Vollverpflegung : Mindestlohn verteuert Kita-Essen

Mittag am Freitag in der Kita: Die Mädchen und Jungen füllen sich selbst ihr Essen auf.
Mittag am Freitag in der Kita: Die Mädchen und Jungen füllen sich selbst ihr Essen auf.

Gute Erfahrungen bei Volkssolidarität und DRK mit / Auf Eltern kommt Preiserhöhung zu

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15. November 2014, 16:00 Uhr

Es wird teurer für die Eltern. Die Preise für die Vollverpflegung ihrer Sprösslinge in vielen Kindertagesstätten steigen zum Jahreswechsel. Grund sind höhere Kosten für das Essen durch die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro. Das erfuhr SVZ am Freitag von zwei großen Kita-Trägern der Region – vom Volkssolidarität Kreisverband Parchim und vom DRK Kreisverband Parchim.

Bei den Trägern wird noch gerechnet, nach Einsparpotenzialen gesucht und verhandelt. Die Volkssolidarität nannte gestern Zahlen für die ersten beiden Kitas, für die Kalkulationen vorliegen: In Goldberg steigt der Tagessatz für die Vollverpflegung von 3,10 auf 4,70 Euro, in Brook von 2,70 auf vier Euro.

Ab Januar 2015 ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass die Kindertagesstätten im Land Vollverpflegung anbieten. Während allein diese Tatsache für viele Träger Neuland ist und zu Auseinandersetzungen mit Eltern führt, haben DRK und Volkssolidarität mit dieser Form seit Jahren gute Erfahrungen.


Kita Kinderland mit toller eigener Küche


Beispiel DRK-Kita Kinderland in Parchim. Schon seit 2005 wird hier eine gesunde Vollverpflegung angeboten - produziert in der eigenen Küche. Die ist auf alle Essgewohnheiten der Kinder verschiedener Nationalitäten eingestellt, erklärt Kita-Leiterin Gisela Rickert. Einige Kinder dürfen kein Schweine-, andere kein Rindfleisch essen. Außerdem gibt es immer mehr Allergien, z.B gegen Weizen. Auf alles stellt sich die Küche ein. In dieser Kita gibt es auch viele Kinder aus sozial-schwachen Familien. „Montags haben wir viele, die Hunger haben“, so Rickert. Deshalb bringt die Küche an diesem Tag zum Frühstück und Mittag besonders viel Essen auf den Tisch.


Mahlzeiten gestalten als Bildungsprozess


Das DRK mit Kindertagesstätten in Parchim, Lübz, Siggelkow, Sternberg und Banzkow setzt durchweg auf Küchen mit eigenen Mitarbeitern – entweder direkt im Haus oder zumindest aus dem Verband, ist von der Kita-Verantwortlichen Ines Müller zu erfahren. So wird die Sternberger Einrichtung von der Seniorenwohnanlage im Nachbarhaus und die Siggelkower von der Parchimer Kita aus beliefert. „Die Küche lebt das Konzept der Kita“, sagt Ines Müller. „Gesunde Küche ist das A und O und Mahlzeiten gestalten ist ein Bildungsprozess.“ So wird etwa das Frühstück so gestaltet, dass die Kinder selbst aus verschiedenen Brotsorten wählen können und auch selbst bestimmen, womit sie ihre Stullen belegen.

Trotz aller gute Erfahrungen muss sich der Träger mit dem Thema auseinander setzen. Auch in kleinen Küchen, wo man mit geringfügig Beschäftigen gearbeitet hat, steigt der Mindestlohn auf 8,50 Euro. Hinzu kommt, dass sich Lebensmittelpreise durch den Mindestlohn erhöhen. Das DRK kommt nicht umhin, dass Essensgeld zu erhöhen. Um wieviel steht noch nicht fest. Derzeit kostet die Vollverpflegung zwischen 3,50 für 3,70 Euro pro Tag. „Das können wir nicht halten“, so Müller. Auf jeden Fall wolle man die Eltern mitnehmen.


Konzept der VS kommt an


2011 wurde in acht von zehn Kindereinrichtungen des Kreisverbandes der Volkssolidarität (VS) – in Parchim, Plau am See, Goldberg, Brook, Spornitz, Domsühl, Groß Godems und Ziegendorf – nach Diskussion mit den Eltern die Vollverpflegung eingeführt. In Dobbertin hatten sich die Eltern seinerzeit dagegen ausgesprochen. Hier wird die Vollverpflegung allerdings jetzt, wie gesetzlich vorgeschrieben, eingeführt. Einzige Ausnahme bleibt Matzlow. Dort sind die Räume so beengt, dass die VS beantragt hat, dass sie eine Ausnahmegenehmigung erhält, erklärt die Kita-Verantwortliche Simone Gerds. Aus den Einrichtungen mit Vollverpflegung gebe es nur positive Rückmeldungen - sowohl von Eltern als auch von Erziehern.

Jede VS-Kita arbeitet nach einem eigenen Konzept. Bei einigen organisiert der Träger die Verpflegung, bei anderen übernimmt das ein Dienstleister. In beiden Fällen wird sich der Mindestlohn auswirken und das Essen teurer machen. VS-Geschäftsführerin Ruth Tietz befürwortet ausdrücklich die Einführung des Mindestlohns. Sie fragt sich aber auch, ob wirklich bedacht wurde, was er für Probleme mit sich bringt.

Mit der Catering-Firma ist die Volkssolidarität im Gespräch. „Wir sind in der Kalkulation“, sagt Simone Gerds. Sie und auch Ruth Tietz versichern, man suche nach Möglichkeiten, den Preisanstieg erträglich zu gestalten. Derzeit kostet beispielsweise die Vollverpflegung in Parchim 3,65, in Ziegendorf 3,75 Euro und in Domsühl 3,95 Euro pro Tag.

Sowohl bei der Volkssolidarität als auch beim DRK müssen Eltern übrigens bislang keinen pauschalen Verpflegungs-Monatspreis zahlen, sondern nur für die Tage, in denen ihre Kinder in der Einrichtung sind. Sozial-schwache Familien bekommen das Essensgeld für die Kitas von Vater Staat zurück.

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