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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. November 2017 | 19:36 Uhr

Lübz : Mit dem Einbruch kam die Angst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Während Linda und Erich Lausen zuhause sind, wird bei ihnen eingebrochen. Seit dem Tag haben sie schlaflose Nächte mit quälenden Gedanken. Sie berichten über ihre Gefühle.

von
erstellt am 01.Apr.2016 | 05:00 Uhr

16. März 2016 –  der Tag, der das Leben von Linda und Erich Lausen aus Diestelow grundlegend verändert.  Seitdem spielt darin ein Erlebnis eine kaum nachlassende Hauptrolle, die beide bisher nicht kannten: Angst.

Zunächst ist an dem Mittwoch alles normal. Am frühen Nachmittag arbeitet der 75-Jährige  im Vorgarten, seine Frau putzt im ersten Stock Fenster. „Zwei Tage zuvor hatten wir am Waldrand hinterm Haus von 16 bis 20 Uhr einen jungen Mann mit einem Stativ und einem weißen Transporter gesehen, uns aber nichts dabei gedacht, weil dort öfter zum Beispiel Vögel beobachtet werden“, berichtet sie. „Am Dienstag fuhr er auch auf der Straße bei uns vorbei. Heute sind wir  uns sicher, dass so unser Haus ausgekundschaftet wurde.“ An besagtem Mittwoch sehen mehrere auf dem Weg neben dem Holzhaufen hinter dem Haus der Rentner außerdem noch einen Hyundai stehen – deshalb aufgefallen, weil hier   sonst niemand hält.

Linda Lausen ist eine sehr ordentliche Frau. Als sie gegen 17.30 Uhr ins Schlafzimmer geht, entdeckt sie Dreckspuren auf dem Fußboden. „Ich bekam die Schuld dafür, stritt jedoch ab, weil ich es nicht war“, sagt ihr Mann. Die kleine Entdeckung gerät schnell in Vergessenheit.

Als das Ehepaar gegen 22 Uhr ins Bett geht, nimmt Linda Lausen ihre Ohrringe heraus und möchte sie in die Schmuckschatulle auf der Kommode legen – doch die ist weg: „Da schoss mir der Zusammenhang zu den Spuren ein.“ Die 75-Jährige geht sofort in die Küche, wo sie ihr Portemonnaie in der Handtasche verwahrt, und schaut auch nach der Cassette mit 400 Euro und sämtlichen Familienunterlagen – Schock, denn alles ist verschwunden. Ebenfalls  gilt das für den kleinen Korb im Nachtschrank, in dem weitere Schmuckstücke abgelegt waren. „Das merkte ich jedoch erst, als die Polizei gekommen war“, sagt Linda Lausen.

Auf einer Ackerfläche neben dem Haus des Ehepaares waren Fußspuren auszumachen. Sie führten durch ein kleines Seitentor im Zaun aufs Grundstück, vermutlich von einem wie schon beschrieben abgestellten Auto. Dann drang(en) der/die Täter  durch eine Tür in der Rückwand in das Haus ein und stahlen die Wertgegenstände. Sprachlos macht die gesamte Familie nicht nur der Umstand, dass alles am helllichten Tag geschah, sondern vor allem die Dreistigkeit, so zu handeln, wenn die Bewohner nur wenige Meter von ihnen entfernt  sind. „Uns zermürbt zum Beispiel die Überlegung, was vielleicht passiert wäre, wenn einer zufällig auf die Täter gestoßen wäre. Das hätte sehr leicht passieren können“, so Linda Lausen, was ihre nebenan wohnende Tochter bestätigt: „Bald nach dem Zeitpunkt, an dem sich die Tat ereignet haben muss, komme ich von der Arbeit und gehe jeden Tag rüber. Auch da hätte es sein können. Daran denken mag auch ich nicht.“

Mit den mit Fingerabdrücken der Inhaber versehenen Reisepässen etwa könne niemand anderes etwas anfangen, den Schmuck bezeichnet die 75-Jährige als den nicht durchweg teuersten (trotzdem liegt der Schaden allein hier insgesamt bei mehreren 1000 Euro) und einem entsprechenden Aufruf der Polizei folgend befand sich im Haus nur eine vergleichsweise kleine Menge Bargeld. Unvergleichlich schlimmer als alles Genannte sei neben dem Verschwinden der Familienunterlagen  die seit dem Einbruchstag nicht mehr aufhörende Unruhe. „Allein das Gefühl, dass jemand hier drinnen war, der in diesen Räumen nichts zu suchen hat, ist beklemmend. Das allein wäre schon ausreichend, aber dazu noch  die jetzt erlebte Unverschämtheit, bei der alles sehr schnell gegangen sein muss, lässt uns gar nicht mehr zur Ruhe kommen“, sagt Erich Lausen. „Die Angst ist da, der Nervenkrieg hört nicht auf“, bekennt seine Frau.

„Wir schlafen  nur noch schlecht, beobachten jetzt jedes vorbeifahrende Auto und durch die Scheiben der Haustür fühle ich mich beobachtet, obwohl  dort selbst bei bestem Licht so gut wie nichts zu sehen ist.“

Die für die Tat vermutlich benutzten Fahrzeuge trugen polnische Kennzeichen, was jedoch auch ein Trick sein könne. Fest steht: Ein Nachbar sah zur fraglichen Zeit einen vom Haus der Lausens weggehenden Mann. Er hatte eine Tasche bei sich.

Viel Geld ist mittlerweile in Sicherheitsmaßnahmen wie Türknaufe, Bewegungsmelder und vor allem Jalousien geflossen, die jetzt schon lange vorm Dunkelwerden alle Fenster abdecken. Aber nicht nur das ist jetzt anders als früher: An diesem Ort steht auch für gut gemeinte Besucher keine Tür mehr offen. Kontrolle überwiegt, Vertrauen – früher eine Selbstverständlichkeit – ist zum Fremdwort geworden.

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