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Hsin-Han Chang: Gesangslehrerin an Kreismusikschule Parchim-Lübz : "Musik bedeutet Schönheit für mich"

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Hsin-Han Chang singt mit kräftiger Stimme - niemand würde vermuten, dass so eine Stimme aus so einem zierlichen Körper kommen kann. Doch es geschieht. Gänsehaut-Gefühl pur durchströmt den kleinen Probenraum.

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erstellt am 19.Aug.2012 | 07:59 Uhr

Parchim/Lübz | Eine kleine, zierliche Frau tritt vor den Notenständer. Evita steht auf dem Notenblatt. Die langen dunklen Haare fallen ihr über die Schulter. Sie schließt die Augen, öffnet sie wieder und ist voll konzentriert. Hsin-Han Chang singt mit kräftiger Stimme - niemand würde vermuten, dass so eine Stimme aus so einem zierlichen Körper kommen kann. Doch es geschieht. Gänsehaut-Gefühl pur durchströmt den kleinen Probenraum in der Kreismusikschule Parchim-Lübz. Seit dem 1. August arbeitet die gebürtige Taiwanesin als Gesangslehrerin für Pop, Rock und Jazz an der KMS in Parchim. In dieser Woche werden die Gesangsstunden anfangen. Es werden immer mehr Anmeldungen. Ob ein Tag in der Woche reichen wird, bleibt fraglich.

Vor acht Jahren zog es die heute 30-Jährige von Taiwan nach Deutschland. "Ich liebe die deutsche Sprache. Sie ist stark", verdeutlicht Hsin-Han Chang mit Nachdruck. Die junge Frau, weiß, was sie will und das ist Singen und Unterrichten. Ihre Mutter leitet in Taiwan ein größeres Unternehmen. "Ich habe meine Mutter gefragt, bevor ich nach Deutschland bin, ob sie möchte, dass ich ihre Firma übernehme. Doch meine Mutter sagte mir, dass ich das machen solle, was mich glücklich macht." Und das ist bei der Taiwanesin eben die Musik. In Deutschland ist sie bereits viel rumgekommen: Bremen, Hamburg, Rostock und jetzt seit kurzem Schwerin. Sie genießt es, in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns zu leben. Denn hier hat sie endlich Zeit gefunden, mit dem Fahrrad durch die Natur zu fahren. "Ich muss lernen, dass es noch etwas anderes gibt, als arbeiten. Ich muss lernen, die Freizeit zu genießen", verdeutlicht die 30-jährige Sängerin. Denn Hsin-Han Chang hat spät angefangen mit ihrer Gesangsausbildung. Durch Zufall kam sie auf eine Musikschule. "Ich habe immer in der Dusche und in der Badewanne gesungen. Und unsere Nachbarin in Taiwan ist eine berühmte Klassik-Sängerin. Sie hat mich singen gehört und ist gleich zu uns nach oben gekommen und hat mich gefragt, ob ich nicht Sängerin werden wolle."

Doch das war gar nicht so leicht, denn Hsin-Han Chang hat keine klassische Ausbildung. Die Sängerin hatte nur einen Monat Zeit, um ihre Prüfung für die Musikschule zu bestehen. Das hat sie geschafft, doch gern darüber sprechen, das will sie nicht. "Ich habe zuerst eine klassische Gesangsausbildung gemacht und danach mich erst dem Pop- und Rock-Gesang gewidmet. Ganz andere Muskeln werden dabei benötigt", erklärt die Taiwanesin. Mittlerweile hat sie auch ein Diplom, um als Lehrerin arbeiten zu können. In der vergangenen Spielzeit hat sie aber auch eine Rolle am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin inne gehabt. Hsin-Han Chang durfte im Musical "Hair" eine schon etwas größere Rolle mit Solopart spielen. "Das ist toll. Im nächsten Jahr geht es weiter." Doch nur auf der Bühne stehen, dass will die Sängerin nicht. "Ich möchte weiterhin als Lehrerin arbeiten."

Ihre Mutter ist immer noch fester Bestandteil in ihrem Leben - so wie die Musik. "Musik bedeutet Schönheit für mich." Mit ihrer Mutter telefoniert sie mindestens einmal in der Woche - oftmals übers Internet. In Taiwan aber war sie seit einem Jahr nicht mehr. Ihre Mutter sieht Hsin-Han Chang nur zwei bis dreimal im Jahr. "Entweder kommt sie nach Deutschland oder ich fliege nach Taiwan." Doch jetzt heißt es erst einmal arbeiten. Die Probewochen sind vorbei. Einige ihrer Schüler werden vielleicht wieder abspringen, vielleicht werden es auch noch mehr Schüler werden, die bei der zierlichen, kleinen Frau mit der kräftigen Stimme Singen lernen wollen. Jetzt will sie erst einmal ihre Chance nutzen und weitere Sänger ausbilden und vor allem eines - auch auf der Bühne stehen. "Es muss halb und halb sein. Das Unterrichten würde ich nie aufgeben." Hsin-Han Chang hat in Deutschland, in Parchim und Schwerin, genau das gefunden, was sie glücklich macht: die Musik.

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