Ausflug : Menschenkette um Barkower Eiche

Zehn Menschen passen um diesen alten Baum auf dem Barkower Friedhof.  Fotos: sabrina panknin
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Zehn Menschen passen um diesen alten Baum auf dem Barkower Friedhof. Fotos: sabrina panknin

Claudia Huss erklärt Schülern der Dobbertiner Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung einiges zur Kirche. Die hatten einen Ausflug in den Nachbarort gemacht.

svz.de von
08. Juli 2014, 22:00 Uhr

Lukas freut sich. Der Zwölfjährige ist ein wenig aufgeregt, denn heute bekommt er Besuch – von seinen Schulkameraden der Dobbertiner Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung. Gemeinsam mit seiner Schulklasse erkundet er heute die Barkower Kirche. Seit mehr als zwei Jahren besucht Lukas Böhnke jetzt die Dobbertiner Schule – der Weg dorthin war kein leichter. Denn damals besuchte Lukas noch eine Schule in Parchim, es war nicht sicher, ob der Landkreis Ludwigslust-Parchim auch die Kosten für die Schulbeförderung nach Dobbertin übernimmt. Doch Mutter Janett Böhnke durfte sich im Februar 2012 freuen. Über SVZ erfuhr sie damals, dass ihr Sohn Lukas endlich nach Dobbertin zur Schule gehen darf.

Mehr als zwei Jahre danach fühlt sich der Zwölfjährige sehr gut in Dobbertin aufgehoben. Seine Behinderung ist ihm kaum anzumerken, liebevoll kümmert er sich auch um seine jüngste Schwester Kim. Die Fünfjährige begleitet die Schulklasse ihres Bruder heute ebenfalls. Eine Fahrradklingel ertönt. Claudia Huss kommt mit ihrem Drahtesel angebraust. Die Vorsitzende des Fördervereins zum Wiederaufbau der Barkower Kirche wird den Schülern aus Dobbertin einiges über die Kirche erzählen.

Nachdem alle Schüler mit den Lehrerinnen Marion Streu und Marita Knade in Barkow angekommen sind, geht es sogleich los. Zu Fuß spaziert die Truppe hoch zur Barkower Kirche. „Ich freue mich sehr, dass Janett Böhnke und Hannelore Zachow die Idee für diesen Ausflug hatten“, erzählt Marion Streu. Hannelore Zachow begleitet seit einigen Jahren Familie Böhnke als Familienhelferin vom Jugendförderverein Parchim-Lübz.

Marion Streu ist es besonders wichtig, die Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung zu integrieren. Dafür sind diese Ausflüge – auch für die Entwicklung der Kinder selbst – immens wichtig. „Wir haben mehrere Aktionen, um die Wahrnehmung der Kinder zu schulen. Und sie sollen teilhaben am normalen Leben. Wir nähern uns langsam dem Thema Inklusion“, verdeutlicht die Lehrerin weiter. Um all das zu schaffen, sagt die Lehrerin, ist die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern sehr wichtig. Deshalb freue sie sich so über die Einladung von Janett Böhnke, die nicht nur ein Grillfest nach dem Besuch der Kirche organisiert hat, sondern auch ein Geschenk für die Schüler hat. „Einen Sorgenfresser habe ich gehäkelt“, erklärt sie. „Wenn die Kinder Sorgen haben, können sie diese auf einen Zettel schreiben und dem Sorgenfresser in den Mund stopfen“, erläutert Lukas Mutter und lächelt.

Claudia Huss hat sich einiges einfallen lassen für den besonderen Tag. So erzählt die Vereinsvorsitzende nicht nur etwas, sondern lässt die Kinder auch selbst etwas machen. Unter anderem bilden die Schüler eine Menschenkette um den ältesten Baum auf dem Barkower Friedhof. „Fasst euch alle mal an den Händen und umschließt den Baum mit euren Armen. So groß und alt ist der Baum“, erzählt Claudia Huss und fängt an zu zählen. „Zehn Menschen brauchten wir, um diesen Baum zu umfassen.“ Auch in der Kirche selbst, sind die Kinder gefragt – jeder auf seine Weise, jeder in seinem eigenen Tempo, aber immer mit einem Lächeln im Gesicht.

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