konzert in goldberg : Musikalische Reise nach Spanien

Ein Virtuose auf der Konzertgitarre und dem Bandoneon: Oliver Jaeger Fotos: monika maria degner
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Ein Virtuose auf der Konzertgitarre und dem Bandoneon: Oliver Jaeger Fotos: monika maria degner

Oliver Jaeger zeigte sein Können auf der Akustikgitarre und dem Bandoneon

Die Galerie Goldbergkunst veranstaltete ein Konzert mit dem Gitarristen Oliver Jaeger. Konzerte wie dieses werden in den bestehenden Räumen der Goldbergkunst, Lange Str. 90, fortan nicht mehr zu hören sein. Goldbergkunst nämlich zieht um. „Nur ein paar Häuser weiter“, sagt Gerhard Stromberg beruhigend. Allerdings ließe sich kalauern: Nur ein paar Schritte für die Besucher, aber ein großer Schritt für die Aktiven des Vereins, denn bis zum Frühjahr des nächsten Jahres wird es dauern, bis die Galerie am neuen Sitz wieder eröffnet werden kann und Goldbergkunst mit der gewohnten Umsicht und Qualität wieder ausstellen – und Konzerte ausrichten wird.

Das Konzert mit dem Gitarristen Oliver Jaeger setzte also eine Art vorläufigen Punkt in der Geschichte der Galerie. Applaus mit Ausrufungszeichen spendierte hingegen das Publikum, dem Jaegers musikalische Reise in die mediterrane Welt – auch mit dem Bandoneon und der Symphonetta – ausgesprochen gefiel. Ein Charakteristikum des Konzerts: Oliver Jaeger, der fast alle Stücke dieses Abends selbst komponiert hat, war auch als Erzähler präsent, ließ die Zuhörer wissen, wo, wann und warum eine seiner Kompositionen Gestalt annahm und wie Dinge der Umgebung, in bestimmten kreativen Gefühlslagen wahrgenommen, sich auf das Werk auswirken können oder auch das Werk überhaupt anstoßen. Dass ein Fliederbusch im Frühling ein solcher Katalysator sein kann, ist längst ein Topos. Dass es auch Ziegen oder Zucchinis sein können, erfuhr man überdies. Die charmanten Intermezzi, manchmal handelte es sich auch um Erläuterungen musikalisch-fachlicher Natur, hatten jedenfalls in diesem Konzert ihr Gewicht und wurden vom Publikum gerne angenommen.

Die historische Symphonetta – Jaeger spielt sie als einziger noch live – erwies sich als nicht nur exotisch aussehend, sondern als außerordentlich wohlklingend. Dem Bandoneon verwandt, ist die Luftzufuhr dieses Instruments jedoch gleichmäßig gegeben, da der Instrumentalist abwechselnd aus zwei Luftkammern schöpfen kann. Die genialische Instrumentenerfindung des 19. Jahrhunderts brachte das virtuos schnelle und präzise Spiel der Künstlerhände ebenso gut – und naturgemäß bewundernswert – zur Geltung wie auf dem Griffbrett der Konzertgitarre. Hinter dieser Leistung verbirgt sich ein klassisches Studium, die lange Praxis des heute 55-Jährigen, aber auch das beflügelnde Gefühl, den Wunschberuf ausüben zu können. Der Musiker, der als Kind schon von der spanischen Musik fasziniert war, fühlt sich als gefragter Solist heute in seinem Element, wie „ein Fisch im Wasser“, sagt er.

Das lebhafte und schnelle Ausschwingen der spanischen Musik, auf der Gitarre als das fingerfertige Zupfen einzelnen Saiten sichtbar, und typischerweise kontrastiert mit einem abrupten Rhythmuswechsel beim kräftigen Anschlagen aller Saiten gleichzeitig, bestimmte ein gutes Stück weit die Charakteristik des Konzerts. Ein Element, das die allermeisten der Zuhörenden sofort mit dem Flamenco identifiziert haben dürften, ausdrucksstark und eingängig. Das eben fasziniere ihn an der spanischen Musik, sagt der Komponist, der Umgang mit der Zeit, das heißt die "Einheit mehrerer rhythmischer Modelle“ und „die Spannung, die daraus entsteht.“ Eine der Kompositionen, in die Jaeger ein „einfaches portugiesisches Lied nach Tonartveränderung“ integriert hat, entlockte dem Publikum dank seiner Rasanz und Rhythmuswechsel gar am Schluss ein atemloses „Oje“. Doch auch Träumerisches war zu hören. Real „unter dem Fliederbusch“ komponiert, ist das Warten des Komponisten auf den Frühling in diesem Stück zur Musik geworden. Episch-ruhig und ein wenig sehnsüchtig erklang indes die imaginierte Reise des Ich, wenn es „ein Zugvogel wäre“.

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