zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. November 2017 | 03:08 Uhr

Lübz : Naturliebe mit Ansteckungsgefahr

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Lehrer und Naturschützer Otto Zepper (1929-2014) engagierte sich in der Region. Zahlreiche Umweltprojekte baute er mit auf

An einem trüben Novembertag des Jahres 1946 entstieg Otto Zepper dem Güterwagen eines Zuges, der Vertriebene aus dem Sudetenland nach Mecklenburg brachte. Das Wetter passte so richtig zu der Stimmung, die ihn befiel, als er sich etwas umsah. Statt bewaldeter Hügel und Berge eine lehmige, flache Landschaft. In diesem Moment hatte er sicher nicht gedacht, dass dieses Mecklenburg sein Lebensmittelpunkt werden sollte, dass er ausgerechnet hier seine Ausbildung absolvieren und später eine Familie gründen würde.

Nach einer Ausbildung in der Landwirtschaft qualifizierte sich Otto Zepper zum Lehrer und war lange Jahre an der Berufsschule in Lübz tätig. Von hier aus betreute er auch Schüler der Erweiterten Oberschule Lübz, die damals neben dem Erwerb des Abiturs auch einen landwirtschaftlichen Beruf erlernten. Danach ging er als Mitarbeiter an die „Station Junger Techniker und Naturforscher“ in Lübz.

Nach wenigen Jahren wurde er zum Leiter dieser Lehreinrichtung berufen, zu der auch eine Außenstelle im Plauer Heidenholz – umgangssprachlich immer als Touristenstation bezeichnet – gehörte.

Da Otto Zepper gleichzeitig ehrenamtlich als Kreisnaturschutzhelfer tätig war, versuchte er unter der Prämisse, dass „die Schüler von heute die Entscheidenden und Handelnden von morgen sind“, durch Spezialistentage und die Gestaltung eines Spezialistenlager „Junge Naturschutzhelfer“ das Einbinden von Jugendlichen in die Tätigkeit der einzelnen Fachgruppen des Kulturbundes. Gleichzeitig leitete er eine Arbeitsgemeinschaft, in deren Rahmen viele Exkursionen in die heimische Natur durchgeführt wurden, unzählige Nistkästen für Vögel und Fledermäuse wurden gebaut.

In den Herbst- oder meistens Winterferien erfolgten sogenannte Spezialistentage. Zwei Tage gehörten den praktischen Arbeiten in einem geschützten Gebiet, der dritte Tag war einer überkreislichen Exkursion vorbehalten. So lernten die Schüler die prächtigen Douglasienbestände im Forstrevier Kiekindemark kennen, besuchten das Müritz-Museum in Waren und die Biologische Station in Serrahn, in dem ehemaligen Jagdschloss des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz.

Höhepunkt der Jugendarbeit auf dem Gebiet des Natuschutzes waren die Spezialistenlager in den Sommerferien. Sie wurden in einer Woche der Sommerferien durchgeführt und standen unter der Schirmherrschaft der „Station für Junge Naturforscher und Techniker“.
Nach Möglichkeit wurde gezeltet, die Anbindung an eine Schule vorgenommen, um die dortigen Räume für Bestimmungsübungen beziehungsweise zum Mikroskopieren zu nutzen. Dabei war die räumliche Nähe zu Naturschutzgebieten und Flächennaturdenkmälern gesucht, um diese Gebiete für Exkursionen zu nutzen. Alle Teilnehmer reisten mit dem Fahrrad an, um für Exkursionen den Aktionsradius zu erweitern.

Das erste Spezialistenlager fand 1973 in Wahlstorf statt, das letzte – mit Beteiligung von Hamburger Schülern – 1990 in der Außenstelle Plau-Heidenholz von der Station „Junger Techniker und Naturforscher“ („Touristenstation“). Dazwischen waren die Spezialistenlager in Gallin, Karbow, Karow, Kreien, Lübz, Plau-Heidenholz, Wooster Teerofen; in Gallin, Karbow und Karow mehrmals.

1994 wurde die Idee der Spezialistenlager vom Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide wie-der aufgegriffen und seitdem werden wieder solche, bei den Kindern und Jugendlichen beliebte Lager, durchgeführt. Über diese Naturschutzlager liegen drei Filme, ein Rundfunkinterview und viel Diapositive vor. Wenn sich die Teilnehmer von damals, heute Lehrer, Mitarbeiter im Naturschutz, Landwirte und Forstwirte, im Gespräch daran erinnern, fällt auch immer der Name Otto Zepper – mit Hochachtung ausgesprochen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen