südbahn Hagenow – Neustrelitz : Mit Fackeln gegen die Kürzung

Auf dem Bahnhof in Gallin versammelten sich trotz Regen und Wind 24 Einwohnerinnen und Einwohner mit Fackeln und Laternen, unter ihnen Bürgermeister Holger Klukas (3. v. r.).
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Auf dem Bahnhof in Gallin versammelten sich trotz Regen und Wind 24 Einwohnerinnen und Einwohner mit Fackeln und Laternen, unter ihnen Bürgermeister Holger Klukas (3. v. r.).

Morgen ist der Gesprächstermin bei Staatssekretärin im Infrastrukturministerium. Am 10. Dezember ist die nächste Demonstration vor dem Landtag in Schwerin geplant.

svz.de von
03. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Dieter Krützfeldt aus Lübz kann von Geburt an nicht richtig laufen und braucht als Erwachsener heute ein Elektromobil, um von A nach B zu kommen – auch zu seinen Ärzten in Parchim und Schwerin. Die geplante Schließung der Bahnverbindung (wir berichteten mehrfach) beschäftigt ihn: „Wenn es so kommen sollte, sitze ich hier fest. Um aus der Stadt wegzukommen, bin ich auf die Bahn angewiesen, denn kein Bus nimmt mein rund 300 Kilogramm schweres Mobil mit – wie auch? – und ein Taxi bezahlt mir niemand. Beim Zug wird eine Rampe angelegt, über die ich problemlos hinein- wie herausfahren kann. Ich finde es unglaublich, in Kauf zu nehmen, dass Behinderte, viele Ältere und zum Beispiel Berufsschüler zusehen können, wie sie weiterkommen, wenn der Plan umgesetzt wird. Vielleicht überlegt Herr Schlotmann mal besser, was er tut! Menschenwürde spielt bei seinem Vorhaben keine Rolle.“

Heute hat die gemeinsam mit Malchowern gegen die Kürzung kämpfende Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene Hagenow – Neustrelitz“ einen Gesprächstermin im Infrastrukturministerium. Mit dabei ihr Sprecher Clemens Russell, der eigenen Worten zufolge den Zahlen misstraut, die das Ministerium als wichtiges Argument für die Teilschließung zwischen Parchim und Waren anführt (zu geringe Auslastung). „Meine Zweifel werden unter anderem dadurch gestärkt, dass nur zwei Zählzeiten gewählt wurden – zu wenig“, sagt er. „Deshalb werden wir auch diese Werte noch einmal genau unter die Lupe nehmen.“

Als „Unding“ bezeichnet zum Beispiel auch Reimer Zieher vom Gästehaus Bobziner Schleuse die ins Auge gefasste Unterbrechung: „Ich sehe dann akute Gefahr für den Fortbestand unserer Einrichtung. Und das dürfte nicht nur uns so gehen, denn viele holen bewusst mit der Bahn öfter aus Berlin oder Hamburg angereiste Gruppen in der Regel in Passow ab.“ An diesem Abend steht er gemeinsam mit 23 Menschen jeden Alters auf dem Bahnhof in Gallin, die auch hierhin mit brennenden Fackeln, Spruchbändern und Lampen gekommen sind, um Fahrgäste der Bahn direkt vor ihnen auf das Problem aufmerksam zu machen.

In dieser Woche kam aus Schwerin die Nachricht, dass der Minister an seinem Vorhaben festhalten will und man schon Verhandlungen mit Busunternehmen aufgenommen habe. „Das hat Methode. Ziel ist, uns zu schwächen“, so BI-Mitgründer Otto Krachenfels.

An dem einen Abend haben an allen Haltestellen der Südbahn insgesamt zwischen 250 und 300 Demonstranten teilgenommen, sagt BI-Mitglied Rainer Raeschke. Aufgeben werde man den Protest auf keinen Fall, zumal die Unterstützung wachse. Am 10. Dezember ist eine weitere Demonstration vor dem Landtag in Schwerin geplant.

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