Hochbetrieb in Ganzlins Mosterei : Most wanted: Apfelernte im Glas

Apfelernte in Flüssigform: Mosterei-Chef Aron Schoder macht aus saisonalem Obst leckere Fruchtsäfte. Die Süße und Saft aus etwa sechs bis acht Früchten steckt in jeder Flasche. Antje Bernstein
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Apfelernte in Flüssigform: Mosterei-Chef Aron Schoder macht aus saisonalem Obst leckere Fruchtsäfte. Die Süße und Saft aus etwa sechs bis acht Früchten steckt in jeder Flasche. Antje Bernstein

Aus frischen Früchtchen werden süße Säfte: Die Ganzliner Lohnmosterei keltert die Obsternte der Region. Binnen einer Stunde verwandelt der Zwei-Mann-Betrieb 100 Kilo Äpfel in Most.

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12. September 2012, 09:13 Uhr

Ganzlin | Dicke Tropfen prellen von der knackigen Schale. Rumpelnd mischt sich Apfelernte mit Wasser. "Das Obst kommt in die Waschmaschine", sagt Andreas Breuer und lacht. Er schiebt die nächste Ladung Früchte in das Metallbecken. Die Presse rattert. Das dröhnende Wummern erfüllt die Halle der Wunderfeld-Lohnmosterei in Ganzlin. Verborgen hinter einem Metallkorsett fördert eine Schnecke die Äpfel hin zur Mühle. Die macht mit den Früchtchen kurzen Prozess. "Die Mühle häckselt alles klein. Den Rest sieht man hier", sagt Aron Schoder. Der Mosterei-Chef greift durch das Gitter am Rücken der Maschine und zerreibt die blassgelbe Masse zwischen den Fingern. Bis auf den letzten Tropfen hat die Presse die knackigen Früchte ausgequetscht. Nur Schale, Gehäuse und Stiel bleiben zurück - als klebriges Mehl. "Viel bleibt nicht übrig. Aber es klebt wie Sau. Hier klebt eigentlich alles", sagt der Moster und lacht. Er und sein Kollege Andreas Breuer haben sich längst daran gewöhnt.

Der Saft plätschert am Boden der Presse in einen Auffangbehälter. Unter dickem Schaum steigt der Pegel. Immer wieder schöpft Andreas Breuer die Flocken vom Saft. Süße und Säure hängen in der Luft. Apfelaroma satt. Der Saft bahnt sich den Weg zur nächsten Station. Gelbe Schläuche schlängeln sich über den Fliesenboden und speien den Saft in zwei glänzende 530-Liter-Tanks. Hinter der Fassade eines benachbarten Metallquaders wird’s heiß: Der Apfelsaft wird hier auf 73 Grad erhitzt und pasteurisiert.

Hundert Kilo Kernobst werden in der Ganzliner Mosterei binnen einer Stunde flüssig und trinkfertig - individuelle Note inklusive. Ob Holunder, Birne, Sellerie oder Möhre - die Presse mischt ganz nach Geschmack. Eines aber eint die Moste: Äpfel sind die Grundlage aller Säfte. Das Kernobst macht den Most haltbar. "Die Säure darin tötet die Keime ab", erklärt Aron Schoder.

Nachschub an natürlichem Konservierungsmittel gibt es reichlich. Mit im Schnitt bis zu 100 Kilo beladenen Autos fahren Schoders Kunden auf dem Mosterei-Hof vor. Zufrieden mit der Ausbeute sind dennoch nicht alle. "Entweder sie kommen rein und schimpfen oder sie sagen, die Ernte ist gut", sagt Aron Schoder. Er selbst glaubt an ein gutes Apfeljahr.

Der Mosterei-Chef schließt einen blauen Schlauch an die Zapfanlage. In Kästen und auf Paletten klirren leere Flaschen. Sechs von ihnen spannt Aron Schoder zwischen Metallleisten und Zapfhähnen ein. Er dreht den Hahn auf. Mit Druck schießt der Saft in die Flaschen, rinnt an der Glaswand hinab und füllt sie bis zum Hals - acht Äpfel im Flüssigform pro Flasche. Der süße Most rinnt über Aron Schoders gummibehandschuhte Finger. Schnell tauscht er volle Gefäße gegen leere aus. Andreas Breuer schraubt die Deckel auf und reiht Flasche um Flasche auf einen Metallwagen. "Vorsicht, die sind heiß", sagt er. Zaghaft streicht ein wartender Kunde über die Glaswand. Andreas Breuer rückt mit der Brause an. Für die heißen Flaschen gibt es die kalte Dusche. Ein leises Ploppen zeigt: Der Saft lagert nun im Vakuum. Eine erste Kostprobe für den Kunden gibt es dennoch. "Ich geb Ihnen was aus der Wanne. Das ist ganz frisch", sagt Andreas Breuer und reicht den Kunden ein Glas.

Den Saft füllen die Most-Meister nicht nur in Flaschen ab. Er kommt auch in die Tüte. Bag in Boxes nennen sich die Fünf-Liter-Beutel, die in Kartons mit Zapfhahn gelagert werden. "Aber Glas ist doch ne schönere Sache als Plastik", sagt Aron Schoder. Zweidrittel der Kundschaft entscheidet sich für die Flasche. Haltbarer aber ist der Saft im Paket. Zwei bis drei Monate bleibt der Most hier drin selbst nach dem Öffnen frisch. In der Glasflasche übersteht er - stehend und kühl gelagert - nur bis zu vier Tage.

Während die frisch abgefüllten Flaschen schon im Auto des Kunden verschwinden, wartet bereits der nächste Apfelernter an der Presse. Im Halbstundentakt nimmt Aron Schoder die Ernte von Hobbygärtnern und Apfelsammlern an. Termine gibt es nur nach telefonischer Absprache (0172/ 1878130). Aron Schoders Handy klingelt unentwegt. Die Kernobsternte ist in vollem Gange. Mosttermine sind gefragt. "Am Anfang gibt es immer eine Safteuphorie", sagt Schoder und lacht. Auch er selbst kann den flüssigen Früchtchen nicht widerstehen. "Apfelschorle trink ich unheimlich gern", sagt er. Pur aber sollte der knack frische Spaß nicht ins Glas, rät er. Zuviel Fruchtzucker macht den Most zur Kalorienbombe. Verdünnt aber lockt eine vitaminreiche Erfrischung mit regionaler Note.

Für einen Schluck Frischgezapftes bleibt heute wenig Zeit. Schon hievt der nächste Kunde eine Kiste randvoll mit Äpfeln auf das Förderband. Aron Schoder und Andreas Breuer keltern im Akkord. Bis Mitte November stehen die Männer an der Presse, um die Kernobsternte zu versaften. Der Duft nach frischem Most versüßt die Arbeit.

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