Klassik : Musikalisches Feuerwerk in Plau

Konzertorganist Hans-André Stamm war der Star des Abends.
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Konzertorganist Hans-André Stamm war der Star des Abends.

Letztes Konzert des Plauer Musiksommers: Die Orgel entpuppte sich als instrumentaler Höhepunkt des Abends. Das Publikums hofft auf ein Wiedersehen

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08. September 2015, 12:46 Uhr

Es war zwar kein Stück aus Händels Feuerwerksmusik im Programm, aber das Feuerwerk, das die beiden Musiker aus dem Rheinland, der Konzertorganist Hans-André Stamm und der Trompeter Martin Schröder, am Mittwoch beim letzten Konzert des Plauer Musiksommers in Sankt Marien zu Plau abbrannten, war mitreißend. Ein meisterhaft gespieltes Programm, äußerst abwechslungsreich, voller Glanzlichter, sowohl des Barocks, als auch der Romantik, vor allem aber eigene Orgelkompositionen des Organisten, die an der Nußbücker-Orgel teils mächtig, teils wunderbar nuanciert, aufs Farbigste registriert daherkamen, ließen einen aus dem Staunen nicht herauskommen. Die Kompositionen waren lebendig, sprühend vor Lebensfreude, mit zum Teil deutlich folkloristisch irischem Einschlag, mit halsbrecherischen Pedalsolo-Einlagen, rhythmisch vertrackt, immer absolut sicher vorgetragen, ob im 7-Achteltakt oder in rasenden Stolperläufen, ob mit wundervollen Vogelmotiven, Elfentänzen - oder vollem Orgelwerk, nie kitschig, klar harmonisiert. Die Orgel war der Star des Abends – das Instrument so prächtig im Klang, wie kaum zuvor gehört. Hier war ein ganz großer Meister am Werk. Ein ebenso fröhlicher wie bescheidener Mensch, der „seine Werke so komponiert, dass er sie gut spielen kann“, wie er von sich sagte - und ob er sie spielen kann! Dass er aber auch durchaus die hohe Virtuosität klassischer Werke beherrscht, zeigte er z.B. bei der Sinfonia D-Dur aus der Kantate 29 von Johann Sebastian Bach (1685-1750), einer überaus glanzvollen Transskription des Präludiums aus der Partita E-Dur für Violine solo, vom Organisten noch zusätzlich erschwert umgearbeitet und ungeheuer präzise, entsprechend der Satzbezeichung Presto in rasendem Tempo gespielt.

Die Registrierungen waren auch bei den Werken mit Trompete bzw. hohem Horn (Corno da Caccia) prachtvoll und gewichtig. Dass eine Trompete jede Orgel herausfordern kann, war den Musikern bewusst, sodass auch gar nicht zimperlich begleitet wurde. Die Sonate D-Dur von Giuseppe Torelli (1658-1709), das Concerto D-Dur für Corno da Caccia von Georg Philipp Telemann (1681-1767) oder die Sinfonia in C-Dur „Il Giardino di Amore“ von Alessandro Scarlatti (1660-1725) als großartige Barockwerke füllten glanzvoll das Kirchenschiff. Der Trompeter zeigte eine äußerst flexible Leichtigkeit seines Spiels, ob mit Trompete oder hohem Horn, wunderbar anzuhören. Für eine weitere Abwechslung des Programms sorgten Engelbert Humperdincks (1854-1921) Abendsegen (Corno da Caccia) aus seiner Oper „Hänsel und Gretel“, Niels Gades (1817-1890) Andantino aus Fantasiestücke op 4/1 (ebenfalls Corno da Caccia) oder ein „Lied ohne Worte“ für Orgel von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), auch die Sarabande aus der Cellosonate D-Dur (Orgel solo) und der berühmte Choral „Jesus bleibet meine Freude“ aus Kantate BWV 147 von J.S.Bach. Für den begeisterten Applaus bedankten sich die Künstler mit einem Choralsatz „Nun danket alle Gott“ von Bach, zu dem sie zum Mitsingen einluden und einem Stück aus der Oper „Die Königin von Saba“ von Gg.Fr.Händel.

Der Abend war nicht nur für eingefleischte Orgelfans ein ganz großes Erlebnis. Man wünscht sich sehr, die beiden mögen nach Plau wiederkommen.

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