Gallin : Mastanlage mit 300000 Hühnern geplant

 Eine Mastanlage für 300 000 Hühner...
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Eine Mastanlage für 300 000 Hühner...

Landwirt André Grootes will in Gallin eine Anlage für 300 000 Hähnchen bauen, aber die Einwohner zweifeln.

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14. März 2014, 21:00 Uhr

In der Gemeinde Gallin-Kuppentin möchte Landwirt André Grootes östlich von Gallin eine Mastanlage für 300 000 Hähnchen bauen. Auf einer von der Kommune angesetzten, gut besuchten Veranstaltung konnten sich Einwohner in dieser Woche über den neuesten Stand informieren. „Wir haben uns freiwillig zu der frühzeitigen Einbeziehung der Bürger entschieden, um bei diesem wichtigen Thema nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, dass hier etwas Geheimes ausgebrütet wird“, sagt Bürgermeister Holger Klukas. Die effektive öffentliche Beteiligung  über einen Monat im Amt Eldenburg Lübz – etwa mit der Möglichkeit, zwei Wochen lang auch Einsprüche zu erheben – werde vielleicht in einem halben Jahr beginnen.

Aktueller Stand ist, dass die Beteiligung der Behörden und betroffenen Gemeinden (neben Gallin-Kuppentin Neu Poserin) läuft. Danach folgt die öffentliche Auslegung. Über die Baugenehmigung entscheidet letztlich das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Schwerin. Die Planung läuft seit 2006. Zunächst war vorgesehen, zwei Anlagen mit jeweils 150 000 Plätzen zu errichten. 2010 forderte das entsprechende Amt wegen des bedeutenden Umfangs ein Raumordnungsverfahren, wozu die Unterlagen ein Jahr später eingereicht wurden. Laut Dr. Anja Ober-Sundermeier, die die Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsuntersuchung erarbeitet, sei der positive Abschluss des Verfahrens jetzt in Aussicht gestellt. Die abschließende Beurteilung liege vor und werde in Kürze veröffentlicht. Am Montagabend sollen die Gemeindevertreter über ihr grundsätzliches Einvernehmen zum Bau der Anlage entscheiden. „Zum Beispiel einfach zu sagen: ,Wir wollen das nicht’, bringt allerdings gar nichts“, so der Bürgermeister. „Dann müssen wir eine fundierte Begründung für die Ablehnung anfügen.“ Doch selbst dies kann eine höher gestellte Behörde wie etwa das StALU wieder aufheben.

Entgegen früherer Planungen sollen die Hähnchen in sechs kleineren statt zwei großen Ställen untergebracht werden, in denen jeweils 50 000 Tiere aufwachsen. Zwischen 40 und 50 Prozent des eingesetzten Futters ist Weizen, der vor Ort angebaut wird. Künftig geplant sei darüber hinaus, den anfallenden Mist in den beiden Biogasanlagen in Gallin einzusetzen. Dadurch ließen sich etwa 3000 Tonnen Mais ersetzen. Nach 35 Tagen Aufzugszeit sollen die Hähnchen zum Schlachten abtransportiert werden, ihr Futter lagert in außen stehenden Silos. Geplant sind acht Durchgänge im Jahr. Entgegen der einstigen Planung wird der Mist – schätzungsweise 3000 Tonnen im Jahr – bei der neuen Variante sofort abtransportiert (der Vertrag dazu mit einer Firma in Niedersachsen steht) und nicht auf dem Gelände zwischengelagert. Insgesamt müsse man mit 873 Lastwagen rechnen (753 ohne eigene Getreidetransporte), die zur Anlage und wieder von ihr weg fahren.

 Ein Besucher brachte seine Wut darüber zum Ausdruck, dass man im Laufe des mehrjährigen Verfahrens etwa hinsichtlich der Verträglichkeit auf die Umgebung zunehmend „alle kritischen Bemerkungen in Stellungnahmen weggelassen“ habe. Er wollte wissen, warum dies geschehen sei. Dr. Ober-Sundermeier zufolge hätten sich die vom Landwirtschaftsministerium herausgegebenen Vorgaben bezüglich der Wirkung auf das benachbarte Naturschutzgebiet „Alte Elde“ (ein so genanntes „Flora-Fauna-Habitat“) in dem genannten Zeitraum mehrfach geändert, sodass es bis heute schwierig sei, eine rechtssichere Stellungnahme abzugeben. Alle anderen Werte etwa bezüglich Ammoniak und Stickstoff lägen im gesetzlich zulässigen Bereich.

Zuhörer bemängelten, dass in den Unterlagen nicht der Bau von Filteranlagen enthalten sei, die den Schadstoffausstoß deutlich verringern und die Gefährdung der Menschen in der Umgebung generell verhindern könnten. „Für die Reinigung der Abluft aus Schweineställen etwa gibt es etliche zertifizierte Anlagen. Bei Geflügel hingegen tun sich die Hersteller schwer“, so Dr. Ober-Sundermeier. Der in Gallin zu erwartende Ammoniakwert liege sehr weit von dem entfernt, der Schäden verursacht, und die zulässige Staubmenge werde  „weit unterschritten“. Unsicherheit bestehe generell  im Hinblick auf Keime und Bio-Aerosole. Für Keime etwa gebe es keine gesetzlichen Grenzwerte und verlässliche Untersuchungen.

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