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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

19. November 2017 | 11:47 Uhr

Lübz : Mindestlohn bringt auch Probleme

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Kleinere Unternehmer für neue Regelung, aber Einnahme-Situation lässt bei vielen kaum Spielraum

von
erstellt am 21.Jan.2015 | 22:00 Uhr

Friseure gehören einer Berufsgruppe an, die als besonders schlecht bezahlt gilt. Ändert das die Einführung des Mindestlohns? Wir fragten in Lübz nach. Die Beschäftigten müssen drei Jahre lernen und ihre Kenntnisse – zum Beispiel im chemischen Bereich – erweitern sich wie in den meisten Berufen ständig. Aber leben ließ sich von dem Lohn kaum.

Thomas Geick lernte 1988 Friseur und ist bis heute im Lübzer Salon Heine angestellt. „Man brauchte den Familienverbund. Allein von dem ausgezahlten Geld existieren zu wollen, war praktisch unmöglich“, sagt er. „Aber das trifft nicht nur auf Friseure zu. Jetzt würde ich auch allein zurechtkommen.“

Inhaberin des seit knapp 70 Jahren bestehenden und von ihr in dritter Generation geführten Geschäftes ist Gabriele Heine. Bei Friseuren wurde der Stundenlohn im Oktober 2013 zunächst auf 6,50 Euro festgelegt und zum August vergangenen Jahres um einen Euro erhöht. Der Mindestlohn in dieser Branche – laut Gabriele Heine eine Sonderregelung – ist ab August 2015 zu zahlen. „Ich finde die Neuerung grundsätzlich gut“, sagt die Lübzerin. „Eben weil ich weiß, was wegen der alten Regelung für den Arbeitnehmer alles nicht möglich war, habe ich schon immer über Tarif bezahlt. Ich wusste von Fällen, in denen woanders arbeitende Friseure zusätzlich zum Lohn Hartz IV beantragt haben, weil das ihnen beruflich ausgezahlte Geld unter dem einem Menschen zustehenden Mindestsatz lag – unmöglich.“

So positiv die Neuregelung auch sei – die Umsetzung beurteilt die Handwerksmeisterin wie viele ebenso Betroffene als schwierig: „Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Bundesländern mit den meisten Arbeitslosen und auf dem Dorf/in einer Kleinstadt wie Lübz kann ich nicht einmal annähernd Preise wie in großen Orten nehmen.“ Für einen Herrenhaarschnitt zum Beispiel – ohne Waschen und Föhnen das mit güns-tigste Angebot überhaupt – sei daher auch in Schwerin deutlich mehr zu zahlen. Hinzu kommt die Zahlung von Miete und Unkosten etwa für Ölheizung und Strom, der sich massiv verteuert hat.

Gabriele Heine sei aus allen genannten Gründen gezwungen gewesen, die Preise leicht zu erhöhen. Weil in unserem Bundesland insgesamt weniger Geld zur Verfügung stehe, habe sie registriert, dass die Abstände zwischen den Friseurbesuchen allgemein größer geworden sind. Das Einstiegsgehalt für einen Friseur lag in Mecklenburg-Vorpommern bisher bei gut 700 Euro (Statistik von Mitte 2014), in Schleswig-Holstein etwa schon doppelt so hoch.

„Es gibt Schwierigkeiten, Selbstständigkeit hat man sich einfacher vorgestellt, aber ich möchte nicht ins Jammern verfallen“, so Ga-briele Heine. „Vielfältigkeit und – besonders wichtig – Kreativität zeichnen diese Tätigkeit aus.“

Bei Thomas Geick, der noch bei der Mutter der heutigen Inhaberin gelernt hat, fällt die Beurteilung knapp wie gleichzeitig überzeugend aus: „Dieser Beruf ist schön und ich fühle mich gut hier.“

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