Politik : Mit Elan in die letzte Runde

Gudrun Stein in ihrem Arbeitszimmer im Lübzer Rathaus
Gudrun Stein in ihrem Arbeitszimmer im Lübzer Rathaus

Gudrun Stein noch einmal als Bürgermeisterkandidatin in Lübz aufgestellt / Lob für Miteinander in ihrer Stadt

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03. März 2015, 22:00 Uhr

Im April tritt Amtsinhaberin Gudrun Stein in Lübz zum letzten Mal zur Bürgermeisterwahl an. Auch unabhängig davon, dass sie die dienstälteste hauptamtliche Verwaltungs-Chefin in Mecklenburg-Vorpommern ist, steht fest: Langweilig war ihr Leben zu keiner Zeit.

1954 in Benthen geboren, lebt sie dort zunächst mit Mutter und Vater bei den Großeltern, bis die junge Familie 1957 nach Passow zieht. Hier geht Gudrun Stein bis zur achten Klasse in die heute noch existierende Schule, woran sich der Besuch der EOS von 1968 bis 1972 anschließt. Ein beinahe kurios anmutender Fakt: „Ich ging mit Norbert Reier zusammen in eine Klasse. Es ist ein Punkt, der unsere Zusammenarbeit in der Region heute über die Stadtgrenzen hinaus erleichtert. Wir können offen miteinander reden.“

Gudrun Steins Vater war Schmied in einem Kreisbetrieb für Landtechnik. Eine körperlich schwere Arbeit, von der ihr neben dem ihn ständig umgebenden Feuer besonders das Nachschärfen der Pflüge und Schare im Frühjahr und Herbst in Erinnerung geblieben ist. Einige heute im Stadtmuseum ausgestellte Stücke kenne sie noch aus aktiver Nutzung.

Ab 1972 studiert Gudrun Stein in Güstrow – zu diesem Zeitpunkt zum Hochschulstandort erhoben – vier Jahre lang Deutsch und Russisch, um darin Schüler unterrichten zu können. „Ich wäre gern in den medizinischen Bereich gegangen, aber wer in Biologie und Chemie keine 1 hatte, brauchte sich diesbezüglich keine weiteren Gedanken zu machen“, erzählt sie.

Ihr erster Arbeitsplatz ist dann für zwei Jahre die damalige POS in Passow, in der sie einst selbst die Schulbank gedrückt hatte. Die neue Tätigkeit wird 1977 durch die Babypause für das erste Kind unterbrochen. Es ist auch das Jahr, in dem die Familie nach Lübz zieht, wo 1979 ihr zweites Kind – ein Sohn – zur Welt kommt.

Weil hier der Bedarf damals groß ist, unterrichtet Gudrun Stein im zweiten Babyjahr an zwei Tagen in der Woche für je drei Stunden an der Friedrich-Engels-Schule die von ihr studierten Fächer, wo sie nach der Pause bis Mai 1987 – da wird die zweite Tochter geboren – voll unterrichtet. Eine Rückkehr nach Passow gibt es nicht mehr.

Im Januar 1987 eröffnet Gudrun Steins Mann ein Taxigeschäft, in dem sie nach Beendigung ihrer pädagogischen Arbeit durch einen Aufhebungsvertrag bis Januar 1991 „mithelfende Ehefrau“ ist. Dann geht es in die bis heute anhaltende Richtung: „Ich begann als stellvertretende Leiterin im Jugendamt des ehemaligen Kreises Lübz und baute die Einrichtung für rund ein halbes Jahr mit auf.“ Der Dienst als Bürgermeisterin beginnt am 1. Juli 1991.

„Dinge, die ich mir über das Studium hinaus nie hätte träumen lassen – weder Taxifahrerin noch Bürgermeisterin“, sagt Gudrun Stein. „Auf jeden Fall weiß ich: Die Erfahrungen aus der Zeit als Lehrerin und auch danach waren gut für mich und heute möchte ich nicht darauf verzichten.“ Der Umgang mit Menschen lasse auch oft den stets geltenden Grundsatz vermissen, sachlich und mit Achtung vor dem Gegenüber in eine Diskussion zu gehen. „Wenn ich dann fast überall beobachte, dass politische Streitkultur eigentlich nicht mehr vorhanden ist, freue ich mich umso mehr, wie zielorientiert und den anderen achtend in Lübz allgemein gearbeitet wird“, meint die Bürgermeisterin. „Das schließt ja nicht aus, über eine Sache anders zu denken zu können und dies auch zum Ausdruck zu bringen.“

Wegen ihres Alters kann sich Gudrun Stein nur noch einmal um das Amt bewerben. Eine Periode dauert sieben Jahre. Im mittlerweile 24. Dienstjahr sei sie dankbar dafür, dass es ihr gesundheitlich gut gehe. Vieles sei heute ungleich schwieriger als noch etwa kurz nach der Wende zu klären. Aber: „Ich habe viele Kontakte, die nicht schaden und die ich im richtigen Augenblick aktivieren kann.“

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