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22. November 2017 | 06:49 Uhr

Moritz springt ins kalte Wasser

vom

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erstellt am 02.Aug.2012 | 10:06 Uhr

Goldberg | Das Wasser umspielt die Füßchen. Kleine Fußabdrücke zeichnen sich im nassen Sand am Goldberger See ab. Eine winzige Welle kommt und schon sind die Abdrücke wieder verschwunden. Der Wind weht frisch, doch die Kinder trauen sich, wagen den Schritt ins kalte Wasser. Einen Fuß vor den anderen setzen die Kleinen. Vorsichtig, aber bestimmt geht es voran. Angst brauchen sie keine zu haben, denn die fünf sind nicht allein. Maximilian Kühnel, Schwimmlehrer beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), begleitet die kleinen Wasserratten in den Goldberger See. Eine Woche lang wird er ihnen nun das Schwimmen beibringen, Techniken verbessern und vielleicht Abzeichen verteilen.

Noch sind zahlreiche Wolken am Himmel zu sehen, doch das Wasser ist warm - 20 Grad Celsius, sagt Maximilian Kühnel. Zu Beginn des Schwimmkurses ist es im Wasser also wärmer als am Strand. Deshalb geht es nach einer kleinen Einführung auch sofort ins kühle Nass. Zunächst bis zu einer Abgrenzung nicht weiter, damit alle Teilnehmer noch stehen können. Falko und Annabel sind mit sieben und sechs Jahren die jüngsten Teilnehmer des ASB-Schwimmkurses in Goldberg. Sie brauchen noch ein bisschen mehr Unterstützung von Maximilian Kühnel. "Am heutigen ersten Tag schaue ich erst einmal, wie weit die Kinder sind. Wer kann schon schwimmen und wer braucht noch ein bisschen", erklärt der Schwimmlehrer.

Moritz, Ronja und Leonie fühlen sich sichtlich wohl im Wasser - sind richtige kleine Wasserratten. "Die drei können schon sehr gut schwimmen", sagt Maximilian Kühnel, der darüber sehr erstaunt ist. Doch bei Ronja ist es kein Wunder. Mit fünf Jahren hat sie bereits schwimmen gelernt, regelmäßig die Siebenjährige aus Dobbertin gemeinsam mit ihrer Oma zum Schwimmen in die Oase nach Güstrow. "Ich schaffe schon zwei Bahnen", erklärt Ronja. Auch an diesem Tag beim ASB-Schwimmkurs ist die Kleine nicht zu bändigen. Gemeinsam mit Moritz und Leonie darf sie den nächsten Schritt wagen. "Könnt ihr schon tauchen", fragt Maximilian Kühnel. "Gut, dann geht mal unter Wasser und holt mir mal eine Hand voll Sand nach oben." Während Moritz, Ronja und Leonie kurze Zeit abtauchen, kümmert sich der Schwimmlehrer erst einmal wieder um Annabel und Falko. Vor allem Falko braucht noch Hilfe. "Technisch gesehen muss ich da noch einiges machen. Aber am Ende der Woche sollte das auch alles stimmen", so Maximilian Kühnel. Deshalb schnappt er sich das blaue Brettchen und erklärt Falko seine nächste Aufgabe. "Mache deine Arme mal lang, halt dich hier am Brett fest und ich ziehe dich durchs Wasser. Damit du gleitest."

Um fünf Kinder muss sich Maximilian Kühnel an diesem Tag gleichzeitig kümmern. Eigentlich sind es noch mehr kleine Wasserratten, die den Schwimmkurs besuchen. Doch mit dem Wetterumschwung blieben die Anmeldungen aus. Obwohl die ASB-Kurse in den vergangenen fünf Ferienwochen sehr gut nachgefragt wurden. In den kommenden Tagen verspricht auch die Sonne wieder herauszukommen. Heute sollen es wieder bis zu 30 Grad Celsius werden. Dann kann der Badespaß im Goldberger See auch getrost weitergehen und die Kinder können die ganze Zeit im Wasser bleiben. "Dann schaffen wir auch viel mehr, wenn das Wetter mitspielt", verdeutlicht der Schwimmlehrer.

Derzeit macht Maximilian Kühnel die Arbeit beim ASB hauptberuflich. Doch im Herbst beginnt der 21-Jährige sein Studium. "Ich werde etwas im Bereich Wirtschaft und Verwaltungsrecht studieren. Den Job beim ASB werde ich aber beibehalten als Nebenjob." Im mehr als zwei Stunden entfernten Berlin lebt der 21-Jährige. In den Ferien kommt er extra in den Norden nach Mecklenburg-Vorpommern, um hier wie in Goldberg kleinen Kindern das Schwimmen beizubringen oder als Rettungsschwimmer am Strand Patrouille zu laufen. Die Arbeit macht ihm Spaß, das ist ihm anzusehen. Ruhig und mit viel Geduld erklärt Maximilian Kühnel auch in Goldberg seinen fünf Schülern die richtige Technik. Der Spaß aber geht dabei nie verloren. "Könnt ihr unter Wasser ausatmen", fragt er die fünf. "Versucht mal." Maximilian Kühnel macht es ihnen vor, nimmt seine Brille ab und geht mit dem Mund unter Wasser. Atmet aus und kleine Blubberblasen entsteht. Die sechsjährige Annabel traut sich zunächst nicht, doch ihr Bruder Moritz macht es ihr vor und dann pustet die Kleine -wie alle anderen - auch das Wasser an.

Vor allem die Großen haben an diesem Tag bewiesen, was sie schon können. Denn bevor es aus dem Wasser zum Aufwärmen ging, durften Moritz, Leonie und Ronja vom Steg ins Wasser springen. Schnell klettert Moritz die Treppe hinauf auf den Steg. Stellt sich auf die oberste Stufe, geht in die Hocke, hält sich die Nase und wagt den Sprung ins kalte Wasser. Nach nur wenigen Sekunden ist der Elfjährige mit dem Kopf wieder über Wasser. Jetzt geht es aber erst einmal raus aus dem kühlen Nass. Trockene Sachen anziehen und Pause machen. Danach geht es mit Spielen weiter, mit der Schwimmnudel und anderen Utensilien, die Maximilian Kühnel mitgebracht hat. Bis Freitag wird eder Schwimmlehrer die kleinen Wasserratten noch begleiten, auf dem Weg zum guten Schwimmer ohne Angst und Scheu vor Wasser.

Die Fahne der ASB-Wasserrettung weht im Wind. Im Sand des Goldberger Sees zeichnen sich winzige Fußabdrücke ab, eine kleine Welle kommt und schon sind sie wieder verschwunden.

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