expedition : Musik-Abenteuer mitten im Nirgendwo

Gestrandet mitten im Nirgendwo: Benjamin Schaschek und Hannes Koch sind die „Sailing Conductors.“
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Gestrandet mitten im Nirgendwo: Benjamin Schaschek und Hannes Koch sind die „Sailing Conductors.“

Captain Ben und Smutje Hannes bestritten eine Weltumseglung der besonderen Art: Jetzt sind die „Sailing Conductors“ wieder an Land und auf Deutschland-Tour

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15. November 2014, 09:00 Uhr

Lange Haare, lange Bärte, Schiffsjacke und -mützen sitzen perfekt, der Pfeifentabak schmeckt. Die Sonne brennt, Möwen kreischen über ihnen, rundherum nichts als Wasser, Musik läuft im Hintergrund – ohne diese geht es nicht. Denn Benjamin Schaschek und Hannes Koch erleben das Abenteuer ihres Lebens. Ein Abenteuer der besonderen Art, ein musikalisches Experiment über politische, gesellschaftliche und kulturelle Grenzen hinweg. Denn Captain Ben und Smutje Hannes sind drei Jahre lang auf den Weltmeeren herumgeschippert – eigentlich nur, um von Australien wieder nach Hause, nach Deutschland zu kommen. Doch oftmals kommt es eben anders, als gedacht. „Was wir erlebt haben, ist kein Seemannsgarn“, verspricht Hannes.

Berlin 2008: Ben und Hannes studieren in Berlin Tontechnik. Eine dicke, echte Männerfreundschaft beginnt. Ohne diese wäre ihr Projekt „Sailing Conductors – Entdecke das Unerhörte“ drei Jahre später gar nicht möglich gewesen. Doch 2010 trennen sich zunächst ihre Wege, Ben zieht es nach Sydney, um seine Bachelor-Arbeit zu schreiben. Hannes bleibt unterdessen in Deutschland. 16 117 Kilometer Luftlinie entfernt reift in Bens Kopf eine Idee heran, für einige absoluter Irrsinn, für ihn der absolute Traum. „Ich hatte mein Rückflugticket verpasst. Daraufhin bin ich erstmal runter zum Strand, zum Surfen. Als ich abends auf meinem Handtuch lag und am Horizont eine weiße Segelyacht sah, kam mir die Idee: ,Warum segelst du nicht einfach zurück‘“, erzählt Ben im Mehrgenerationenhaus Lübz. Gemeinsam mit Hannes startet er im April 2011 von den Salomonischen Inseln aus ein musikalisches Abenteuer über mehrere Kontinente hinweg. „Für mich war es eine große Herausforderung. Ich hatte zuvor noch nie Flip Flops getragen. Ich hatte zwischen den Zehen Sonnenbrand“, erzählt Smutje Hannes und lächelt.

Mit einem mobilen Tontechnikstudio, zwei Gitarren ihrer Großväter, einem Cello, einem Bass im Gepäck und einer Idee im Kopf starten die beiden Freunde ihr Abenteuer über die Weltmeere – zurück nach Deutschland in neun bis zwölf Monaten. Daraus wurden allerdings am Ende drei Jahre – und sie sind noch nicht am Ende. Entstanden sind ein Film und zahlreiche Lieder. Mit 300 Musikern haben Ben und Hannes auf ihrer Heimreise nach Deutschland Musik gemacht. Menschen, die sich nicht kennen und zuvor noch nie gesehen haben, sind nun auf einer CD miteinander vereint – über Grenzen hinweg, kulturell wie auch politisch. Genau das war das Ziel der Expedition „Sailing Conductors – Entdecke das Unerhörte“.

Aus einer anfänglichen „Schnapsidee“, die Ben und Hannes mit „professionellem Dilettantismus“, wie der Smutje es selbst nennt, umsetzen, wird im Laufe von drei Jahren ein Erfolgsprojekt. Durch eine Erbschaft von Bens Opa konnten die beiden Freunde sich ihr Boot, die „Marianne“, kaufen. „Von meinen Eltern wurden wir monatlich mit 500 Euro unterstützt“, verrät Hannes. „Damit wir nicht anschaffen gehen müssen“, fügt er hinzu und lächelt verschmitzt. Dieses Geld konnten Hannes Eltern aus Rostock mittlerweile einstellen, denn das neugegründete Musik-Label und auch ein eigener Verlag lassen die beiden Tontechniker derzeit gut schlafen. Die eigene Fernsehserie im öffentlich-rechtlichen EinsPlus ist die Kerze auf der Torte.

Monat für Monat vergeht. Die Kontinente wechseln, die Kulturen verändern sich. Die Expedition „Entdecke das Unerhörte“ nimmt Formen an. Ben und Hannes erleben auf ihrer Reise ihres Lebens unglaubliche Abenteuer, treffen Menschen, die alle eine ganz eigene Geschichte haben. Die beiden Deutschen singen im australischen Busch mit Aborigine-Kindern einen Song von den Sportfreunden Stiller – auf Deutsch. Endlich in Brasilien, in Rio de Janeiro angekommen, werden sie innerhalb von einer Woche gleich dreimal überfallen. Doch das Glück ist immer auf ihrer Seite. „Das liegt wohl an Benjamin, Captain Ben. Denn Benjamin heißt ja auch, Sohn des Glückes“, erklärt Hannes im Lübzer MGH dem Publikum. Gespannt hören sie zu, lauschen den Geschichten der beiden Seemänner. In Brasilien spielen sie einer Musikerin, Vicky Lucato, einen Song von Andrew James aus Südafrika vor. Diesen hat er auf seiner Gitarre für Bens und Hannes’ Projekt eingespielt. Ein Orchester kommt noch hinzu. Es entsteht mit dem Songtext von Vicky ein ganz besonderes Lied, ein Lied über Ben und Hannes. „Travelling Man“, der reisende Mann, nennt die Musikerin den Song. Gänsehautgefühl macht sich im Mehrgenerationenhaus breit, als das Video abgespielt wird. Die Gitarrenklänge von Andrew, die Streicher des Orchesters, die lieblich-süße Stimme von Vicky machen diesen Song zum Lieblingsstück von Ben und Hannes. Denn es erzählt so viel über die beiden und deren Reise über die Weltmeere. Einer Reise – angefangen auf den Salomonischen Inseln – bis nach Florida. Dort wartet nun ihre „Marianne“ auf die nächsten Abenteuer mit Captain Ben und Smutje Hannes. Denn im kommenden Jahr geht die Expedition „Entdecke das Unerhörte“ weiter.


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