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Mestliner Verein mit Ideen : Nach Mestlin – der Kultur wegen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Der Verein „Denkmal Kultur Mestlin“ kämpft wie eh und je / Das Programm für die neue Saison steht in weiten Teilen

Marx-Engels-Platz 6: Auf einem ausladenden White-Board im Büro des Vereins „Denkmal Kultur Mestlin“ ist mit schwarzem Filzer eine Art Entwicklungskarte skizziert. An den Rändern des Schaubilds sind Ideen und Fördermöglichkeiten stichpunktartig gesammelt, in der Mitte ist die Anlage des Mestliner Dorfteils, um den es hier geht, festgehalten. In der Mitte der Mitte ist das Kulturhaus platziert. Von ihm aus laufen Verbindungslinien zu den anderen Gebäuden dieses ersten und letzten sozialistischen Beispieldorfs für die Entwicklung des ländlichen Raums, so zur Schule, zur Kita, zu Wohnhäusern, Läden und zum Landambulatorium, alles in den Fünfzigern erbaut. Die Linien symbolisieren den gedanklichen Ansatz, das verfallende Ensemble wieder mit einem Blutkreislauf zu versehen, in einen lebendigen Organismus zu verwandeln. Dies ist die Vision des Vereins „Denkmal Kultur Mestlin“, der sich 2008 gründete und seitdem immerhin rund 700  000  Euro an Fördermitteln in das barock anmutende Kulturhaus aus den Fünfzigern injizierte.

Nun soll eines der Gebäude, die einst im Leben Mestlins zweifellos einen sinnvollen Zusammenhang bildeten, laut Gemeinderatsbeschluss vom 16. 3. an einen privaten Investor veräußert werden, sofern dieser bestimmte Klauseln des Vertrags noch erfüllen wird. Die 730 Einwohner zählende Gemeinde ist den aussichtslosen Kampf David gegen Goliath, sprich, gegen das Riesenensemble, mehr oder weniger leid. Verständlicherweise. Jedoch, das langgestreckt an der Durchfahrtsstraße liegende Landambulatorium, um dieses geht es, ist neben dem Kulturhaus das Filetstück der Anlage und nach den Vorstellungen des Vereins eng an das Kulturhaus anschließbar. Denn das Ambulatorium, später auch als Altenheim genutzt, reiht an langen Fluren Zimmer an Zimmer. „Ideal“, sagt Claudia Stauß, „als Übernachtungshaus.“ Einige größere Räume könnten als Tagungsräme dienen. Aus den genannten Gründen hatte auch der Verein ein Kaufangebot abgegeben.

Die Vereinsmitglieder denken notwendigerweise groß, denn auch das Ensemble ist groß. Stauß spricht von der „Überregionalität“, die das Denkmal braucht, überregionale Bekanntheit und Nutzung müssten die regionale Einbindung konsequent ergänzen. „Jetzt schon“, bemerkt die Vereinsvorsitzende, „kommen Menschen aus Hamburg, Berlin, Schwerin, Rostock her, die auch Übernachtungsmöglichkeiten suchen.“ Das Kulturhaus kann für Tagungen und Seminare ganzjährig genutzt werden, Tagungen, wie zu Thema und Methode der „Oral History“, die Kreiskulturkonferenz 2014, Tagungen zur Architektur und zum Tourismus, aktuell eine Anfrage der Grünen, ihre Zukunftswerkstatt im Kulturhaus zu veranstalten, sind Beispiele für die Nutzungsmöglichkeiten des Hauses.

„Wir sind davon überzeugt, dass man etwas erreichen kann, wenn man sich bemüht“, sagt Claudia Stauß. Und sie bemühen sich tagtäglich im Kleinen, denn „groß“ kann nur der Ansatz sein, „think big“ gilt für den notwendig großen Entwurf, die tägliche Arbeit hingegen dient mühsam der Erschließung von Geldquellen, dem Knüpfen von Kontakten, der Planung von Veranstaltungen im Kulturhaus von Mestlin. Naturgemäß sind die Kontakte zum Land, das der Gemeinde Mestlin um das Jahr 1996 herum das Musterdorf zusprach, von besonderer Bedeutung. „Langsam aber“, sagt die Vereinsvorsitzende, „haben wir das Gefühl, dass wir mit den verschiedenen Ministerien ins Gespräch kommen.“ Denn um eine Zerschlagung des Ensembles zu verhindern, oder anders, um eine positive Entwicklung zu ermöglichen, ringt der Verein aktuell darum, das seit 2011 als „national bedeutsames Denkmal“ vom Bund eingestufte Ensemble „in eine neue Trägerschaft zu überführen“.

Längst sind einige kulturelle Höhepunkte im Kulturhaus etabliert. Die vom Fotografen André van Uehm kuratierte Ausstellung „Kunstlandschaft“ wird an diesem 5. Mai bereits zum sechsten Mal eröffnet werden. Heuer unter dem Titel„Verschwendung“. Die Sommerausstellung wird im Juli/August folgen. Auch die Bühne wird genutzt, einerseits durch ein Theaterprojekt mit der Jugendtheatergruppe Mestlin, andererseits auch von Profis, so durch die Koproduktion „Tango“ mit dem Burgtheater Roßlau. Zum dritten Mal schon wurden die Mecklenburger Festspiele nach Mestlin geholt, Termin ist der 1. September. Eine weitere Ausstellung, „Kunst heute“, kuratiert von Angela Preusz, folgt mit Beginn Ende September. Der „Hinterland-Marktplatz“ wird im November wieder seine Stände mit Kunst, Mode, Handwerk bestücken und das Landestheater Parchim, dies eine „Premiere“ für Mestlin, wird den Silvesterabend im Kulturhaus feiern mit allen, die da kommen von ganz nah und fern. (Zu den einzelnen Veranstaltungen, auch zu „Rock in den Mai“, werden wir noch gesondert berichten.)

 









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