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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. September 2017 | 13:05 Uhr

Im Portrait : Naturschützer und Naturverwalter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Ein Porträt von Udo Steinhäuser – Mitarbeiter beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV und Naturschutzwart in Marienfließ

Nie wollte er aus Mecklenburg weg. Hier fühlte er sich von Anfang an zur Natur hingezogen und sie wurde zum Thema seines Lebens, zum roten Faden, dem er konsequent folgte. Die äußeren Umstände begünstigten seinen Weg - allerdings auch nicht bruchlos.

Wir sind in Retzow bei Ganzlin verabredet. Udo Steinhäuser schlägt am ausgemachten Treffpunkt flott mit dem Jeep auf. Bald wird sich herausstellen, dass man für die ausgewaschenen Wege, auf denen wir von Schlagloch zu Schlagloch in das ehemalige Truppenübungsgelände Marienfließ hopsen, in der Tat einen Wagen mit Allradantrieb und viel Bodenfreiheit braucht. Für den haupt- und ehrenamtlich für die Natur tätigen Steinhäuser ist dieser Wagen jedenfalls kein Prestigeobjekt, sondern Notwendigkeit.

Udo Steinhäuser wurde 1963 in Malchow geboren, 1979 zog seine Familie nach Plau um. „Ich wollte einen Beruf lernen, der etwas mit der Natur und mit Tieren zu tun hat“, erinnert er sich. Zehn Jahre lernte und arbeitete er in der Pelztierzucht in Plau, wurde Meister in der Edelfellproduktion. Dann nahte die Wende. Nach einem kurzen Zwischenspiel in der NVA 1989 begann er in Meißen zu studieren. Dieweil wird die Appelburger Nerzfarm aufgelöst. Steinhäusers Ehefrau, die dort noch arbeitet, wird arbeitslos, er hat das Bafög noch nicht durch. Es wird eng für die junge Familie. Und selbst als Udo Steinhäuser sein Studium zum Agraringenieur an der Martin-Luther-Uni in Halle mit Bestnote abgeschlossen hat, ist er zunächst auch ohne Job. Dennoch bleibt er Mecklenburg und seiner Stadt Plau treu, wird bei der „Beschäftigungsgesellschaft Ziegelei Benzin“, die mit dem FAL zusammenarbeitet, in der Regionalentwicklung tätig. 2011 dann geht schließlich „der Lebenstraum“ in Erfüllung, er wird vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie angestellt. „Nächste Woche“, berichtet er, „fahre ich zum Beispiel nach Usedom. Es geht um die Erstellung eines Naturparkwanderwegs von der Elbe bis zum Stettiner Haff.“

Nun arbeitet der geborene Naturliebhaber also in einer Behörde. Dass die Natur dort nach Maßgabe und Methode behördlicher Vorgänge behandelt, dass sie schließlich in Dateien oder in Ordnern quasi abgespeichert ruhen wird, ist naturgemäß eine abstrakte und entfremdete Art, mit ihr umzugehen. Das ist das Eine, aber Steinhäuser weiß natürlich auch, wie wichtig diese Ebene ist. Für das Andere steht, was der Naturliebhaber in diesem Augenblick praktiziert, nämlich mitten im Marienfließ eine Schwarze Königskerze zu pflücken, sie zu betrachten und zu berichten, dass auf dieser Pflanze die Raupe des „Königskerzenmönchs“ lebt, eines Nachtschmetterlings. Das ist direkte sinnliche Wahrnehmung gepaart mit botanischem Wissen und charakterisiert die andere Ebene, die Udo Steinhäuser wichtig ist. Aus diesem Grund ist er als Naturschutzwart ehrenamtlich tätig und nimmt auf Führungen auch andere mit, hilft ihnen, sich zum verborgenen Leben in der Natur vorzutasten. „Vor der eigenen Haustür“, sagt er fast schwärmerisch, „wer weiß schon, was es da alles gibt.“

Da draußen lebe zum Beispiel die „Gallionsfigur“ dieses Raums, erzählt er, die rote Röhrenspinne. Sie wohnt in Erdröhren und spinnt eine Art Teppich vor den Eingang ihrer Behausung. Wehe dem Mistkäfer, der sich in diesem Gespinst verfängt... Und zählt Steinhäuser nachts die „faszinierenden Ziegenmelker“, nachtaktive, rindenfarbene Vögel, die eigenartig schnurrend singen, so erstellt er zwar eine Art Aufmaß der Natur, aber er ist auch mittendrin. Die Natur „ist für mich Schönheit“, sagt er, „und ich komme zur Ruhe.“ Früh wurde er vom Naturerlebnis geprägt und bei der Bindung an das Ursprüngliche ist es geblieben. Bezeichnend, dass er auch die Niederdeutsche Sprache liebt. „Sobald ich bei meiner Mutter bin“, sagt er lachend, „rede ich Platt.“ Und wie steht der Naturkundige und -schützer nun zur umstrittenen Windkraft? Wie nicht anders zu erwarten, ist die Antwort abwägend: „Ich bin kein prinzipieller Gegner“, erklärt er. „Wir erleben aktuell eine Kampfzeit, in der die Grenzen dieser Technologie noch ausgehandelt werden.“ Aber er ist eindeutig gegen Atomkraftenergie, denn für deren Problematik gebe es keine Lösung: „Die Verabschiedung von der Atomkraft war für mich so bedeutsam wie die Wiedervereinigung.“












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