgebiete vor: Bei Barkow und Plauerhagen. Jetzt wurde auch Altenlinden ins Auge gefasst.

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26. März 2013, 11:02 Uhr

Plau Am See | In den großen Saal des Plauer Rathauses sind heute Abend, 18 Uhr alle interessierten Einwohner aus Plau und den umliegenden Gemeinden eingeladen. "Wir wollen die Bürger detaliert über die neuen Kriterien zur Ausweisung von Windeignungsgebieten in M-V informieren", sagte Bürgermeister Norbert Reier schon im Vorab.

Hintergrund ist die vom Schweriner Energieministerium beschlossene neue Richtlinie zum Zwecke der Neuaufstellung, Änderung und Ergänzung Regionaler Raumentwicklungsprogramme. Mit dieser beabsichtigt die Landesregierung, bis 2016 zwischen 10 000 und 13 000 Hektar an zusätzlichen Eignungs flächen für Windkraftanlagen auszuweisen. Rund 1,5 Prozent der Landesfläche sollen auf diese Weise Windenergieanlagen vorbehalten sein - unter Beachtung von Ausschluss- und Restriktionsgebieten.

Die neue Kriterien enthalten Änderungen, die auch für den Luftkurort Plau Auswirkungen haben könnten. Als die gravierendsten nennt Reier die Verringerung des Abstandes zwischen den einzelnen Windeignungsflächen von bisher 5 auf jetzt nur noch 2,5 Kilometer. Gravierend nennt der Bürgermeister aber auch die Verringerung der Mindestgröße der Flächen. Lag die bisher bei 75 Hektar, fordert der Gesetzgeber jetzt lediglich 35 Hektar. Gleich geblieben sind die Abstandsregelungen zur geschlossenen Wohnbebauung. Hier sind nach wie vor 1000 Meter einzuhalten; zur Einzelbebauung 800 Meter.

Für den Bereich Plau sieht die bestehende Regionalplanung bereits zwei Eignungsgebiete vor: Eine Fläche von 150 Hektar bei Plauerhagen sowie ein Areal bei Barkow, 120 Hektar groß. Aufgrund der neuen - die Ausweisung vereinfachenden - Kriterien ist ein drittes Gebiet ins Auge gefasst worden, und zwar bei Altenlinden.

Nicht nur für Bürgermeister Reier wäre schwerlich zu akzeptieren, wenn neben Barkow und Plauerhagen nun auch noch in Altenlinden riesige Windräder (bis 200 Meter) aufgestellt würden. "Die drei Standorte liegen quasi in einer Flucht, würden wie ein Windrädergürtel vor der Stadt liegen", sagt Norbert Reier und sieht in der Tat den Tourismus des Luftkurortes beeinträchtigt, sollten die Planung real und die Flächen bebaut werden.

Auch wenn die Stadt in ihrem Flächennutzungplan die Ausweisung von Windeignungsgebieten ausgeschlossen hat, - um nicht zuletzt den Tourismus als Wirtschaftsfaktor nicht zu gefährden - sind die Möglichkeiten, die regionalen Planungen abzuwenden, nur begrenzt. "Raumordnung ist höherrangiges Recht", erklärt Reier. "Das heißt, selbst wenn die Stadtvertretung den Planungen nicht zustimmt, wird das Land es tun", sagt Reier. Was Plaus Bürgermeister jedoch heftig kritisiert ist, dass die Raumordnungsbehörde mit der Ausweisung der drei Eignungsgebiete unmittelbar vor den Toren der Stadt ihre eigenen Kriterien nicht beachtet. Denn hinsichtlich von Ausschluss- und Restriktionsgebieten heißt es in der neuen Richtlinie u.a. die "…besonders sensiblen Nutzungen von Erholungs-, Tourismus- und Gesundheitsgebieten gemäß BauNVO erfordern… einen Schutzabstand von 1000 Metern". Die werden im Falle Plauerhagen, Barkow und Altlinden sicher eingehalten. Reier: "Das bloße Auge unterscheidet jedoch nicht zwischen drei Eignungsgebieten. Einwohner wie Touristen werden diese drei Flächen, sobald sie mit Windrädern bebaut sind, als eine große sehen. Und das wird dem Tourismus in der Stadt und in der Region nicht förderlich sein."

Bis 2015 sollen die neuen Eignungsräume festgelegt werden. Wie die Stadtvertretung sich entscheidet, bleibt abzuwarten. Fest steht, sollte sie sich gegen die Ausweisung stellen, Schwerin jedoch nach Prüfung anders befinden, bliebe als Option immer noch der Klageweg. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber ist es Ziel der Verwaltung, die Bürger über die neuesten Entwicklungen in Kenntnis zu setzen. "Wir brauchen Öffentlichkeit, wir brauchen die breite Diskussion. Denn die Bürger sollen mitentscheiden, ob sie mit den Windrädern leben wollen oder nicht", so Plaus Bürgermeister.

Vielleicht wird der heutige Info-Abend noch ein weiteres Problem tangieren: Die Frage, wo man mit all dem Strom hin will, der produziert werden soll. Die Effektivität bei der Stromabnahme drehe sich schon jetzt in die roten Zahlen, so Reier. "Und der Bund wälzt alles auf die Verbraucher ab."

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