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18. Dezember 2017 | 04:22 Uhr

Busbrände : Mögliche Wende im Busprozess?

vom

Der Zeuge habe Täterwissen, sei unglaubwürdig und "leidet unter dem Feuerwehrmannsyndrom".

svz.de von
erstellt am 13.Dez.2012 | 06:28 Uhr

Schwerin/plau am see/parchim | Am gestrigen 13. Prozesstag in Sachen Busbrände in Plau, Plauerhagen und Parchim bahnte sich eine mögliche Wende an. Die Verteidigung stellte etliche Anträge, die es in sich haben.

Mancher Zuhörer im Saal hatte es nach den 12 Prozesstagen schon geahnt: Einer der Zeugen könnte vielleicht der Täter sein. So jedenfalls die Vermutung der Verteidigung. Doch bevor es konkret wurde, hatte das Gericht unter Vorsitz von Uwe Fiddeke eine ganz andere Entscheidung zu verkünden. Am 4. Dezember hatte Rechtsanwalt Tobias Schiener einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht gestellt, da es seiner Meinung nach die Zeugenbefragung eines Kriminalbeamten gewertet hatte, obwohl die Verteidigung sich dagegen aussprach. Die dritte große Strafkammer des Landgerichtes hatte darüber entschieden und im Ergebnis den Antrag als unbegründet abgewiesen.

Nachdem also klar war, dass das bisherige Gericht weiter verhandeln wird, gab es weitere Anträge der Verteidigung. Rechtsanwalt Benjamin Richert von der Kanzlei Dr. Peter-Michael Diestel, Anwälte von Michael M., stellte den Beweisantrag, ein Sachverständigen- und psychiatrisches Gutachten über den Zeugen Benjamin S. zu erstellen. "Die Zeugenaussagen sollten den Angeklagten Michael M. nur belasten, um von möglichem eigenem Tatverdacht abzulenken", so die Verteidigung. Der Zeuge habe Täterwissen, sei unglaubwürdig und "leidet unter dem Feuerwehrmannsyndrom". Außerdem solle die zuständige Versicherung als Zeuge geladen werden, um zu beweisen, dass die Firma Maaß durch die Brände keine wirtschaftlichen Vorteile erlangt habe.

Diesen Anträgen hatte auch Tobias Schiener, Anwalt des Angeklagten Daniel S., noch eines draufzusetzen. "Im Namen meines Mandanten beantrage ich, den Haftbefehl vom 28. Februar 2012 aufzuheben beziehungsweise außer Vollzug zu setzen", so Schiener. Zur Begründung führte er den Verlauf der bisherigen Prozesstage sowie die fehlende Verdunklungsgefahr an. Außerdem würde das zu erwartende Strafmaß in Sachen Dieseldieb stähle relativ gering ausfallen und nicht im Verhältnis zur bereits geleisteten, neun Monate langen Untersuchungshaft stehen. Auch die Verfahrensdauer am Schweriner Landgericht sei ein weiteres Argument. "Die Verhandlungsdichte hat stark abgenommen. Wurde anfangs noch alle vier Tage verhandelt, sind es jetzt schon zehn Tage zwischen den Prozesstagen", so Schiener. Außerdem sei der Hauptbelastungszeuge Patrick Z. mehr als unglaubwürdig, da er allein durch seine Folgetaten nach seiner Aussage alles verspielt habe. Der Zeuge hatte sich kürzlich unter Androhung von Gewalt mit einem geklauten Lkw nach Berlin abgesetzt, soll unter anderem weitere Fahrzeuge gestohlen und eines in Brand gesetzt haben. Er wurde kürzlich durch ein Sondereinsatzkommando der Polizei im Brandenburgischen verhaftet (SVZ berichtete).

Staatsanwalt Thomas Bardenhagen wies in seiner Stellungnahme darauf hin, dass eine Haftaussetzung nicht in Frage komme. Zum einen bestehe Fluchtgefahr - möglicherweise ins Ausland - und zum anderen könne die Verteidigung nicht das zu erwartende Strafmaß jetzt schon als gering einschätzen. Über all diese Anträge hat das Gericht noch nicht entschieden und so könnten die folgenden Prozesstage noch interessant werden.

Gestern wurden zwei Zeugen gehört: Eine ehemalige Einwohnerin aus Kreien, die im dortigen Jugendklub mit dem Angeklagten Daniel S. oft zusammentraf, und die Kriminalbeamtin Kristin M., die zeitweise die Leitung der Ermittlungsgruppe in Sachen Busbrände leitete. Sie berichtete unter anderem, dass rund 100 Personen befragt wurden. Es waren Mitarbeiter der Busfirma und Personen aus dem Umfeld der Familie. Auch der durch die Verteidigung belastete Zeuge Benjamin S. wurde als möglicher Tatverdächtiger befragt, "jedoch hat sich dies nicht bestätigt", so die Kriminalbeamtin.

Zum Zeugen Patrick Z., den sie als glaubwürdig einschätzte, meinte Kristin M., dass er durchaus detaillierte Angaben zum Tatverlauf am 6. Januar 2012 in Parchim machen konnte, die er aus einem Gespräch mit dem Angeklagten Daniel S. haben will, mit dem er zeitweilig in einer Zelle saß.

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