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Dobbertiner Dorfgeschichten : Naturschützer, Komponist und Beamter Dobbertins

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Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Postsekretär Bernhard Stehlmann hatte viele Facetten

svz.de von
erstellt am 09.Jul.2016 | 12:00 Uhr

Die Hoheitsrechte über das Postwesen in Mecklenburg-Schwerin oblag Anfang des 18. Jahrhunderts noch dem Herzog Carl Leopold, der mit einer Verordnung 1710 den generellen Postzwang einführte. Doch im Kloster Dobbertin mit seinem adligen Damenstift machte sich das Klosteramt mit dem damaligen Klosterhauptmann Obrist-Leutnant Joachim von Bassewitz eine Verordnungs-Lücke zwischen gewichtsmäßigen Post- und Frachtsachen sowie Personen zu nutze, um die Klosterpost durch eigene Boten und Kutschen befördern zu lassen. Noch 1755, nun unter dem Klosterhauptmann Jobst Hinrich von Bülow auf Woserin, wurde zur Unterhaltung des eigenen Postverkehrs ein Bote zweimal wöchentlich nach Güstrow geschickt. So fuhren weitere fünfzehn Jahre die Klosterboten und die herzogliche Post friedlich nebeneinander nach Parchim, Lübz, Goldberg und Güstrow.

Dann kam es zum Streit und die Annahme der Klosterpost wurde in Güstrow verweigert. Erst 1770 auf dem Landtag in Malchin gab es zum Postzwang für klostereigene Briefbeförderung eine gütige Einigung. Von nun an wurde die Klosterpost durch die herzogliche Post befördert. Die Postlinde am Küchenmeisterhaus im Kloster blieb weiter ein Haltepunkt für die Postkutschen.
Im Dorf ließ 1852 der damalige Klosterhauptmann Carl Peter Baron von Le Fort durch den Wismarer Privatbaumeister Heinrich Thormann die heutige Alte Post, ein Postlokal mit Postmeisterwohnung, errichten. Es sollte später als Postämtchen in die Klostergeschichte eingehen. Thormann war danach von 1854 bis 1857 noch für die innere Restauration der Klosterkirche verantwortlich.

Scheinbar viele der Dobbertiner Postbeamten übten Nebentätigkeiten aus, kamen aus oder gingen in andere Berufe. So war Hinrich Radschlag vorher Koch im Kloster, Otto Struwe Forst-Inspektor im Klosterforstamt, Postmeister Carl Wiese wurde Notar im Klosteramt und Forst-Inspektor Johann Amtsberg Post-Direktor in Rostock. Auch Bernhard Stehlmann gehörte dazu. Stehlmann war während seines Postdienstes nicht nur ein akkurater Beamter, sondern ein rühriger Heimatforscher, Naturschützer und Komponist. Als Postsekretär übernahm er am 1. März 1884 das Dobbertiner Postamt. Vorher war er in Bad Kleinen Postverwalter gewesen. Stehlmann wurde 1854 in Diemitz geboren, dort war sein Vater Schulmeister. Diemitz lag in der Hinteren Sandpropstei und gehörte zum Klosteramt Dobbertin.

Bernhard Stehlmann leitete 36 Jahre gewissenhaft das Dobbertiner Postamt und erhielt das Verdienstkreuz in Silber. Er widmete sich auch der Vogelwelt, den Muscheln, Schnecken, Kriechtieren, Pilzen und Bäumen. 53 Arten beschrieb er allein aus der Dobbertiner Umgebung und der Schwinzer Heide. Den Vogelflug dokumentierte er von 1904 bis 1934 in seinen naturwissenschaftlichen Forschungen. Er hatte Bienen, war ein eifriger Imker und schrieb in Fachzeitschriften über die Imkerei.

Stehlmann schien auch sehr musikalisch gewesen zu sein, denn er war ein begnadeter Klavierspieler und Komponist. In seinem Nachlass befinden sich neben diversen Gedichten und Originaltexten auch seine Noten. Er komponierte auch das heute noch gesungene Müritz-Lied. Auch bei den Klosterdamen war er sehr beliebt. Das Gedicht „Am Jawir See“ der 86-jährigen Konventualin Louise von Winterfeld von 1924 vertonte er und spielte es den Damen auf dem Klavier vor. Zu seinem Ruhestand komponierte er 1919 ein Lied ohne Worte „Mein Abschied von Dobbertin“ und „Wehmütige Freude, wieder im alten lieben Dobbertin daheim.“

Zwei handgeschriebene Bücher mit 102 und 97 Seiten zu „Naturkundlichen Feststellungen für Dobbertin und Umgebung“ hatte er 1934 im Alter von 80 Jahren der Landesbibliothek in Schwerin übergeben.

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