konzertkritik aus kuppentin : Musikalische Botschaften – von Kiew nach Kuppentin

Stippvisite für’s Foto im Chor der Kirche: Sänger Wassilij Kolybabjuk, Geigerin Oksana Popsuy, Cellistin Iryna Sydorenko und Ortwin Benninghoff, Orgel (v.l.)  Fotos: monika maria degner
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Stippvisite für’s Foto im Chor der Kirche: Sänger Wassilij Kolybabjuk, Geigerin Oksana Popsuy, Cellistin Iryna Sydorenko und Ortwin Benninghoff, Orgel (v.l.) Fotos: monika maria degner

Kammerakademie aus der Ukraine konzertiert in der Kirche. Förderverein sorgt immer wieder für Kultur

svz.de von
10. August 2016, 12:00 Uhr

Das gespannt erwartete Konzert der Kiewer Kammerakademie wurde überraschenderweise von der Orgelempore der Kuppentiner Kirche aus gegeben. Aber für das kostbare Violoncello von Iryna Sydorenko, gebaut im 18. Jahrhundert vom renommierten Mittenwalder Instrumentenbauer Mathias Klotz, sei es im Chor der Kirche leider zu feucht, erläuterte der Organist und Chefdirigent der Kiewer Kammerakademie, Professor Ortwin Benninghoff. Völlig verständlich, wenn auch zu bedauern, denn man hätte sich natürlich gewünscht, die Spielhaltungen der Streicherinnen auch zu sehen.

Dann erklangen Cello, Orgel und Violine von der Empore her, aber die ganze Kirche plötzlich mit wunderbarem Klang erfüllend. Außerordentliches Klangvolumen entfaltete sofort auffällig auch die Geige, gespielt von der ersten Geigerin der Kammerakademie, Oksana Popsuy. Es war Bach, dessen Komposition das Konzert eröffnete. Von den acht kleinen Präludien und Fugen des Meisters wurden an diesem Abend insgesamt drei (C-Dur BWV 553, G-Dur BWV 557 und d-moll BWV 554) aufgeführt. Benninghoff hatte diese Kompositionen, wie er einleitend erklärte, jeweils bearbeitet, denn „mit der Orgel macht man eigentlich keine Kammermusik“. Das Konzert „alter und neuer Meister“, wie es ausgewiesen war, umfasste neben einer Komposition Benninghoffs nach dem liturgischen „Gepriesen ist unser Herr in Zion“ und einem wohl aus dem 11. Jahrhundert stammenden Lied – ebenfalls ausgearbeitet von Ortwin Benninghoff – auch eine zeitgenössische Komposition der Russin Elena Kalina, die „Stringhe tabulature“, die eigens für die Kammerakademie komponiert wurden. Ebenfalls zeitgenössisch: Patric Cheever mit „Prélude et Dance“. Der zweite Teil der Komposition mischte – titelgerecht – das in seiner Charakteristik getragene und ernste Konzert mit frischen, bewegten Tanzrhythmen auf.

Zum fünfzehnten Mal schon konzertiert die Kiewer Akademie in Mecklenburg-Vorpommern. Gleichermaßen bereisen die Künstler andere Bundesländer. Acht bis zehn Konzerte im Monat, berichtet Benninghoff, der vor der Kiewer Zeit neunzehn Jahre lang an der Uni Duisburg unterrichtete, sind während der Tourneen üblich. Die Kammermusiker aus der Hauptstadt der Ukraine nehmen diese Reisen auf sich, auch da sie ihre prekäre finanzielle Lage, die grundsätzlich das ganze Land betrifft, verbessern müssen. Die herausragenden Musiker, Angestellte der Nationaloper in Kiew, werden oft genug nicht oder nur teilweise überhaupt bezahlt. So helfen Engagements zum Beispiel in Deutschland.

Die Zusammenstellung der Musiker, die auf Reisen gehen, ist unterschiedlich. Häufig dabei, so auch in Kuppentin, ist Sänger Wassilij Kolybabjuk. Er sang unter anderem das oben genannte mittelalterliche Lied, die Klage eines Häftlings über sein Land, mit so mächtiger, gefühlvoller Bassstimme, dass wahrlich niemand mehr an der östlichen Provenienz des Lieds und des Sängers Zweifel hegen konnte. Wie ein breiter Strom rollten nicht nur Musik und Stimme durch den ehrwürdigen Kirchraum, sondern auch die Laute einer slawischen Sprache, die hier wohl niemand verstand, die sich aber mit dieser Stimme und der Musik zu einem unverwechelbaren Klangerlebnis verband. Das Publikum war, wie zu erwarten, begeistert und forderte nachdrücklich eine Zugabe.

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