Vorstellung aktueller Projekte : Natur mit allen Sinnen entdecken

Bei der Exkursion des Karower Meilers bestand immer wieder Gelegenheit, das Naturschutzgebiet Nossentiner/Schwinzer Heide zu Fuß zu durchstreifen.
Bei der Exkursion des Karower Meilers bestand immer wieder Gelegenheit, das Naturschutzgebiet Nossentiner/Schwinzer Heide zu Fuß zu durchstreifen.

Anlässlich des Doppeljubiläums des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide und des Karower Meilers fand jetzt eine Exkursion der Parkleitung durch die Landschaft statt.

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13. November 2015, 12:00 Uhr

25 Jahre Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, 15 Jahre Informationszentrum Karower Meiler – das Doppeljubiläum hat die Parkleitung jüngst für eine Exkursion genutzt. Zum Abschluss der halbtägigen Rundfahrt wurde in Wooster Teerofen die Naturschutzstation „Gerhard Cornelssen“ besichtigt. Der Nachmittag im Kultur- und Informationszentrum Karower Meiler bot außerdem etliche Fachvorträge.

Bei der Exkursion wurden den Teilnehmern aktuelle Projekte vorgestellt. So zum Beispiel der Bau einer Beobachtungsstation am Westufer des Krakower Obersees. See und Umgebung mit einer Gesamtfläche von fast 1200 Hektar sind unter Naturschutz gestellt. Kurz vor Bossow soll direkt am Plattenweg („Lustweg“) oberhalb des Sees ein offener Holzbau mit Grasdach entstehen. Der Bau soll zum 1. Mai 2016 eröffnet werden. Sowohl Bossow als auch Dobbin werde sich um die Müllentsorgung kümmern und ein Auge auf eventuelle Vandalen haben. „Von der erhöhten Position lässt sich der Obersee mit seinen sieben Inseln gut überblicken“, schwärmte Dr. Sebastian Lorenz. Werder nennen sich diese Eilande, dessen größtes zwölf Hektar misst und mit Rindern beweidet wird. Eine andere Insel zählt auf seiner Weide 100 Schafe und 30 Ziegen. Bootsverkehr ist verboten, außer für die Berufsfischer. „Der Obersee ist im Frühjahr und Herbst außerdem ein Eldorado für Rastvögel beim Vogelzug.“

Lorenz hat seine Doktorarbeit über dieses Gewässer gemacht, dabei Bohrlöcher in den Untergrund setzen lassen, Fische und Vögel gezählt. „Hier mausern allein 7000 Enten.“ 6000 Lachmöwen und 700 Brutpaare Kormorane kommen seiner Schätzung nach am Obersee vor, „insgesamt 196 Vogelarten“. Der Obersee, so weiß der Wissenschaftler außerdem, „hat ein sehr bewegtes Relief“. Sei er im Osten maximal bis zu sieben Meter tief, finde sich am Westufer eine fast 30 Meter tiefe Rinne. „Unsere Bohrungen sind nur bis zu einer 12 000 Jahre alten Bodenschicht vorgedrungen.“

Auf dem Weg zum ehemaligen Material-, Munitions- und Waffenlager bei Bossow machte Parkleiter Jörg Gast an der B 103 auf eine ehemalige Trafo-Station aufmerksam. Sie wurde werbewirksam umgestaltet und in einen Lebensraum für geschützte Tierarten wie Fledermäuse umgebaut. Kaum 500 Meter davon entfernt: Das rund 25 Hektar große Gelände des ehemaligen Material-, Munitions- und Waffenlagers. Es befindet sich zurzeit in der Phase des Rückbaus. Hier waren zu DDR-Zeiten Versorgungsgüter aus der Staatsreserve sowie Waffen und Munition für die Volks-, Bereitschaftspolizei und Betriebskampfgruppen eingelagert: Verwaltungsgebäude, Lagerhäuser, Werkstätten, Heizungszentrale und die Bunker waren durch Elektrozäune von der Außenwelt abgeschirmt und durch Wachhunde und bewaffnete Streifen gesichert. „Deshalb schossen viele Gerüchte ins Kraut“, erzählte Gast. Alle oberirdischen Bauten sollen nun spurlos abgerissen werden. Es bestehe die Hoffnung, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden könnten. „Die Mittel dafür stammen unter anderem aus Ausgleichsgeldern für die Flächenversiegelung durch die Windkraftanlagen bei Plauerhagen“, berichtete Gast. Abschließend soll die gesamte Fläche aus der Waldbewirtschaftung herausgenommen und den freien Kräften der Natur überlassen werden. Außerdem soll, so Parkleiter Jörg Gast abschließend, ein barrierefreier Lehrpfad angelegt werden, der außer dem Sehen auch andere Sinne anspricht. „Längst hat sich Magerrasen eingestellt, und die ehemaligen Feuerlöschteiche wimmeln vor Amphibien“.

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