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in der kunsthalle below : Mit „Gabriele“ zurück zu den Wurzeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Frank Osthoff kommt aus Köln, um in der Kunsthalle Below seinen „Gesammelten Widerworten“ und seinem Projekt „TippStelle“ mehr Worte zu geben

von
erstellt am 31.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Die Teetasse steht direkt neben Gabriele. Mit Blumenmotiv auf der Keramik. Frank Osthoff schaut konzentriert auf das Blatt Papier vor ihm. Fest steckt es in der Schreibmaschine. Seine Augen bewegen sich von links nach rechts. Der Kölner liest etwas. Dann tippt er weiter. Nicht so schnell wie an einem PC, aber geübt. Zurück zu den Wurzeln – nicht nur beim Schreiben. Zum dritten Mal hält sich Frank Osthoff – von Haus aus Übersetzer – in der Kunsthalle Below auf. „Ich bin zu einem Viertel Mecklenburger“, erzählt er stolz. Sein Opa wurde in Wendisch Waren geboren. „In meiner Kindheit waren wir oft hier in der Region.“ Bei jedem seiner Besuche kommen die Erinnerungen zurück. Verwandt sei er über einige Ecken auch mit Familie Ortmann – alteingesessen in Below. Unfreiwillig kehrte der Opa damals der mecklenburgischen Heimat den Rücken. „Ich kann verstehen, warum mein Opa nie Abschied genommen hat.“ Frank Osthoff hält inne. Dann: „Es ist unglaublich perfekt hier.“

In der Kunsthalle Below findet Frank Osthoff vor einigen Jahren seine „TippStelle“. Mitten in der Halle baut er seinen kleinen Tisch auf, ein Stuhl reicht und das wichtigste – seine Gabriele steht drauf. Drum herum Notizen, Geschriebenes, Ideen... Frank Osthoff arbeitet hier auch. Die Entspannung kommt nebenbei. Das passiert einfach an diesem kreativen Ort. „Müssen Sie mal ausprobieren. Ein paar Tage hier bleiben und an einer Schreibmaschine etwas schreiben“, schlägt der Kölner vor.

Kurze wie längere Texte entstehen in der Kunsthalle. Sie handeln von Erlebtem, von Sehnsüchten. Haikus werden getippt. Dabei handelt es sich um japanische Dichtung mit nur einem Vers, drei Zeilen und der Silbenfolge 5-7-5. Below – seinem kreativen Ort – hat Frank Osthoff ebenfalls eines gewidmet: „Below – Windrauschen im Feld / Kirchturm grauhölzern und schief / Augustapfelbaum“. Geschrieben vor zwei Jahren in der Kunsthalle. In diesem Jahr entstand eine weitere Idee – das Projekt „TippStelle“ wurde geboren. Nicht nur im Kulturhaus Mestlin hatte Frank Osthoff dafür sein kleines, mobiles Büro eingerichtet, sondern auch in der Region. Unter anderem in Ludwigslust – mitten im Park mit Blick auf das Barockschloss. „Einige machten einen großen Bogen um mich, andere schauten verstohlen“, erzählt Frank Osthoff. Gespräche entstehen aber auch. Der Einfluss von Raum und Ort hat begonnen. Genau darauf wollte Frank Osthoff hinaus. Ins Gespräch kommen mit Menschen, kommunizieren. Solche Szenen hält er dann fest – mit Schreibmaschine, Papier und Farbband. Wie diese mitten in Ludwigslust: „,Ach eine Erika.‘ – ,Nein, das ist Gabriele, die Schwester‘. Erika ist die Gabriele der DDR, weiß ich jetzt.“ Unzählige Gespräche führen auch Frank Osthoff und Stefie Steden, die Gründerin der Kunsthalle Below. Ihre kreativen Köpfe stecken sie zusammen, tauschen sich aus. „Du machst mit deinem Projekt TippStelle keine Lesung, sondern eine ,Schreibung‘“, wirft Stefie Steden ein. Frank Osthoff gefällt der Begriff auf Anhieb.

Mitunter entstehen in Below wenige Texte, dann wieder um die 100. Frank Osthoff lässt sich da treiben, nicht stressen. Geschrieben hat der Übersetzer für Englisch, Französisch und Russisch schon immer. Eigentlich immer am PC, später am iPad. Und jetzt wieder an der Schreibmaschine. Gabriele liefert ihm etwas ganz besonderes. „Sie bedient viel mehr meiner Sinne.“ Fühlen und hören spielen eine ganz wichtige Rolle.

„Gesammelte Widerworte“ heißt Frank Osthoffs kleine Buchreihe mit „Biskuitrolle rückwärts“ und „Rheinischer Reißverschlussverkauf“. Frank Osthoff spielt mit der Sprache. Setzt sie gekonnt ein. Mal ernst, mal witzig, mal zweideutig. So auch bei „Alter Käfer“ – „Mein alter Käfer war es nur, den ich in eine Werkstatt fuhr, doch dank Styling, Tuning, Politur erfuhr er eine Schönheitskur. Das nenn ich Autokorrektur.“ Frank Osthoff, eben ganz Kölner Jeck.

 

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