Porträt : „Mein Lebensweg war aufregend“

Ingeburg Baier mit ihrem Buch „Kapriolen des Lebens“
Ingeburg Baier mit ihrem Buch „Kapriolen des Lebens“

Ingeburg Baier blickt auf 92 Lebensjahre mit Höhen und Tiefen zurück. Das Schreiben von Geschichten gehörte für die Hobby-Autorin seit der Kindheit zu ihrem Leben. In den 90er Jahren gründete sie den Freien Deutschen Autorenverband Mecklenburg.

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24. September 2015, 11:00 Uhr

Ingeburg Baier sitzt in ihrem Fernsehsessel und schaut auf einige ihrer Bücher, die auf dem Wohnzimmertisch ausgebreitet liegen. „Mein Lebensweg war aufregend und ich habe dazu beigetragen“, sagt sie stolz.

Ingeburg Baier wurde am 8. Oktober 1922 auf einem alleinstehenden Bauernhof am Kummerower See (Mecklenburgische Seenplatte) geboren. „Als ich vier Jahre alt war, sind wir nach Plau gezogen“, erinnert sich die heute 92-Jährige. Hier gründete ihr Vater die Firma „Landwirtschaftlicher Ein- und Verkauf“. Nach zweijähriger Lehre im väterlichen Betrieb erhielt sie den Kaufmannsgehilfenbrief. „Mein Vater hat mir ein Zeugnis ausgestellt“, sagt sie „aber das einzige, was ich konnte, war Rechnungen schreiben.“

Es folgte eine fotografische Ausbildung in einer Fachschule in Berlin. Diese musste Baier aufgrund von Kriegseinwirkungen bereits nach einem Jahr abbrechen und wurde für die Flugerprobungsstelle Rechlin als Fotografin angestellt. „Hier habe ich dann den Start des Düsenjägers fotografisch festgehalten“, erinnert sie sich.

Es folgt das Jahr 1945, ein einschneidendes Jahr für Ingeburg Baier. Es ist das Jahr, in dem sie mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Rosemarie aus Plau nach Hamburg flüchtet. „Ich kam mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause und meine Mutter hatte schon alles gepackt. Wir nahmen jeder einen Koffer und steckten eine Blume aus dem Garten ein“, erzählt sie. Ihr Onkel, ein Gutsbesitzer und Landstallmeister, holte die drei mit dem Traktor ab und es ging Richtung Hamburg. Sie warf einen letzten Blick zurück und sagte sich: „Eines Tages komme ich wieder zurück.“

Aus dem „Eines Tages“ sind dann schließlich 33 Jahre geworden. Ingeburg Baier zog wieder zurück nach Plau am See, in die gleiche Straße, in der sie als Kind aufgewachsen ist. „Ich bin alten Freunden begegnet und fühlte mich sofort einbezogen“, beschreibt sie das große Wiedersehen in ihrer Heimat.

Als Kunstgewerblerin, freie Mitarbeiterin der Hamburger Bergedorfer Zeitung („Das war eine sehr schöne Zeit“) und Buchhalterin in verschiedenen Betrieben, zuletzt im Bergedorfer Finanzamt, hat sie die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht. „Das gute Leben fing an, als ich Rentnerin wurde“, erzählt sie schmunzelnd.

Was allerdings noch zu ihrem perfekten Glück fehlte, war ein Mann. Nach zwei gescheiterten Ehen hatte sie die Suche schon fast aufgegeben. Doch da gab es ja die Kontaktanzeigen in der Zeitung. „Wir haben uns in Blankenese getroffen und mit einem Glas Sherry Brüderschaft getrunken. Ernst war mein Glücksfall“, sagt sie mit trauriger Stimme. Fortan begleitete Ernst, den Baier liebevoll „Sherry“ nennt, die künstlerischen Arbeiten mit guten Ratschlägen. 2008 heirateten beide in Plau.

Ihre Erfahrungen bringt Ingeburg Baier in ihrem Buch „Kapriolen meines Lebens“ und in ihrem Roman „...und pflanzten Rosen in die Wildnis“ zum Ausdruck. „Meine großartigen Erlebnisse sind die Schätze meines Lebens“, bekennt die Plauerin und ergänzt: „Alle Geschichten sind wahr.“ Außerdem hat sie drei Gedichtbände herausgegeben.

Anfang der 90er Jahre gründete sie den Freien Deutschen Autorenverband Mecklenburg und übernahm fünf Jahre dessen Vorsitz. In dieser Zeit sind zwei Anthologien mit Werken der Verbandsmitglieder entstanden. „Es war ein aktives Vereinsleben“, denkt Baier gern zurück.

Den Plauer Bürgern ist sie durch das Buch „Mein Plau am See“ bestens bekannt. Dieses habe sie nach ihrer Rückkehr geschrieben und zeige ihre Verbundenheit. „Ich liebe Plau“, betont sie mit einem Lächeln auf den Lippen und blickt aus dem Fenster auf das Eldeufer.

In ihrem Heimatort hat Baier schon verschiedene Lesungen und Bilderausstellungen veranstaltet. Denn neben dem Schreiben („Geschichten habe ich mir schon als Kind ausgedacht“) hat sie sich auch die Malerei zum Hobby gemacht. Im Wohnzimmer hängen einige ihrer Werke an der Wand. „Zeichnungen, Fotografien, Collagen und gepresste Blumen“, zählt sie auf.

Zuletzt hat Ingeburg Baier an einem Märchenbuch mit dem Titel „Das Mädchen mit den Schwalbenflügeln“ geschrieben. Die Texte seien fertig, aber noch nicht gedruckt. „Das Buch will ich unbedingt noch unter die Leute bringen“, hofft sie auf einen Verleger.

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