Berufseinsteiger : Mit Powerpoint und Salbentiegel

Unter acht Infoständen war auch die Wemag vertreten.   Fotos: monika maria degner
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Unter acht Infoständen war auch die Wemag vertreten. Fotos: monika maria degner

Ehemalige Schüler des Eldenburg-Gymnasiums referierten für die Klassen zehn und elf über ihre Ausbildungs- und Studienerfahrungen

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16. März 2015, 22:00 Uhr

Früher wurden Bewerbungen in den Personalbüros angeblich in Waschkörbe gefüllt, auch solche um Ausbildungsplätze. Heute haben die sprichwörtlichen Waschkörbe fast schon ausgedient, da die Deutschen seit Jahren weniger Kinder bekommen. Viele Unternehmen irritiert dieser Rückgang der Bewerberfluten. „Heute müssen wir Bewerber nehmen, die früher keine Chance auf eine Ausbildung gehabt hätten“, klagte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Gleichfalls konstatiert der Interessenverband einen Rückgang der Bewerber um eine duale Ausbildung, obwohl sie an Attraktivität doch gewonnen habe. Immerhin reiche ein erfolgreicher Abschluss. Abitur müsse nicht sein.

Vielleicht wirkt Oliver Maaß, der gerade eine duale Ausbildung macht, deshalb so zufrieden. Seine Mitarbeit ist begehrt. Der ehemalige Abiturient des Eldenburg-Gymnasiums studiert BWL und tritt anlässlich des Berufs- und Studienorientierungstages an seiner alten Schule voller Enthusiasmus und mit einer umfangreichen Powerpoint-Präsentation für seinen praktischen Ausbilder, die Wemag, ein. Partner im dualen System ist die Wirtschaftsakademie Lübeck. Die Unternehmensgruppe Wemag, das „drittgrößte Unternehmen in MV“, bietet dual außerdem die Studiengänge regenerative Energiesysteme und Energiemanagement sowie Wirtschaftsinformatik an. Ein Anforderungsprofil gibt es allerdings nach wie vor: gute bis sehr gute Schulleistungen, auch in den drei Basisfächern Deutsch, Englisch, Mathematik, sagt die Powerpoint-Projektion. Da stellt sich wieder die alte Frage: Welcher Notenschnitt soll es denn sein? Manche Schüler lachen über die Anforderungen. Dass sie ihre Schulzeit nicht mit einem Schnitt von 1,0 beenden werden, wissen sie jetzt schon. Aber Maaß, hier mit 21 Jahren der Erfahrene, beruhigt: „ Minimum ist ein Schnitt von 2,5.“ Außerdem werde anfangs ein Test durchgeführt, der zähle auch.

Noch jünger als Maaß ist der 18-jährige Referent Lukas Höppner, der die Schule nach der 11. Klasse mit der FH-Reife verließ, um, ebenfalls auf dualem Ausbildungsweg, Elektroniker für Automatisierungstechnik zu werden. Allerdings sagt er nun: „Im Nachhinein denke ich, ich hätte die 12. Klasse machen müssen. Mit dem Abitur hat man doch die Möglichkeit, breiter zu studieren.“ Restlos überzeugt von ihrer Berufswahl scheinen hingegen die FH-Studentinnen Christina Braun und Anika Weisbrich. Christina erklärt sich vor den Zuhörenden mit Nachdruck für ihren Lebensberuf der Sozialassistentin beziehungsweise Erzieherin. Jetzt, im Umgang mit Kindern, fühlt sie sich authentisch, angekommen in ihrem Leben. Anika Weisbrich hingegen zieht es hinaus. Andere Länder kennenlernen, andere Sprachen sprechen. Aber zunächst brach sie nach Wernigerode im Harz auf, um Tourismusmanagement zu studieren.

Schülerfragen kommen nur vereinzelt auf: „Wie sieht es in Wernigerode mit Wohnungen aus? Oder: Wie hoch sind die Semestergebühren?“ Die Schüler und Schülerinnen der zehnten und elften Klassen gehen mit einer gewissen Nüchternheit an die Demonstrationen der Älteren heran. Die Teilnahme an der heutigen Veranstaltung ist auch nicht freiwillig, die Gymnasiasten müssen die Testate von mindestens vier Referenten einholen. Samantha, Marina und Justus, alle drei sind 17, haben bereits einige Referate gehört. Zuletzt das von Armin Waburg, der an der Uni Energie- und Prozesstechnik studiert. Armin hat seine Vorliebe für die Naturwissenschaften mit einer Ausbildung verbunden, in der er einen ökologischen Sinn erkennt. Die drei genannten Schüler geben ein gutes Beispiel dafür ab, wie unterschiedlich der Stand hinsichtlich der Berufs-/Ausbildungswahl noch ist. Justus weiß hundertprozentig, dass er an der Uni Informatik studieren wird. Samantha hat schon einen Ausbildungsplatz als Mechatronikerin bei Isover in Lübz und Marina findet es gut, heute nur schnuppern zu können. Sie braucht noch etwas Zeit.

Interessant ist, dass zwei Referenten, beide studieren an klassischen Unis, mit ihren konkreten Demonstrationsobjekten punkten konnten. Martina Winkler, Doktorandin der Pharmazie, hatte Salben, Tiegel und Mörser mitgebracht und Robert Ott, der in Rostock biomedizinische Technik studiert, beeindruckte Samantha und Marina mit Herzklappen, Schrittmachern und hyperfein geflochtenen Gefäßstents.

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