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21. November 2017 | 04:00 Uhr

Gelber Sack : Massenhafter Missbrauch auf Kosten aller

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Fast 40 Prozent des Inhalts sind eigentlich Müll. Entsorger Alba stöhnt über Mehrbelastung seiner Teams

von
erstellt am 21.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Alle 14 Tage wird er sichtbar der Müll-Missbrauch im Landkreis. Dann werden die Gelben Säcke zur Abholung herausgestellt. Verpackungen aus Metall. Kunst- und Verbundstoffen sollen sie eigentlich enthalten, Saft oder Milchkartons, Folien. Doch in fast allen Säcken steckt vor allem Müll. Fast 40 Prozent, hat der Landkreis herausgefunden. Tendenz steigend. „Was wirklich in den Säcken drin ist riechen wir, wenn die Säcke in unseren Sammelwagen zusammenpressen. Dann weht ein widerlicher Geruch aus Verwesung und Fäkalien nach vorn“, berichtet der Alba-Chef in Hagenow, Michael Apelt. Seine Lader lassen die Säcke in begründeten Fällen zwar auch stehen, doch bei den anfallenden Massen ist der Missbrauch nicht zu verhindern.

Das Unternehmen Alba-Nord sammelt derzeit die Leichtverpackungen im Kreis ein, im Auftrag der Dualen Systeme. Die Zeiten, wo es nur den Grünen Punkt gab, waren einmal. Inzwischen gibt es elf so genannte Duale Systeme.

Wobei es dramatische Unterschiede zwischen den Dörfern und Städten und dort noch einmal zu konzentrierten Siedlungen gilt. Je anonymer, desto mehr Müll wird in die Gelben Säcke gekippt. 8000 Tonnen werden im gesamten Kreis pro Jahr eingesammelt, das sind 38 Kilogramm pro Einwohner – vom Baby bis zum Greis. Das ist sehr viel, wenn man bedenkt, dass die Säcke eigentlich federleicht sein sollen.

Der Landkreis, sonst in Sachen Abfall zuständig, kann das Ganze nur beobachten und darf die Stellplätze reinigen. Auch dort, meist bei Wohnblöcken, werden die Zustände immer schlimmer. Steffen Grünwaldt, Leiter des kreislichen Abfallwirtschaftsbetriebes: „Wir einigen schon zwei- bis dreimal in der Woche, doch das reicht nicht. Eigentlich müssten wir die Tonne abziehen, doch dann landen Gelbe Säcke und Müll an anderen Stellen.“

Kein Wunder, dass schon länger über eine Abschaffung des oft kritisierten Systems nachgedacht wird. Wertstofftonne könnte die Lösung sein, in Hagenow läuft schon seit Jahren ein Modellversuch. Ergebnis: Mit der Tonne sieht es nach außen hin besser aus, der Müllanteil ist aber gleich bis höher. Dennoch wird die Tonne über kurz oder lang kommen. Grünwaldt rechnet mit maximal drei Jahren, vielleicht auch eher. Das hänge mit politischen Entscheidungen im Bund zusammen. Es geht ums Geld, um die Verantwortung. Der Landkreis hätte die orange Wertstofftonne schon einführen können. Weil aber dann die Vermarktung der Wertstoffe ungeklärt ist, wäre der Kreis auf bis zu 500 000 Euro zusätzlich sitzen geblieben. Geld, das auf alle hätte umgelegt werden müssen. Bisher hat nur der Landkreis Nordwestmecklenburg diese Tonne flächendeckend mit den entsprechenden Kosten eingeführt. Vorteil der Tonne, hier dürfen auch Wertstoffe z.B. aus Metall oder Kunststoff hinein. Also z. B. Kochtöpfe oder altes Spielzeug. Nachteil, diese Tonne würde nur einmal im Monat abgefahren. Das würde in städtischen Lagen nicht funktionieren. Weiterer Vorteil: Der Missbrauch durch gewerbliche Trittbrettfahrer würde sinken. Gewerbetreibende bekommen die Wertstofftonne nicht umsonst.

Wo landet das Gesammelte? In den den Sortieranlagen, sagt Alba und, es würden keine Rohstoffe aus den Gelben Säcken verbrannt. Im Gegenteil, die Sortiere würden nach einer aktuellen Studie bis zu 73 der gelieferten Rohstoffe wieder verwerten können. Den leider anfallenden Restmüll müsse man natürlich vorher aufwändig aussortieren und verwerten, also meist verbrennen.

Der anstehende Abschied von den Gelben Säcken wird vielen noch aus anderen Gründen schwer fallen. Pro Jahr werden pro Kopf im Kreis 32 Säcke verteilt. Nur die wenigsten stehen später gefüllt zur Abholung bereit.

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