Raritäten in Broock : Mehr als nur Auto fahren

Inbegriff von Luxus in jüngerer Vergangenheit: Herbert Dobbertins Mercedes 450 SL
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Inbegriff von Luxus in jüngerer Vergangenheit: Herbert Dobbertins Mercedes 450 SL

Beim Oldtimerpflügen in Broock wurden auch Pkw-Oldtimer bestaunt. Durch Herbert Dobbertin, Uwe Götzinger und Maik Scheer technische Höhepunkte zu erleben

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25. August 2016, 12:00 Uhr

Wo sie vorfahren, sind ihnen viele begeisterte Blicke gewiss und einen Favoriten auszumachen fällt schwer.

Mit seinem 1974 gebauten Sportwagen Mercedes 450 SL präsentiert Herbert Dobbertin aus Lübz einen zentralen Teil des Inbegriffs für oberste Klasse im Automobilbau. Der 180 PS starke R107 (so die Modellbezeichnung) wurde vor sieben Jahren aus Florida nach Deutschland reimportiert. Und weil auf acht Zylinder verteilte viereinhalb Liter Hubraum ein besonders Männer begeisterndes, dunkles Blubbern von sich geben, dreht Dobbertin auch gern mal den Zündschlüssel um und sorgt für eine Hörprobe besonderer Art. „Das macht schon Spaß“, gesteht er. „Nicht täglich, sondern für die Fahrt zu Oma oder zum Eisessen – als Hobby eben.“

Uwe Götzinger hat 14 Jahre gebraucht, bis sein besonders seltenes Schmuckstück fertig war: Ein Skoda Felicia Cabrio von 1960, das ihm ein Freund aus Tschechien 2002 geschenkt hatte. „Als Schrotthaufen“, berichtet der Liebhaber. „Das Auto war total verhunzt, teilweise zum Beispiel auf Renault umgebaut, hatte andere Sitze und eine andere Schaltung.“ Alt seien nur der Instrumententräger und das Heckmittelteil gewesen. Wieder aufgebaut wurde der Wagen ausschließlich mit Originalteilen, die größtenteils überaus schwer zu beschaffen waren – sofort zu verstehen, wenn man weiß, dass es von diesem Modell nur rund 1000 Stück gab. Ein Blick in den Motorraum offenbart auch besondere Kleinigkeiten. Die über eine Umlenkrolle gesteuerte Handbremse etwa, das Rollo am Kühler und die Bremsflüssigkeit befindet sich hier noch in einem Glasbehälter. In der vergangenen Woche unternahm Götzinger die zweite Fahrt seit der Restaurierung, bei der er gefragt wurde, ob das Auto gerade aus dem Werk abgeholt worden sei. Übrigens: Schlossermeister Herbert Dobbertin ist an dessen Restaurierung in der Form beteiligt, dass er einige Bleche von Hand nachfertigte.

Auf Vorkriegsbasis wurde der DKW (später IFA) F8 Combi von Maik Scheer aus Langenhagen 1952 gebaut. Nur sein Vorderwagen besteht aus Blech, der Rest aus mit Kunstleder überzogenem Holz. Der 20 PS starke Zweitaktmotor arbeitet mit einer „Thermosophonkühlung“, heißt: Das Wasser umspült ihn im Kreislauf ohne Pumpe – ein Prinzip, das auch noch im ersten 311er Wartburg zum Einsatz kam. Den DKW hat Scheer 2003 ebenfalls als Schrotthaufen gekauft. Die in dessen 20-jähriger Standzeit festgerosteten Kolben wurden binnen sechs Wochen mit Cola gelöst: „Das Beste, was es dafür gibt.“ Dann zwei gezielte Schläge mit einem Holzklotz und das Problem war gelöst. Den nächsten formschönen Fall hat der Langenhagener schon in Arbeit: Ein IFA F8 Cabrio.

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