Gebhard und Marlis Schulze : Mit einem Taxi von Lübz nach Bayern

<fettakgl>Immer startklar:</fettakgl> Gebhard und Marlis Schulze. Vor 25 Jahren gründeten sie ihr Taxiunternehmen in Lübz. <foto>sabrina panknin</foto>
Immer startklar: Gebhard und Marlis Schulze. Vor 25 Jahren gründeten sie ihr Taxiunternehmen in Lübz. sabrina panknin

Gebhard Schulze aus Lübz liebt seine Arbeit. Als Taxifahrer kommt er viel rum und erfährt so die ein oder andere kuriose Geschichte. Ein ganzes Buch könnten sie füllen, wie Ehefrau und Angestellte Marlis Schulze sagt.

svz.de von
16. Januar 2013, 09:51 Uhr

Lübz | Das Funkgerät hängt von der Wand, tiefschwarz liegt es auf einer Vorrichtung im Flur des Hauses. Hier werden Absprachen getroffen, Termine weitergegeben, alles organisiert. Denn hier ist die Zentrale - die Zentrale des Taxi-Unternehmens Schulze in Lübz. Hier läuft alles zusammen, hier hat einer das Zepter in der Hand, hier in der Schulstraße 2 sagt Gebhard Schulze, wer wo lang fährt - und das mit Erfolg seit 25 Jahren.

In großen Buchstaben steht Taxi auf dem Dach des Autos. In einem Hellelfenbein erstrahlt eins von insgesamt neun Taxen unter dem Carport. Ein paar Schneeflocken fallen an diesem Tag vom Himmel, doch Gebhard Schulze hat vor keiner Witterung wirklich Angst. Zu lange und zu gern sitzt er in einem seiner Taxen. Der Lübzer sattelte 1988 um - aus dem Kfz-Schlosser wird ein selbstständiger Taxifahrer. Doch das war zu DDR-Zeiten gar nicht so leicht. "Ich habe als Kraftfahrer gearbeitet und einen Milchtanker gefahren. Als wir gefragt wurden, wer sich als Taxifahrer selbstständig machen würde, meldete ich mich. Doch das war gar nicht so einfach. Denn erstmal musste ich einen Nachfolger für meine Arbeit finden", erinnert sich Gebhard Schulze. Seine Arbeit bereitet ihm Spaß und Freude - jeden Tag aufs Neue. "Der Umgang mit Menschen gefällt mir sehr gut. Man erfährt vieles", verdeutlicht der Lübzer. Doch mit den Jahren hat sich sein Beruf verändert. Nicht mehr die normalen Fahrten von A nach B stehen im Vordergrund, sondern die Krankentransport. Dafür hat er Verträge mit Krankenkassen geschlossen. "Die Krankentransporte machen derweil das Hauptgeschäft aus. Und die Kurierfahrten für die SVZ", erzählt Gebhard Schulze.

Auf dem Tisch im Wohnzimmer stapeln sich die Ordner und Papiere. Denn auch das gehört zu seiner Arbeit als selbstständiger Taxi-Unternehmer. Doch Marlis Schulze, Ehefrau und Angestellte, erledigt das ebenfalls. Ein eingespieltes Team sind die beiden - und das seit vielen Jahren. Immer wieder erlebt das Ehepaar Schulze kuriose Dinge. "Noch ganz am Anfang - kurz nach der Wende - kam ein Fahrgast zu mir an den Taxi-Stand und erzählte mir, dass er zu einem Rückenspezialisten müsste. Doch der Ort, den er mir nannte, lag in Bayern", erzählt Marlis Schulze. Damals - 1991 - war das Ehepaar noch allein im Unternehmen. Insgesamt drei Tage waren Marlis und Gebhard Schulze unterwegs. Abends von Mecklenburg-Vorpommern nach Bayern, einen Tag Aufenthalt und am dritten Tag mehr als 660 Kilometer wieder zurück ins geliebte Mecklenburg. Doch das ist nur eine Anekdote aus 25 Jahren Taxifahren. "Ganz zu Beginn des Unternehmens hatten wir noch nicht einmal ein Telefon. Die Fahrgäste kamen dann und haben sich vorne im Flur in einem Buch eingetragen, wann sie gefahren werden wollten und wohin es gehen sollte", erklärt Gebhard Schulze. Unter ihnen war auch ein älterer Herr, der noch in altdeutscher Schrift etwas ins Buch schrieb. "Leider konnten wir das nicht lesen", sagt der 57-Jährige. Doch irgendwann bekam er es doch heraus. "Er wollte in die Kreiener Straße, in der heute das Kino ist. Damals befand sich das Standesamt dort. Er wolle heiraten. Ich entgegnete: ,Dann hätte ich ja das Taxi noch schmücken müssen." Doch der Fahrgast antwortete, das es nicht nötig sei, schließlich heirate er bereits zum dritten Mal.

Ein ganzes Buch könnten sie füllen, wie Marlis Schulze sagt. Mit Geschichten und Erfahrungen prall gefüllt. Denn nach der Wende war es für das Unternehmen sehr schwierig, zu bestehen. "Immer mehr Taxi-Unternehmen gründeten sich und die Leute hatten jetzt auch selbst ein Auto", erinnert sich das Ehepaar. So schnell brauchte niemand mehr ein Taxi. Heute ist es ähnlich, deshalb fahren die Mitarbeiter sowie Gebhard und Marlis Schulze vor allem Patienten von A nach B. "Liegend Transporte können wir auch vornehmen", erklärt der Taxi-Unternehmer. Noch will das Ehepaar Schulze lange im Taxi sitzen - solange es die Gesundheit zulässt und solange die Kunden einem treu bleiben. Doch von Lübz ins mehr als 660 Kilometer entfernte Bayern geht es nicht mehr für die Beiden. Das war eine Ausnahme. Heute ist die weiteste Strecke ein wenig kürzer - genau 210 Kilometer. Denn Taxi Schulze fährt sogar bis nach Chemnitz mit viel Spaß an der Arbeit - Tag wie Nacht an 365 Tagen im Jahr.

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