Besondere Schau : Maschinen ließen kräftig Dampf ab

Liebe zu 23 Tonnen Stahl: Georg Sandbiehler mit einer Lokomobile
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Liebe zu 23 Tonnen Stahl: Georg Sandbiehler mit einer Lokomobile

Aus Bayern angereiste Mannschaft sorgte mit Vorstellung rarer historischer Technik in Quetzin bei Zuschauern für Begeisterung.

svz.de von
03. Juli 2014, 22:00 Uhr

Mit Dampfmaschinen begann die Industrialisierung als Schritt in ein neues Zeitalter und war erst damit möglich. Der aus kochendem Wasser – in der Regel durch Kohle dazu gebracht – entstehende Dampf hat durch Komprimierung solch eine Kraft, dass er tonnenschwere Lasten scheinbar mühelos bewegt. Davon überzeugen konnten sich dieser Tage Zuschauer beim historischen Dampfpflügen auf dem Bauernhof der Familie Reichelt in Quetzin. Möglich machten die besondere Vorführung Georg Sandbiehler und seine beiden Söhne, die für drei Tage extra aus Bayern angereist waren – nicht jedoch mit normalem Gepäck, sondern einem Schwertransport, bestehend aus einem Tieflader, mit dem zwei jeweils rund 23 Tonnen schwere, 1928 bei Magdeburg gebaute Dampfmaschinen und ein doppelter Fünf-Schar-Pflug. Diesen ziehen die beiden jeweils an den Enden des Feldes aufgestellten, fahrbereiten Lokomobile mit einem sich unter ihnen aufwickelnden, 250 (früher 500) Meter langen Stahlseil über den Acker. Die großen Metallplatten des Pfluges werfen die Erde um, ohne auch nur einmal zu zögern.

Das jetzt zu sehen gewesene Gespann war bis 1965 im Einsatz. Das mühelosen Ziehen gründet sich darauf, dass die Maschinen je rund 220 PS bei einem Betriebsdruck von etwa 14 bar leisten. Auf volle Leistung gefahren verbrauchen sie pro Stunde etwa drei Zentner Steinkohle und 700 Liter Wasser.

Die Raritäten gehören dem Agrarbildungszentrum Landshut-Schönbrunn und bilden eines der beiden letzten noch einsatzfähigen Gespanne dieser Art im deutschsprachigen Raum. Es kostete seinerzeit 115 000 Reichsmark, was dem Preis von 9200 Zentnern Weizen entsprach. 1917 lag der Anschaffungswert noch zwischen 40 000 und 60 000 Goldmark, seinerzeit der Preis eines mittleren Bauernhofes. Sandbiehler zufolge dürfte der heutige Sammlerwert von 450 000 Euro realistisch sein. Er wartet den Maschinenpark in dem Ausbildungszentrum und hat seine Begeisterung für die historische Technik auf die Söhne übertragen können. Seine klare Meinung beim Blick mit Lächeln auf die bodenerschütternd arbeitende Maschine: „Gigantisch, einzigartig!“

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