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Kabarett in Lübz : Mit Witz, Charme & Berliner Schnauze

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Schauspieler und Entertainer Peter Thomsen zu Gast in Lübzer MGH

Er bescherte einen netten Abend. Der sympathische singende Schauspieler Peter Thomsen aus Berlin gastierte im Mehrgenerationenhaus in Lübz mit einem Mix aus kritisch-witzigen Texten (meist) mit aktuellem Bezug und Couplets der „Goldenen Zwanziger“, in die das Publikum oft singend oder klatschend einfiel.

Mit frivolen Anspielungen, schrulligem Witz und hellsichtiger Kritik sind die Chansons und Couplets der Zwanziger zu Klassikern der leichten Gesangsmuse avanciert. Wer sie heute auf der Bühne darbietet, wird automatisch an bekannten Namen und Interpretationen gemessen. Für jeden, der sich daran wagt, also keine einfache Aufgabe. Während einer der bekanntesten Interpreten der Couplets heute, der Holländer Robert Kreis, sehr erfolgreich den blasierten Conferencier-Typ mit viel Pomade im Haar gibt, holt Thomsen seinerseits die Lieder dahin zurück, wo sie, wenn auch nicht unbedingt entstanden sind, aber doch am meisten geliebt und geträllert wurden, ins Volk. Dass Thomsens erste Bühnenfigur, der Wilhelm Voigt alias Hauptmann von Köpenick, als Zeitgenosse des Kaiserreichs historisch nicht so recht zu Max Kuttners Lied von der „Schönen Adrienne mit der Hochantenne“ (1925) oder zu Otto Reutters „Mit der Uhr in der Hand“ (1928) passt, darüber sollte man großzügig hinwegsehen. Schließlich lag der Hauptakzent des Abends auf Berlin und zum Berlinerischen Inventar gehört der kesse Aufschneider auf jeden Fall. Schnoddriges Gewitzel über den Nadelstreifen als beste Tarnung und ein „Oberbescheidswisserberatungsbüro“ kann man auch einem Voigt in den Mund legen, erst recht das Zitat über den „Zwickelerlass“ aus dem Jahr 1932. Der nämlich bestimmte auf grotesk-bürokratische Art, wie Badebekleidung in der Öffentlichkeit beschaffen sein müsse. Auf jeden Fall mit Beinansatz und Zwickel. „Badet im Gehrock“ reagierte die Presse damals auf den Erlass zum „deutschen Sittenzwickel“, erfahren wir schmunzelnd.

Thomsens Requisite war minimalistisch. Ein Garderobenständer für die Kostüme, eine alte, verbeulte Flüstertüte, ein Tischchen für den Musikknopf und ein Stuhl, auf dessen Rückenlehne ein Blumenkasten montiert war. Das interessant verfremdete Sitzmöbel wurde dann zum „Balkon“ und Beobachtungsposten des zweiten der insgesamt drei angekündigten „Berliner Originale“, des Pensionärs Paule mit Zigarrenstumpen zwischen den Fingern und viel Zeit zum Meckern. Der räsonierte über teure Friseur, seine Hosenträger – „Die jibts heute auch in Pink“ – und über Malte Sören, den Waldorfschüler, der seinen Namen tanzen kann (Das hat man nun aber oft genug gehört!). Den Rap, den Malte angeblich für Opa geschrieben hat, trug Thomsen dann vor und schlug zum Rhythmus kräftig mit dem Krückstock auf. Eine originelle Nummer, dazu aktuell, da es textlich mal wieder um den Neubau des Berliner Flughafens ging. Knorke.

Auch dem Pensionär wurde natürlich ein Couplet in den Mund gelegt. „Nehm’n Sie ’nen Alten“ sang Thomsen gefühlvoll. Später, in seiner dritten Rolle als Taxifahrer Benno Beidokat, sehnte dieser sich singend nach einem gewissen Fleischklops: „Jetzt wünscht ick mir, ick hätte ’ne Boulette.“ Ansonsten spießte der Taxifahrer neumodischen Kram auf, Talk-Shows, die weniger gemütlich ausfallen als Pfarrer Flieges Gesprächsrunden, die Spanner-Perspektive auf Container und Dschungelcamps und immer wieder Ehefrau Trude, die auf Trend-Trip ist.

Vorsichtig gesagt, denn es ist sicher nicht ganz einfach, im MGH so wie im Wohnzimmer vor Publikum zu stehen, ein bisschen mehr Biss, ein bisschen mehr Kontur à la Berliner Schnauze, wäre gut gewesen. Für höfliche Süddeutsche wäre es ein Hauptspaß geworden.

 















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