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Goldberg: Arbeiten in einer Männerdomäne : Mit rasendem Puls im Einsatz

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Ein lautes Piepen ertönt. Nadine Radtke ist sofort hellwach. Ihr Puls rast. Innerhalb einer Minute muss sie ihre Arbeitskleidung angezogen haben. Denn sie ist eine der wenigen, weiblichen Rettungsassistenten.

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erstellt am 10.Aug.2012 | 10:51 Uhr

Goldberg/Parchim | Ein lautes Piepen ertönt in den Räumen der Raiffeisenstraße in Goldberg. Nadine Radtke ist sofort hellwach. Ihr Puls rast. Adrenalin fließt jetzt durch ihre Adern. Innerhalb einer Minute muss sie ihre Arbeitskleidung angezogen haben. Einen Blick auf den kleinen Pieper zeigt ihr, was vorgefallen ist. Der Einsatzort steht auf dem kleinen Bildschirm, auch der Name der Person, die Hilfe braucht und um was für einen Notfall es sich handelt. Helfen, sofort an Ort und Stelle sein, das ist Nadine Radtkes Job. Denn die junge Frau arbeitet seit vielen Jahren als Rettungsassistentin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Goldberg, der dem Kreisverband Parchim angehört.

In Windeseile zieht Nadine Radtke rote Hose, weißes Polo-Shirt, Jacke und Sicherheitsschuhe an. Zusammen mit einem ihrer Kollegen steigt sie dann in den RTW - einem Rettungswagen des DRK. Mit Blaulicht geht es den kleinen Hügel runter, rechts abbiegen und dann auf die B 191. Möglichst schnell zum Unfall- oder Einsatzort. Solche Notfälle passieren, jeden Tag. Nur an wenigen Tagen im Jahr bleibt der Rettungswagen in der Garage der Wache in Goldberg. Vor Ort beginnt Nadine Radtke dann mit der Erstversorgung des Patienten. Bei sehr schweren Notfällen kommt die Person ins Krankenhaus nach Plau am See oder Parchim. Je nach Schweregrad. "In einigen Fällen fände ich es schön, wenn wir Rückmeldung erhalten würden, wie es mit dem Patienten weitergegangen ist. Aber das geschieht nicht automatisch. Wir müssen dann schon den behandelnden Arzt im Krankenhaus fragen", erklärt die Rettungsassistentin.

Nach einem Einsatz geht es zurück zur Wache nach Goldberg. Dann stehen andere Aufgaben an, denn Nadine Radtke ist seit fünf Jahren Teamleiterin der Goldberger Wache. Ein Job, der Spaß bringt, aber auch eine Herausforderung für die 32-Jährige ist - vor allem am Anfang und vor allem als Frau. "Zu Beginn gab es schon manchmal Probleme. Zudem weil ich so jung war und eine Frau bin.

Doch mittlerweile bin ich bei den Kollegen als Teamleiterin angesehen", verdeutlicht Nadine Radtke. Und die Wache in Goldberg ist mit insgesamt drei Frauen im Rettungsdienst die Wache mit den meisten weiblichen Kollegen im Kreisverband Parchim. Darüber freut sich die 32-Jährige besonders. "Es gibt doch fast nichts mehr, wo die Frau nichts zu suchen hat. Sicherlich gibt es Situationen, in denen Männer besser geeignet sind, aber es gibt eben auch Situationen, in denen eine Frau eher gebraucht wird", so die Rettungsassistentin. Ihre Kollegen hat Nadine Radtke aber mittlerweile im Griff - Männer wie Frauen.

Denn das sogenannte Küken - wie sie von den Kollegen liebevoll genannt wird - schreibt Dienstpläne, führt Personalgespräche und versucht Probleme aus dem Weg zu räumen. Aufgaben, die ein Teamleiter eben machen muss. Tagtäglich steht sie dafür in einem Männerberuf ihren Mann. "Der Rettungsdienst ist größtenteils wirklich immer noch eine Männerdomäne. Wer hier arbeiten will, muss selbstbewusst sein", verdeutlicht die DRK-Mitarbeiterin.

Doch nicht immer hat Nadine Radtke beim DRK gearbeitet. Nach dem Schulabschluss lernte sie zunächst etwas anderes. Ein Beruf, der ihr später bei der innerbetrieblichen Ausschreibung eines Teamleiters der DRK-Wache in Goldberg sehr hilfreich sein sollte. "Ich habe erst eine Ausbildung zur technischen Assistentin für Informatik gemacht. Aber an sich acht Stunden auf dem Hintern sitzen, ist einfach nichts für mich." Deshalb ließ sich Nadine Radtke zur Rettungsassistentin ausbilden, sobald sie volljährig war. Mittlerweile arbeitet die Warenerin seit sechs Jahren beim DRK-Kreisverband Parchim. Etwas anderes kann sich die Mutter eines Sohnes auch nicht vorstellen. "Ich liebe meinen Job", sagt sie voller Freude - und das auch nach einer 24-Stunden-Schicht.

Auch nach vielen Jahren als Rettungsassistentin gibt es immer noch Notfälle, die ihr besonders ans Herz gehen. "Alle Notfälle, die mit Kindern zu tun haben, lassen meinen Puls höher schlagen", erklärt Nadine Radtke. Noch in ihrer Ausbildung musste die 32-Jährige zwei Kindstote miterleben. "So was muss ich nicht haben." 80 bis 90 Mal im Monat müssen die DRK-Mitarbeiter in Goldberg zu Notfällen ausrücken. Die Mehrheit aber sind keine Autounfälle, sondern Notfälle aus gesundheitlichen Gründen. "Oftmals haben wir Patienten mit einem Herzinfarkt oder Schlag anfall. Dann zählt jede Minute. In der vergangenen Zeit hatten wir auch viele Einsätze wegen Kreislaufproblemen. Der Wechsel von heißem und kaltem Wetter macht den Menschen sehr zu schaffen", erklärt Nadine Radtke.

Sobald ein lautes Piepen in den Räumen der Goldberger Wache ertönt, ist Nadine Radtke hellwach. Ihr Herz schlägt schneller, Adrenalin fließt durch ihre Adern, der Puls rast. In Windeseile zieht sich die Rettungsassistentin an und rennt zum RTW. Mit Blaulicht geht es zum Einsatz - wieder einem anderen Menschen helfen.

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