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Humanitäre Hilfe in Plau : Mehrobs größter Wunsch: Laufen ohne Krücken

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Neunjähriger Junge aus Tadschikistan wird seit drei Jahren in Deutschland behandelt / Am Plauer MediClin steht die Behandlung jetzt kurz vor dem Abschluss

von
erstellt am 19.Mai.2015 | 20:00 Uhr

Plau am See Braune, wache  und funkelnd  lachende Augen  - das ist Mehrob. Mehrob  ist  neun und zurzeit der  jüngste Patient auf der Orthopädie  des MediClin Krankenhauses Plau am See.   Eigentlich  ist dies ja kein  Ort für einen kleinen Jungen.  Mehrob   aber ist froh, dass er hier sein darf.  Ärzte, Schwestern und  Therapeuten  kümmern sich hier um  ihn, sorgen dafür, dass  er  bald  wieder  mit  beiden Beinen im Leben stehen  kann.  Im wahrsten Sinne des Wortes.

Mehrod stammt aus der Provinz  Bochtar in Tadschikistan. Als er Heimat und Familie verließ, war er gerade sechs. Grund war ein Oberschenkelbruch  und eine Läsion des rechten Ellenbogens. Unzureichend, womöglich auch gar nicht  behandelt, hatte eine nachfolgende Infektion  sein Kniegelenk zerstört. Irreparabel, wie sich später herausstellte. Mehrob hatte Glück. Er kam ins „Friedensdorf“ in Oberhausen, das vom Verein „Aktion Friedensdorf“ betrieben wird. Der  kümmert sich um Kinder und Jugendliche, die in ihren Heimatländern ohne Chance auf medizinische Versorgung wären. „Das ist eine wirklich gute Sache“, sagt  Dr. Thomas M. Hirsch, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Rheumatologie, Unfall- und Handchirurgie am Plauer MediClin und Mehrobs behandelnder Arzt. „Der Verein  nimmt  sie auf  und sucht deutschlandweit  Kliniken, die die Behandlung bei kompletter Kostenübernahme durchführen.“ Auch im Plauer MediClin Krankenhaus haben sie einen Partner gefunden, der ein bis zwei dieser Patienten pro Jahr behandelt.

Als Mehrob nach Deutschland kam, konnte er nur robben. Der Ellenbogen machte  nur wenig  Probleme. Aber offene Scheuerstellen hielten die schwere Infektion in seinem Knie in Gang. Dazu war sein Bein im rechten Winkel versteift, die Stellung des Fußes entsprechend abnormal. Ein Gesamtstatus, der den kleinen aufgeweckten Jungen in Tadschikistan wahrscheinlich  zu einem  hoffnungslosen Fall gemacht hätte. Dank „Aktion Friedensdorf“ gab es jedoch Hoffnung für Mehrob.

Seine  erste Operation mit nachfolgender Behandlung bekam er in einer Klinik in Oberhausen. Das war im April 2012. Seit Februar 2014  ist er – mit Unterbrechungen – Patient des Plauer MediClin Krankenhauses. Da das Knie des Jungen nicht mehr zu retten war, traf das Ärzteteam die Entscheidung, es zu versteifen. Mehrere Operationen waren notwendig, um das Bein zunächst aus dem 90-Grad-Winkel herauszubringen und zu strecken.  Um das zu erreichen, wurde dem Jungen ein Fixateur gesetzt. Dessen Schrauben greifen bis in den Knochen. Die letzte OP war vor knapp zehn Wochen. Und sie war erfolgreich. „Ich weiß, das sieht schlimm aus. Doch Mehrob ist komplett schmerzfrei“, versichert Dr. Hirsch. „Und solange keine neue Infektion auftritt, ist alles gut.“

Die Alternative zur Versteifung des Beines wäre eine Prothese gewesen. Und für deutsche Maßstäbe wohl auch die denkbarste. „Eine Prothese hätte bei Mehrob aber das Wachstumspotenzial gebremst“, erklärt Dr. Hirsch. Was bei einem Neunjährigen natürlich fatale Folgen gehabt hätte. Hinzu komme, dass eine Fortführung der aufwändigen Behandlung in Mehrobs Heimat nicht möglich gewesen wäre. Ebenso wenig  wie die regelmäßige Anpassung der Prothese. „Für uns ist es schwer vorstellbar“, sagt Hirsch, „doch für die Menschen in Ländern ohne den medizinischen Standard wie wir ihn kennen, ist es einfach nur wichtig, möglichst beide Beine zu haben und Laufen zu können.“

Und Laufen können, das wird Mehrob. Zurzeit ist er noch mit Gehhilfen unterwegs und eine sogenannte Quengelschiene  – in einer Güstrower Orthopädiewerkstatt kostenlos  für Mehrob hergestellt – sorgt dafür, dass  sich auch der Fuß langsam  wieder in die richtige Position dreht.  „Wir gehen davon aus, dass  wir in  vier, fünf  Wochen  den Fixateur entfernen können“, sagt Dr. Hirsch. Wenn dann keine Komplikationen auftreten, wird  der Liebling der Station zunächst ins Friedensdorf nach Oberhausen zurückkehren. Und  irgendwann auch nach Bochtar in Tadschikistan. Dorthin, wo  seine Familie lebt, die der Kleine schon solange nicht gesehen hat.

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