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22. September 2017 | 02:51 Uhr

Mit "Foto-Auge" durch Lutherdekade

vom

Vor acht Jahren entdeckte Melitta Flemming ihre Liebe zur Fotografie. Seitdem hat sie so viele Bilder geschossen, dass sie daheim ein kleines Zimmer zum Archiv umfunktionieren musste.

svz.de von
erstellt am 19.Jun.2013 | 06:38 Uhr

Lübz | Wieviele Fotos sie schon gemacht hat? Melitta Flemming kann es nicht sagen. Unmengen bestimmt. So viele jedenfalls, dass sie daheim längst ein kleines Zimmer zum Archiv umfunktionieren musste. Wie andere auf Alben schwören, schwört Melitta Flemming auf ihr System. "Als meine Fotos mit der Zeit immer mehr wurden, habe ich gemerkt, dass man sein eigenes System haben muss, sonst verliert man irgendwann den Überblick." Wie bei jeder anderen Sammlung auch. Aber die Lübzerin hat ihn noch nicht verloren.

Erst vor acht Jahren kam Melitta Flemming zur Fotografie. Damals schloss sich die Lübzerin der Fotogruppe der Kreisvolkshochschule unter Leitung von Fotografin Monika Lawrenz an. Ein "weiser Entschluss", findet sie noch heute. Den Unterschied zwischen "knipsen" und "fotografieren" - hier hat sie ihn gelernt. Auch, worauf es bei der Motivsuche ankommt, oder wie man das "Foto-Auge" schulen kann. Inzwischen hat sie ein Gespür dafür, ob ein Motiv auf ein Thema passt oder nicht. "Oft ist es nur ein Bauchgefühl", sagt sie. "Und trotzdem kommt es nicht selten vor, dass ich von einem Motiv 30, 40 Fotos mache und trotzdem gerade mal drei, vier ordentliche Aufnahmen dabei sind. Es gibt aber auch Tage, da mache ich hundert und nicht eines taugt. Das ist Fotografie."

Bei Monika Lawrenz geht Melitta Flemming in eine harte Schule. Hart im positiven Sinne. "Mit ihr werten wir unsere Arbeiten regelmäßig aus. Dann müssen wir erklären, was uns an dem Motiv gefällt, oder wieso wir es so und nicht anders in Szene gesetzt haben, wie das Licht war…", erzählt Melitta Flemming und lacht: "Mit Bauchgefühl brauch’ ich ihr nicht zu kommen. Darum bin ich manchmal echt am Grübeln."

Gegrübelt hat sie auch, als sie von Lübz’ Pastor Enrico Koch den Auftrag für eine Fotoausstellung in der Kirche bekommen hatte. Nach einer thematisch völlig freien ersten und einer zweiten, die Bibelsprüche illustrierte, ist dies nunmehr ihre dritte. Und thematisch eine Herausforderung: Noch bis zum 500. Reformationsjubiläum setzt sich die Lutherdekade (2008 - 2017) fort, die das weite Spektrum der Reformation in Themenjahren splittet. 2013 sind es "Reformation und Toleranz". Melitta Flemmings Aufgabe war es, zum Kirchenlied "Eine feste Burg ist unser Gott" eine 20-teilige Fotoreihe zu erarbeiten. Martin Luther hatte dieses Lied für den Protestantismus wohl vor 1529 geschrieben und komponiert. Für die neue Ausstellung - die beim Gottesdienst an Christi Himmelfahrt eröffnet worden war und die die Besucher der Kirche noch bis Ende August sehen können - "zerlegte" Pastor Koch es in 20 Zweizeiler. "Daraufhin ging ich daran, aus meinen Arbeiten Fotos auszuwählen, die eine Interpretation der Zeilen zulassen", erinnert sich Melitta Flemming an die intensive Vorbereitung. Leicht sei das nicht gewesen, denn immerhin schrieb Luther am beginnenden 16. Jahrhundert einen ungleich anderen Stil als heutige Autoren. "Und dann habe ich selbst den Anspruch, dass meine Bilder auch in den Augen von Profis bestehen", so Melitta Flemming. Am Ende "schafften" es die Brücke über das Warnow-Tal nahe Sternberg, die Retzower Heide, das Darzer Moor im Morgennebel, Eisschollen am Woseriner See, zwei Reiter am Strand von Boltenhagen, eine herzförmige Schilfspiegelung im Sonnenuntergang, die Elde bei Heiddorf, Baumringe und noch zwölf weitere Fotos auf das Patronatsgestühl der Kirche. "Erklärtes Lieblingsfoto der Besucher ist jenes mit dem modernden Baumstumpf am Ufer des Woseriner Sees", sagt Melitta Flemming. Die einen mögen es wegen des intensiven Farbspiels, das man so hier vielleicht nicht vermuten würde, die anderen wegen des Mutes zum Detail. "Dieses Foto trägt die Lied-Zeilen ,Mit unsrer Macht ist nichts getan, Wir sind gar bald verloren’ und ich denke schon, das Motiv trifft das recht gut." Mehr Lob aus dem eigenen Munde hört man von Melitta Flemming kaum. Große Worte sind eben nicht ihrs. Worte des Dankes schon: "Ich bin sehr froh und dankbar, dass unser Pastor mir diese Aufgabe übertragen hat, und ich bin auch ein wenig stolz."

Pastor Koch hatte im Vorfeld der neuen Ausstellung natürlich nicht die Katze im Sack gekauft. Schon vor zwei Jahren hatte er Melitta Flemming gefragt, ob sie ehrenamtlich den Part der Gemeindefotografin übernehmen wolle. Sie wollte und ist seitdem mit ihrer Kamera nicht mehr nur mit ihrer Fotogruppe, sondern solo auch bei Konfirmandenausflügen dabei; sie hält den Moment der Taufe fest, lichtet Hochzeiten ab, sie macht die Fotos für die Gemeindebriefe…

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