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Plauer MediClin-Krankenhaus : Mit Befehlston gegen Parkinson

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Schlafstörungen, depressive Stimmung und Gedächtnislücken, können die Vorboten einer heimtückischen Krankheit sein: Parkinson. Im Plauer MediClin-Krankenhaus bieten Parkinson-Patienten der Krankheit die Stirn.

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erstellt am 27.Apr.2012 | 10:13 Uhr

Plau am See | Es ist nur eine kleine Schlafstörung. Zwei, drei schlechte Nächte - was macht das schon? Die depressive Stimmung? Bestimmt nur der Stress. Gedächtnislücken? Jeder vergisst doch mal etwas. Doch was so vermeintlich harmlos scheint, können die Vorboten einer heimtückischen Krankheit sein: Parkinson. Um die 300 000 Menschen sind in Deutschland von der degenerativen Nervenerkrankung betroffen. Sie schleicht sich in das Leben der Betroffenen und wird deshalb oft erst spät erkannt. Ob ein Handzittern nur eine vergänglich Störung oder aber der für Parkinson typische Tremor ist, darüber kann nur eine Untersuchung beim Facharzt Aufschluss geben. Wird die Krankheit diagnostiziert, beginnt für Betroffene ein Leben mit der Langsamkeit: Bewegungsabläufe finden zunehmend in Zeitlupe statt, die Muskeln erstarren oder zittern im Ruhezustand, die Sprache wird unverständlich, das Gesicht maskenhaft. Für die Patienten beginnt ein Kampf gegen den eigenen Körper.

Um Parkinson-Erkrankten eine Möglichkeit des Austausches zu geben, veranstaltet das Plauer MediClin-Krankenhaus seit 15 Jahren ein Parkinsontreffen. Hier finden sowohl Erkrankte als auch deren Angehörige Hilfestellung für das Leben mit der Schüttellähmung. Experten informieren die Forumsteilnehmer über die neusten Aspekte der tückischen Erkrankung, zeigen Therapieansätze auf.

Heilbar ist Parkinson nicht. Eine frühzeitige Diagnose und die entsprechende Therapie kann den Krankheitsverlauf aber hinauszögern. "Es ist wichtig, dass der Patient Experte in der eigenen Krankheit wird", sagt Dr. Dr. Katharina Bohr, Oberärztin im MediClin-Reha-Zentrum Plau. Wann und wie ein Patient seine Medikamente einnimmt, welche Wechselwirkungen es mit Nahrungsmitteln geben kann - all das muss genauestens beachtet werden, um die Symptome zu lindern. Noch viel wichtiger aber sind aktivierende Therapien. "Vor allem durch nicht-medikamentöse Behandlungen kann man die Beeinträchtigungen sehr, sehr gut beeinflussen", sagt Dr. Bohr. Sprachübungen und Krankengymnastik helfen, die Krankheitssymptome in den Griff zu bekommen. "Viele Fähigkeiten lassen sich mit entsprechendem Training wiedererlangen. Der Gedächtnisabbau wird verlangsamt", sagt Dr. Bohr. Im Plauer Reha-Zentrum kann man in Sachen Therapie auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen, schließlich komme eine erhebliche Zahl an Parkinson-Patienten zur Kur an den Plauer See, so die Oberärztin. Hier erlernen sie neben Übungen für Aussprache und Gedächtnisleistungen auch, wie sie durch akustische Signale und Befehle ihren Körper besser kontrollieren können. "Das hört sich oft an wie beim Militär, hilft aber", sagt Dr. Bohr. Durch die eindringlichen Sprachbefehle erlernen die Patienten einen Rhythmus, der ihnen zu halbwegs normalen Bewegungsabläufen zurück verhilft. Die Therapeuten nehmen damit nicht nur eine große Last von den Erkrankten, sondern auch von deren Angehörigen. "Es ist schlimm für eine Beziehung, wenn der Gesunde den Erkrankten ständig auffordern muss. Sie sind ja kognitiv nicht so eingeschränkt, dass sie das nicht mitbekommen. Das führt zu Spannungen in der Partnerschaft", sagt Dr. Bohr.

Parkinson ist nicht ausschließlich eine Alte-Leute-Krankheit. Auch junge Menschen unter 40 Jahren können - wenn auch weit seltener - davon betroffen sein. Prominentes Beispiel: Michael J. Fox. Ob im Rentenalter oder mitten im Leben - für die Patienten zählt die frühzeitige Diagnose. Hier gibt es Fortschritte. "Die Parkinson-Erkrankungen werden nicht häufiger, aber häufiger früh erkannt", sagt Dr. Katharina Bohr. Im Plauer Krankenhaus werden Parkinson-Patienten nicht nur durch Logopäden, Ergotherapeuten und Neuropsychologen betreut. Auch Jutta Scholze steht ihnen zur Seite. Sie ist die Grüne Dame der Klinik und kümmert sich ehrenamtlich um die Patienten. Spaziergänge, Gespräche, Besorgungen - all das übernimmt sie unentgeltlich. Solch engagierte Helfer sind in der Klinik gern gesehen. "Ohne das Ehrenamt geht es nicht", sagt Dr. Katharina Bohr. Gerade deshalb seien auch die Selbsthilfegruppen für Parkinson-Erkrankte so wichtig.

Auch wenn die Therapiemöglichkeiten immer besser werden - Potenziale gibt es noch. "Bewegungstherapie mit Musik oder therapeutisches Singen - das würd ich mir in der Region wünschen", sagt Dr. Katharina Bohr. Wie sehr solche Ansätze bei Patienten ankommen, hat der Auftritt der Musikschule beim jetzigen Parkinson-Forum gezeigt: die rhythmische Begleitmusik wirkt Wunder bei Bewegungen. Doch ob mit Musik oder ohne: Hauptsache die Patienten gehen ihre Krankheit aktiv an - damit das Zittern nicht ihr Leben bestimmt.

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