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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

16. Dezember 2017 | 10:24 Uhr

selbstverteidigung : Muckis gleich Glück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Warum die Formel stimmt, das hat Harry Tarassow im Lübzer MGH gezeigt

von
erstellt am 12.Feb.2015 | 20:00 Uhr

Es ist mucksmäuschenstill in dem Raum des Lübzer Mehrgenerationenhauses. Nur sein Atem ist zu hören. Ruhig und gleichmäßig atmet Harry Tarassow ein und wieder tief aus. Dabei bewegt er sich fließend. Einen großen Schritt zur Seite, die Arme gehen langsam über den Kopf. Und wieder einatmen und ausatmen. Im Rhythmus seines Herzschlages. Harry Tarassow aus Sternberg zeigt den Ferienkindern im MGH Lübz, was Tai Chi ist. Nach der Übung stellt er sich wieder hin, mit gebeugten Knien. Denn das ist unendlich wichtig – generell, nicht nur beim Sport. „Kinder, die Knie immer knicken. So steht ihr sicherer und es passiert euch nichts. Knie mit K für knicken“, sagt er und wird dabei etwas lauter.

Der Sternberger will den Kindern zeigen, wie sie sich in Notsituationen verteidigen können. Selbstverteidigung steht heute auf dem Programm, denn Harry Tarassow leitet seit vielen Jahren über den ASB-Kreisverband Schwerin-Parchim e.V. das Projekt „Sport statt Gewalt“ in seiner Heimatstadt Sternberg. Doch immer wieder reist er auch durch den Landkreis, um Mädchen und Jungen die richtige Selbstverteidigung zu zeigen. Dazu gehört vor allem der Kampfsport. „Für mich ist das mehr Kunst und Technik als nur eine reine Sportart“, verdeutlicht der 66-Jährige.

Ohne Kraft geht es nicht – das ist eine von vielen Formeln, die Harry Tarassow den Kindern im MGH mit auf den Weg geben will. Und dann wird es wieder laut. Der Sternberger hebt blitzschnell sein rechtes Bein und zieht es Richtung Sandsack. Dieser schaukelt hin und her, doch Harry Tarassow bleibt stehen – mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Darum geht es. „Gegen die Schwächen können wir etwas tun, Kinder. Wenn es Muckis gibt, gibt es Glück im Körper“, lautet eine seiner wichtigsten Formeln.

Dem 66-Jährigen fällt während seiner Arbeit als ASB-Trainer immer wieder auf, dass sich die Kinder heutzutage immer schlechter bewegen. „Vielen fehlt das Körpergefühl“, sagt er. Genau das lehrt Harry Tarassow in seinen vielen Kursen – vom Schwimmen übers Rettungsschwimmen bis hin zum Karate, Qi Gong und Tai Chi. Doch nicht nur praktisch bildet er Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus, sondern auch mit Worten. Das ist dem Sternberger immens wichtig.

Im Mehrgenerationenhaus Lübz präsentiert er in wenigen Stunden nur einige der wichtigsten Grundlagen. Dazu gehört auch, eine richtige Faust zu machen. „Kinder“, sagt er und hebt seine Stimme. „Alle müssen lernen eine richtige Faust zu machen. Denn das ist in Notsituationen die erste Waffe, die ihr immer am Körper tragt.“ Gesagt, getan. Jetzt stehen alle Teilnehmer des Selbstverteidigungskurse versetzt hintereinander weg in mehreren Reihen. Die Knie sind gebeugt, die Fäuste geballt. Jetzt geht’s los. Harry Tarassow gibt den Ton an und schaut genau hin, wer es richtig macht. „Florian, super. Stell’ dich mal hierhin, dann kann dein Kollege hinter dir, dich besser beobachten.“ So geht es mehrere Minuten lang: Tief in die Knie gehen, die Deckung oben halten und die Fäuste fliegen durch die Luft. Verletzt wird niemand, aber Muskelkater ist vorprogrammiert.

Zum Schluss demonstriert Harry Tarassow noch einmal Tai Chi. „Damit entspanne ich nach dem Boxen“, verdeutlicht er und bringt sich in Stellung. Wieder fließende Bewegungen des gesamten Körpers. Der Atem fließt. „Sammle die Energie, stütze den Himmel“, lauten die Anweisungen, die der Sternberger mehr zu sich selbst sagt.

Mit hochrotem Kopf und ein bisschen außer Atem verlassen die Kinder das Lübzer MGH. Viel haben sie heute gelernt: Die richtige Köperhaltung und einige Tricks. Doch vor allem eines: Angst kann besiegt werden, in dem sie hart trainieren. Denn die Formel zum Sieg lautet: Muckis gleich Glück.

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