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Schneefall bringt Lübzer zu Aggressionsausbrüchen : Mitarbeiter im Bürgeramt angepöbelt

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Am Telefon wie auch im Amt selbst geäußerte Beschwerden, die bis zu persönlichen Beleidigungen reichen, müssen sich die Mitarbeiter des Ordnungsausschusse anhören. Der Grund ist der Winterdienst der Stadt.

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erstellt am 26.Jan.2011 | 08:20 Uhr

lübz | "Manche reagieren schon aggressiv, wenn zwei Flocken fallen, andere stecken auch langen Schneefall weg - Menschen sind eben verschieden." Im Ordnungsausschuss nach Vorkommnissen im bisherigen Winter befragt, reagiert Bürgeramtsleiter Thomas Rosenfeldt vergleichsweise gelassen. Ein zügig gefälltes Urteil kann leicht daneben gehen, wie die folgenden Sätze zeigten: "Viele befreien Gehwege in kompletter Breite von Schnee und schieben ihn einfach auf die Straße, wo der Verkehr dann noch mehr behindert wird als eh schon. Dabei muss niemand den gesamten Fußweg räumen. Eine Breite von rund einem Meter reicht vollkommen aus. Der Mann im Schneepflug, der notgedrungen fast alles wieder zur Seite schiebt, traut sich kaum noch, anschließend durch einige Straßen zu fahren. Schon mehrfach wurde ihm mit ausgestreckten Fäusten und hochgehaltenen Schneeschiebern gedroht."

Noch schlimmer seien am Telefon wie auch im Amt selbst geäußerte, von enormer Aggression geprägte Ausbrüche, die bis zu persönlichen Beleidigungen aller Mitarbeiter reichten. "Das Räumen von Straßen ist für eine Kommune keine Pflicht, sondern nur eine Empfehlung", sagt Rosenfeldt. Dessen ungeachtet habe auch die Stadt ein Interesse daran, dass der Verkehr fließen kann. Also werde geräumt, aber der Bauhof könne nicht überall zugleich sein und zuerst werden die Straßen befreit, auf denen viele Fahrzeuge unterwegs sind. "Wem ist geholfen, wenn man sich laut pöbelnd beschwert, warum zum Beispiel eine Nebenstraße am späten Vormittag immer noch nicht geräumt wurde und man sein Auto nicht direkt vor der Tür abstellen kann?", fragt der Amtsleiter. Dies sei mehrfach vorgekommen. Wenn zu viel Schnee die Straße vorm Haus blockiere, müsse der Anwohner sein Auto woanders abstellen - auf einem Parkplatz etwa - und zu Fuß nach Hause gehen: "Viele scheinen vergessen zu haben, was Winter mit sich bringen kann."

Bis zum 31. Dezember 2010 hat die Stadt rund 33 000 Euro in den Winterdienst investiert - eine Summe, die der Bauhof intern mit der Verwaltung verrechnet. Am Ende des vergangenen, ebenfalls ungewöhnlich schneereichen Winters lag die Summe etwa doppelt so hoch.

Die Schützenstraße ist die einzige Straße in Lübz, in der sich Schülerbusse begegnen. "Wenn der Reisedienst Parchim anruft und sagt, dass die Fahrzeuge wegen des dort angesammelten Schnees nicht durchkommen, wird er weggebracht, weil die Busse sonst nicht mehr fahren. Und nicht deshalb, weil die Bürgermeisterin dort wohnt", sagt Verwaltungschefin Gudrun Stein. Anders lautende Unterstellungen machen immer wieder die Runde. Für eine kleine Erheiterung zwischen allem Ernst sorgte Hans-Dieter Düwel, Mitglied des Ordnungsausschusses, auf dessen jüngster Sitzung: "Dass sich einige Schneehaufen ein paar Tage länger hielten, brachte sogar etwas Gemütliches, indem die Stände auf dem Wochenmarkt näher zusammen standen. Da war der Wechsel von einem zum anderen mit keinen großen Wegen verbunden."

In der Lübzer Innenstadt sind viele Gehwege mit gelben Klinkern gepflastert - seinerzeit Bedingung für die Auszahlung von Fördermitteln für die Sanierung des Stadtkerns, weil Recherchen ergeben hatten, dass die Wege einst so gestaltet waren. Schon bei Regen sind die neuen Steine an einigen Stellen allerdings spiegelglatt, von leichtem Frost ganz zu schweigen. Ausschussmitglied Jürgen Kahl nannte als ein Beispiel die Plauer Straße: "Da hat sich die Stadt total verkehrt beraten lassen."


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