Kuwalk : Menschenbilder aus aller Welt

Als frühes Werk porträtierte Götz Schallenberg die Journalistin Barbara Molsen.
Als frühes Werk porträtierte Götz Schallenberg die Journalistin Barbara Molsen.

Umtriebig wie eh und jeh: Götz Schallenberg veranstaltete auf seinem Künstlerhof ein kleines Festival

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10. August 2015, 08:00 Uhr

In seinem Atelier im KünstlerhofKuwalk eröffnete der Maler und Grafiker Götz Schallenberg (70) am vergangenen Sonnabend zum Thema „Menschenbilder“ eine weitere Porträtausstellung. „Die Bildnisse sollen Zeugnis ablegen von menschlichen Begegnungen in aller Welt.“

Porträts hatte Schallenberg schon Anfang der sechziger Jahre gemalt, als er noch am Landestheater Eisenach als Kulissenschieber arbeitete. Hierbei habe er, so Schallenberg, die Einheit von Sehen, Zeichnen und Malen entwickelt. Diese Studien wurden durch Bildnisse ergänzt, denen freundschaftliche Begegnungen oder Modellsitzungen zugrunde lagen.

Dabei entstand 1963 auch ein Porträt von Barbara Molsen, in einem expressionistischen Stil. Sie war als Statistin in das Blickfeld von Schallenberg geraten und derart von seiner Malerei fasziniert, dass sie ihm den Spitznamen „Vincent“ verlieh. Mit der Einsicht, dass ihr künstlerisches Talent aber nicht an das seine heranreichte, studierte sie dann Germanistik und wurde als Journalistin Programmdirektorin des MDR-Hörfunks.

Schallenberg nahm 1964 in Berlin ein Studium der Kunsterziehung und Geschichte auf. 1967/68 schockte er seine Lehrer zum Thema „Oktoberrevolution“ mit wuchtigen Massenszenen unbekleideter Menschen, die auf der Suche nach neuen Freiheiten als Kreidezeichnungen oder scherenschnittartige Silhouetten daherkamen.

Mit Sybille heiratete Schallenbergs die Tochter von Otto Nagel, jahrelang Präsident der DDR-Akademie der Künste. Dadurch bekam er hautnah die Einmischung von Staat, Politik und Parteifunktionären auf die Kunst mit. Dieser Einflussnahme entzog er sich letztlich durch seine Emigration in das abgeschiedene Kuwalk. „Ein Künstler muss die Wahrheit sagen dürfen.“ Schallenberg verweigerte sich dem offiziellen Kunstbetrieb der DDR und verdiente seinen Lebensunterhalt durch private Auftragsarbeiten. In ironischer Anspielung auf die Spartakiade kreierten die Eheleute nach der Wende das weit über die Region hinaus bekannte und beliebte Kunstfestival „Kuwalkade“. Nach 15 Jahren war 2012 damit aber Schluss. Danach machte Schallenberg immer wieder durch Werkausstellungen von sich reden.

Zu den Gästen der „Mini-Kuwalkade“ zählte auch der ehemalige Bibliotheksrat Hans-Christian Piossek. Als Schulkamerad hatte Schallenberg mit ihm Gedichte ausgetauscht und ihm später ebenfalls ein Porträt gewidmet. Eine Auswahl dieser Gedichte und Kurzgeschichten steuerte Piossek zum Rahmenprogramm der Vernissage bei.

„Die Welt sollte so bunt sein wie seine Menschen“, forderte Schallenberg. Vor der Wende hatte er das damals sozialistische Ausland im ehemaligen Ostblock bereist. . „Sobald ich ein bisschen Geld übrig hatte, ging es los.“ Danach schaute er sich gemeinsam mit seiner Frau in aller Welt mindestens 50 Länder und ihre Menschen an. „Ich habe alles in mich aufgesogen, was sich mir darbot.“ Dabei habe er, so Schallenberg, hochinteressante Menschen kennengelernt und ungezählte Gespräche geführt. „Jeder Mensch trägt sein Leben im Gesicht.“ Bulgarische Zigeuner, polnische Bauern, einen tschechischen Honighändler, indische Kaufleute auf Mauritius oder einen Dorfchef in der Dominikanischen Republik hat er ebenso künstlerisch verarbeitet wie das Thema Krieg mit seinen zahllosen Toten und Flüchtlingen – „egal, ob in Arabien, Indochina oder in der Ukraine“. Diese Bilder wirken in ihrer drastischen und intensiven Malweise übersteigert, „weil sie aufrütteln sollen“.

Saxofon und Percussion hatten den Auftrag, die Vernissage zu „Menschenbilder II“ mit adäquaten Klänge zu begleiten. Dabei präsentierten sich Warnfried Altmann als Spezialist für freie Improvisationen und der Weltmusiker Hermann Naehring als traumhaft sicher eingespieltes Duo mit einer immensen Variationsbreite. 

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