Goldberg : Maskiert, vermummt, verschleiert

Maler Ingmar Bruhn mit einem seiner Bilder, die jetzt in der Galerie „Goldbergkunst“ ausgestellt sind
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Maler Ingmar Bruhn mit einem seiner Bilder, die jetzt in der Galerie „Goldbergkunst“ ausgestellt sind

In der Galerie Goldbergkunst wartet jetzt die Ausstellung „Schwarze Köpfe“ von Maler Ingmar Bruhn auf Besucher

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14. Mai 2018, 05:00 Uhr

Unter großem Publikumsandrang wurde in der Galerie „Goldbergkunst“ die erste Ausstellung in diesem Jahr eröffnet. In den neuen Räumen in der Langen Straße 76 hängen nun gerahmt und hinter Glas etwa 30 Bilder, die ein Motiv in Variationen zeigen: die Vorderansichten schwarz vermummter Köpfe. „Schwarze Köpfe“ lautet deshalb auch der Titel dieser Ausstellung. Der Künstler, der sie erschuf, ist der 1967 in Wismar geborene Ingmar Bruhn.

Der erste, aber auch nur der erste Eindruck könnte dieser sein: Malerisch variiert sind die Köpfe von Burka-Trägerinnen dargestellt. Die einzig unvermummten Anteile der Gesichter sind die Augen. Auf sie muss sich der Blick der Betrachtenden richten, hier sind die individuellen Unterschiede auszumachen.

Gleichzeitig werfen die Bilder in provozierender Weise folgende Frage auf: Genügen uns die Augenpartien, um einen anderen Menschen als solchen wahrnehmen zu können? Oder wird die Bereitschaft dazu vom Schwarz des Tuches, das diese Augenpartie umgibt, sehr bald verschluckt? Das Thema jedenfalls provoziert. Und wirft wieder die Gretchenfrage auf, warum. Ist es wirklich Angst, wie vielfach vermutet wird?

Aber Bruhns Thema ist gar nicht die verschleierte Frau, sondern – wie der Künstler im Gespräch feststellt – die Maskierung im allgemeinen. Und, wie es scheint, letztlich die Frage nach der malerischen Bewältigung eines Sujetes, das eben gerade nicht Gestalt annehmen, nicht identifizierbar sein will. Wie malt man so etwas? Zunächst aber sei die Maskierung für ihn ein aktuelles Thema gewesen, berichtet der Künstler über den Malprozess. Zeitthemen beschäftigten ihn ebenso wie andere Zeitgenossen auch. Als er an den „Köpfen“ arbeitete, habe in Hamburg der G20-Gipfel stattgefunden und in den Medien waren die Vermummten des Schwarzen Blocks zu sehen. Bruhns Bilder meinen also nicht nur die burkaverhüllten Köpfe von Frauen, sondern auch die Maskierung arabischer Milizionäre, die Maskierung von Polizisten oder die Vermummung von Demonstranten. Sie alle sind auf den 30 Bildern in der Galerie dargestellt, Männer- wie Frauenköpfe, die politisch und gesellschaftlich letztlich nicht näher bewertet sind. Der Goldberger Galerist Gerhard Stromberg schreibt dazu: „Wie allen Künstler/innen, die der Beachtung wert sind, wird aber auch für Bruhn das Motiv während des Malvorgangs belanglos... .“ Etwas ganz anderes aber wird die Reaktion der Betrachtenden auf die Motive sein.

Der Maler will ein Bild erschaffen. Bruhn sagt, er liebe Schwarz als Farbe. Und wahrlich ist es expressiv an diesen Bildern beteiligt. Es lohnt nicht nur, den Köpfen in die Augen zu sehen. Es lohnt die Wandlungen des großen Schwarz, seine Formen also, zu betrachten. Das ist Malerei pur.










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