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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. November 2017 | 21:39 Uhr

Kremserfahrt : Mit Warmblut Axel übers Land

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Kremserfahrt startete von Wendisch Priborn aus mit vielen Teilnehmern / Klaus Fengler und Christian Muchow wollen Ausflug erhalten

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Als ein „Denkmal“ in Bewegung lässt sich die Kremserfahrt von Wendisch Pribonr beschreiben, an dem teilzunehmen Spaß macht und das die Attraktivität des Landlebens eindeutig steigert. Es geht langsam voran, wie sonst sollte man eine Off-Road-Tour mit Kremsern bewältigen? Das Tempo von Pferd und Wagen macht die Charakteristik und den Charme der Fahrt aus. „Die Kremserfahrt ist ein Volksfest, das der Gemeinde nicht viel kostet“, sagt der ehemalige Bürgermeister von Wendisch-Priborn, Klaus Fengler. Er ist der Schirmherr dieser Oktoberfahrt und hält nach Aufstellung der Gefährte auf dem Gemeindesportplatz eine kurze Ansprache: Die Erlaubnis der Bauern, bestimmte Felder und Wiesen zu queren, ist eingeholt. Frisch eingesäte Felder dürfen grundsätzlich nicht befahren werden. Und – überholen verboten!

Dann heißt es, sich festhalten. Axel, ein schwarzes Warmblutpferd, Widerristmaß 1,70 m, geht mit dem Einspänner kräftig in die Kurve und ruckartig hebt der Fahrgast von der hölzernen Sitzfläche ab. Axel belegt hinter dem Zweiergespann von Zugführer Christian Muchow Position zwei und dort hat er auch zu bleiben. Immer wieder stößt er nahe an das vordere Gefährt heran. Die Bewegungen der Zugtiere, das merkt man schnell, sind etwas völlig anderes, als der gleichmäßige Antrieb durch eine Maschine. Der tierische Antrieb schnaubt, wirft den Kopf, wie es scheint, manchmal unwirrsch auf die Seite. Die Fahrer nehmen das gelegentliche unruhige Mucken ihrer Tiere mit Gelassenheit oder gutmütig-brummigen Zurufen. Fünfundzwanzig Kilometer weit werden die Pferde die Wagen heute ziehen müssen. Leichter haben es die Reitpferde. Wendig und schnell umtänzeln Reiter mit Cowboyhüten auf dem Kopf die behäbigen Kremser.

Leider ist das Wetter nicht besonders, der Tag ist nicht kalt, aber nebelverhangen, so grau wie die große Schar Kraniche, die in einiger Entfernung auf dem Feld stehen. Es ist Herbst, man könnte im Vorüberfahren die gelben Blätter von den Büschen streifen. Die Stimmung unter den Kremserfahrern und Reitern ist dennoch gut. Mittagsrast mit Imbiss, Kaffeetrinken und Herbstfeuer zum Abschluss, es wartet noch einiges auf die Teilnehmer dieses Volksfestes von Wendisch Priborn.

Ein wenig düster allerdings ist die Stimmung des Fahrtorganisators Christian Muchow. Kein Volksfest ohne viel ehrenamtliche Arbeit. Aber wer mit Pferden aufgewachsen ist wie Muchow, außerdem seit Jahren mit der traditionellen Kremserfahrt verbunden, nimmt dies gern auf sich. In diesem Jahr allerdings, berichtet Muchow, habe die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ganzlin nicht funktioniert: Drei Wochen lang sei Bürgermeister Jens Tiemer für Muchow nicht erreichbar gewesen: „Kein Draht. Die angegebenen Sprechzeiten waren die der Sekretärin des Bürgermeisters“, erzählt Christian Muchow von seiner Erfahrung.

Schließlich erhielt Muchow das Okay, musste aber die ganze Organisationsarbeit nun in zwei Wochen stemmen. Besonders verärgert zeigt er sich über eine neue finanzielle Regelung: „Ich sollte hundert Euro bezahlen für den Platz, der überhaupt nicht benutzt wird. Andere Kosten zahle ich der Gemeinde natürlich gerne.“ Sein Budget ist nicht himmelstürmend. Das Geld der Teilnehmer reiche, sagt er sinngemäß, nicht auch noch für eine Platzmiete.

Muchow möchte nicht nur die Kremserfahrt unbedingt erhalten, sondern auch ihre Rahmenbedingungen. Für ihn und Klaus Fengler ist die Kremsertour seit je ein Gemeindefest.





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