zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. November 2017 | 09:26 Uhr

Plau am See : Mehr Ambulanz in Plaus Reha-Kliniken?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Seniorenbeirat kritisiert die mangelnde medizinische Versorgung in der Region

von
erstellt am 15.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Plau am See | Schon lange kritisiert der Plauer Seniorenbeirat in Plau am See die unzureichende ambulante medizinische Fachärzteversorgung im Luftkurort. An einem Standort, an dem zwei Reha-Klinken zu Hause sind und ein Krankenhaus seinen Sitz hat, überweisen Hausärzte ihre Patienten – alte wie junge – zu Spezialisten nach Parchim, Schwerin, Waren, Güstrow, Kyritz, Röbel… Plau habe alles vor Ort, warum können die Klinik-Kapazitäten nicht mitgenutzt werden? fragen die Senioren.

Da bisherige Bemühungen um eine Verbesserung der Situation noch nichts Zählbares brachten, hatte der Beirat (ein ehrenamtlich arbeitendes Gremium) am Mittwoch zur großen Runde ins Rathaus nach Plau eingeladen. Neben Beiratsmitgliedern und interessierten Bürgern saßen u.  a. die Geschäftsführerin der KMG-Klinik, kompetente Vertreter von AOK und Kassenärztlicher Vereinigung MV, Bürgermeister und Amtsvorsteher sowie Stadtvertreter mit am Tisch.

An Hausärzten mangelt es in Plau nicht. Auch hält das MediClin Krankenhaus mit seinem Medizinischen Versorgungszentrum Sprechstunden in den Fachrichtungen Urologie, Neurologie, Kinderheilkunde und Jugendmedizin sowie eine therapeutische Praxis vor. Die Krux sieht der Beirat im Fehlen niedergelassener Fachärzte mit ambulanter Sprechstunde. Und wenn er sich mit KV und Krankenkassen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen könnte, würde er einen Augenarzt mit ambulanter Sprechstunde und einen Radiologen favorisieren.

Warum der Beirat vorschlägt, die Reha-Kliniken für ambulante Leistungen zu öffnen (z.B. MRT, CT, Röntgen), machten die Senioren an Beispielen fest. Da müssen Herzpatienten für ein EKG bis Wittstock fahren, ist es mehr Regel als Einzelfall, dass höhere Taxi-Kosten gezahlt werden, weil mit Bus und Bahn (ÖPNV) Facharzttermine außerhalb schlicht nicht erreicht werden. Da gibt es die Patienten (und nicht nur Senioren), die sich lange Arzttouren nicht leisten können. Eine Dame gestand, sie schaffe es ohne Hilfe nicht einmal zu den Haltestellen am Sky oder Busbahnhof und fragt, warum der ÖPNV-Bus nicht wenigstens zweimal die Woche die Runde auch über das Wohngebiet „Vogelsang“ machen kann. Noch komplizierter wäre die Situation auf dem Dorf. Wer hier auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, weiß Amtsvorsteher Paul Schulz, sei den ganzen Tag unterwegs, wenn er überhaupt wieder nach Hause käme. Natürlich helfe man sich gegenseitig. Aber das könne nicht Sinn und Zweck sein. Es müsse eine gesellschaftliche Lösung geben.

Zehn, vielleicht 15 Jahre sei es her, dass der Chefarzt der Kardiologie den Sitz für eine Ambulanz in der KMG-Klinik beantragt hatte, berichtete Klinik-Geschäftsführerin Manuela Richter. Massive Gegenwehr sei damals von den niedergelassenen Ärzten gekommen. „Heute haben wir diese Kapazitäten nicht mehr. Unsere 100 Plätze sind zu.“ Der Zug scheint also abgefahren.

Mit dem MediClin, das in der Mittwoch-Runde nicht vertreten war, will der Seniorenbeirat demnächst auf „kurzem Weg“ die Chancen auf eine Öffnung eruieren. Ob es sie geben wird? Dr. med. Dieter Kreye, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern und selbst praktizierender Allgemeinmediziner, offenbarte seine Zweifel. Die Klinikärzte würden nicht rumsitzen und Däumchen drehen, sagte er. Vielmehr seien die Klinken nicht nur an ihren Grenzen angekommen, sondern arbeiten bereits darüber hinaus. Die Ärzte hätten Wochenarbeitszeiten, die z.  T. unverantwortlich gegenüber den Patienten seien. Anträge auf ambulante Sitze könnten die Kliniken stellen.

Wie Dr. Kreye lobte auch Waldemar Wiets, Teamleiter Versorgungsprojekte bei der AOK Nordost, das Bemühen der Plauer Senioren. Während der KV-Vorstand die einzige Chance in Lösungen vor Ort sah, brachte Wiets optional die Telemedizin zur Sprache, wie sie auch die Enquete-Kommission des Landtags empfiehlt. Überdies sehen deren Handlungsempfehlungen u.  a. „ambulant vor stationär“ und eine sektorenübergreifende Versorgungsplanung vor, die sich an den regionalen und strukturellen Bedarfen orientiert. Und sie spricht sich für die Förderung lokaler Gesundheitszentren aus.

Unterstützung für das Anliegen der Senioren kam im Nachgang der Sitzung vom CDU-Landtagsabgeordneten Wolfgang Waldmüller. Er wolle das Thema medizinische Versorgung am Standort Plau mit in seine Fraktion nehmen und eingehend beraten.

Wenn auch am Mittwoch noch keine fertigen Lösungen auf den Tisch kamen, so hat der Seniorenbeirat sein Ziel erreicht. Vorsitzender Dr. Rainer Nissler, der betonte, dass man sich Verbündete suchen müsse, da man nicht über ausreichende Kompetenzen verfüge: „Wir haben unseren Leuten ein Forum gegeben, in dem sie ihre Probleme ganz klar benennen können. Wir haben den Finger in die Wunde gelegt, indem wir unser Problem öffentlich gemacht haben. Der erste Schritt ist jetzt gemacht, und wir werden nicht nachlassen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen