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16. Dezember 2017 | 15:39 Uhr

Mit dem Ohr am Puls der Welt

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erstellt am 16.Mai.2010 | 06:43 Uhr

Goldberg | Ob eine schwimmende Eisscholle in der Antarktis, eine unbewohnte Insel in der Karibik oder der Vatikan - kein Ort, den Peter Ernst noch nicht angefunkt hat. Der Goldberger Amateurfunker steht mit Morsetaste und Mikrofon im Kontakt mit der ganzen Welt - und das seit mehr als 30 Jahren. "Ich hab 1968 als Hörer angefangen. Da hab ich schon die ganze Welt gehört, aber ich wollte ja selbst mit anderen Funkern in Kontakt treten", sagt der Vorsitzende des Radioklubs Goldberg - einem Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs. Seither ist Ernst im Äther sehr aktiv: Mehr als 10 000 Funkkarten hat er bereits. Sie dokumentieren jedes einzelne Funkgespräch. Von den weltweit 338 Funkstationen hatte Ernst Kontakt zu 324 - darunter nicht nur bekannte Länder und Institutionen wie die Weltbank und die Uno, sondern echte Exoten wie das Scarborough Reef - ein versunkenes Atoll im chinesischen Meer, auf dessen bei niedrigem Wasserstand aus dem Meer ragenden Felsspitzen eine Gruppe Wagemutiger 2007 temporäre Funkstationen errichtete. Englisch ist da beim Sprechfunk Pflicht. "Aber irgendwann erwischt man immer einen Deutschen, egal auf welche Insel man funkt", erzählt Ernst schmunzelnd. Inseln sind sein Steckenpferd. "Sie und Leuchttürme funke ich am liebsten", sagt er. Auch hierbei konnte der Goldberger schon außergewöhnliche Erfolge für sich verbuchen. "Ich war der erste Deutsche, der mit einem Funker auf Hawaii auf fünf Kurzwellenbändern gefunkt hat", sagt Ernst.

Nicht jedes Land ist so unkompliziert zu erreichen wie der US-amerikanische Inselstaat. "Im Jemen oder in Nordkorea eine Funkgenehmigung zu erhalten, ist problematisch", weiß Ernst. Und doch ist es ihm geglückt, Nordkorea zu empfangen. Er selbst hat den Funker aus Ostasien im Äther hören können, seinem Sohn gelang gar der direkte Kontakt.

Hat Peter Ernst einen anderen Funker erreicht, sucht er das Gespräch. "Das Wetter ist dabei immer Thema Nummer eins. Wir reden aber auch über die technische Ausrüstung und manchmal auch über Familiäres", verrät der Amateurfunker. Sein Hobby ist nicht nur seine Leidenschaft, es ist auch hilfreich. "Es ist nicht so, dass man einfach im stillen Kämmerlein sitzt. Man beteiligt sich am Weltgeschehen", betont Ernst. Bei der Erdbebenkatastrophe in Haiti beispielsweise unterstützten Amateurfunker die Koordination der Hilfsorganisationen vor Ort. "Wir haben für sie die Funkfrequenzen freigehalten", sagt Ernst. Somit haben sie für das völlig zerstörte Land den Kontakt zur Außenwelt gesichert.

Den neusten Trend im Äther hat Peter Ernst schon ausgemacht. "Das Thema Flora und Fauna ist groß im Kommen", sagt er. Auch der Goldberger will mit Naturparks funken und so seine Funkkartensammlung noch erweitern.

Zu Bestzeiten waren mehr als 70 Funker im Radioklub Goldberg aktiv, heute hat der Verein nur noch sieben Mitglieder. In ganz Mecklenburg-Vorpommern gibt es etwa 640 Amateurfunker. "Damit stehen wir deutschlandweit an vorletzter Stelle", sagt Peter Ernst. Er will sein Hobby hingegen noch lange nicht an den Nagel hängen. "Man muss die Fuma haben - die Funkermacke. Wenn man sich damit ansteckt, wird man sie nicht mehr los."

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