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Von Beruf Glücksbringer : Mario Müller fegt jetzt in Lübz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Neuer Bezirksschornsteinfeger freut sich auf sein neues Einsatzgebiet in der Eldestadt, in Siggelkow und im Parchimer Umland

Jetzt ist es amtlich: Der neue Bezirksschornsteinfeger für die Stadt Lübz, für Siggelkow und Teile des Parchimer Umlands heißt Mario Müller. Der Parchimer, der seit 2011 den Bezirk Dömitz betreute, löste am 16. Februar Udo Krull ab, dessen Firma am 31. Dezember erlosch. Müller ist ausgesprochen froh, dass er nach öffentlicher Ausschreibung und Entscheidung zu seinen Gunsten nun seinen Dienst- und Geschäftswagen Richtung Lübz lenken kann. „Der Bezirk war doch zu weit weg von meinem Zuhause, manchmal musste ich in Dömitz sogar übernachten“, berichtet er. Kein Dauerzustand also, zumal er Familie hat. Er lebt in fester Patchworkpartnerschaft mit seiner Lebensgefährtin und zwei Kindern in Neuhof. „Und“, das betont er schmunzelnd, „ich habe schon seit Geburt eine besondere Beziehung zu Lübz. Denn Großvater Ehrenfried Müller hat dort im Tiefen Tal, dann in der Bergstraße gewohnt. Als Kinder waren wir ja dauernd dort.“ Und nun kommt er wieder in die Eldestadt, um Feuerstellen abzunehmen, Kamine zu kehren, Messungen zu machen.

Kaum ein anderer Beruf ist volkstümlich so mythologisiert worden wie der des Schornsteinfegers. Mal verkörpert der Kaminkehrer den Schwarzen Mann, mal ist er der Glücksbringer. Für manch einen mag er auch einfach ein rotes Tuch sein, denn ihm müssen die Haustüren geöffnet werden.

Bezirksschornsteinfeger besitzen vom Staat übertragene Hoheitsrechte, zugunsten des Brandschutzes und der regelmäßigen Vorsorge wurde das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung eingeschränkt. Egal, ob kleine Gastherme oder Großfeuerstelle – Feuer ist ein Element, das beständig der Kontrolle bedarf. „Es kommt aber selten vor“, sagt Mario Müller, „dass jemand stresst und uns nicht reinlassen will.“ Kommt es doch einmal vor, redet er mit den Leuten und kann den Widerstand meistens abbauen, während manch ein Kollege in dieser Lage schon den Stift gezückt hätte, um eine Meldung ans Amt zu schicken. Müller aber ist ein eindeutig kommunikativer Mann, freundlich dazu. Er könne sogar verstehen, sagt er, dass die Leute es nicht unbedingt mögen, wenn er bei ihnen aufschlägt.

Wie der gebürtige Parchimer zum Beruf des Schornsteinfegers kam, liest sich wie ein Kapitel Zeitgeschichte. Es war mitten in der Wende, als Müller, Jahrgang 1975, eine Lehrstelle suchte. Eigentlich wollte er in die Fußstapfen der Eltern treten, die im Hydraulikwerk gearbeitet hatten, und eine Lehrstelle als Dreher antreten. Aber – 1991 gab es dort keine Lehrstellen mehr. Das auf wenige hundert Mitarbeiter reduzierte Werk bildete nicht mehr aus. Also machte Müller sich auf den Weg ins Berufsausbildungszentrum, wo man bedauerte: Nein, es gebe keine Lehrstellen. Dann, auf dem Flur, wurde er zurückgerufen: „Halt, stopp. Wir haben da doch was.“ So wurde Mario Lehrling bei Schornsteinfegermeister Werner Kägebein in Parchim. 1994 war die Lehre beendet, 1999 hatte er bereits den Meister in der Tasche. Heute sagt er über jenen Beginn, den er so präzise in Erinnerung hat: „Es war ein Glücksgriff.“

Mario Müllers fester Mitarbeiter ist Geselle Felix Jeck. „Wir beide sind flexibel“, sagt der Meister. „Klar, wenn wir uns zwei Tage vor unserem Kommen per Zettel anmelden, können manche zum Termin nicht zu Hause sein. Aber ein Anruf genügt und wir vereinbaren einen anderen Zeitpunkt.“ Praktisch ist auch, dass die Firma den Hauseigentümern so die Fristwahrung abnimmt und sich zu den fälligen Mess- und Kehrterminen von sich aus meldet. Allerdings plädiert Müller aus wirtschaftlichen Gründen auch dafür, dass es pro Dorf oder Bezirk nur einen Feger gibt. Die letzte Kontrolle liegt ohnehin grundsätzlich beim Bezirksschornsteinfeger und unökonomisch weites Fahren ließe sich vermeiden.






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