Landwirtschaft : Managerin der Schwarz-Bunten

Vor allem schwarz-bunte Kühe stehen in den Ställen der Karbower Agrargenossenschaft.
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Vor allem schwarz-bunte Kühe stehen in den Ställen der Karbower Agrargenossenschaft.

Seit vielen Jahren arbeitet Kerstin Gust bei der Karbower Agrargenossenschaft – als Herdenmanagerin von mehr als 500 Kühen

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23. März 2015, 22:00 Uhr

Noch schnell ein, zwei Handgriffe erledigen. Die Sohlen der Gummistiefel quietschen auf dem feuchten Boden. Kerstin Gust weiß genau, was zu tun ist. Das Sieb wechseln, mit Wasser abspülen. Das kühle Nass spritzt an den Gummistiefeln hoch. Kerstin Gust kennt das, seit vielen Jahren. Schließlich ist sie Managerin, Herdenmanagerin. Ihre genaue Berufsbezeichnung? Zootechniker für Rinderzucht mit Spezialisierung für Milchproduktion. Oder ganz einfach: Melkerin. Das hat sie einmal gelernt – noch zu DDR-Zeiten. Danach folgte eine Auszeit. Fast 20 Jahre war die Karbowerin raus aus ihrem eigentlichen Beruf. Hat etwas ganz anderes gemacht. Doch dann kehrt sie zu zurück, zu ihren Leisten. Mittlerweile ist sie Herdenmanagerin von mehr als 500 Schwarz-Bunten – mit Prüf und Siegel. Einige ihrer Kühe kennt sie beim Namen. „Ich kann in Ruhe durch die Ställe gehen. Die lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.“ So muss es auch sein. Darauf wird geachtet. „Hektik brauchen wir hier nicht“, sagt sie.

Dienstplan erstellen, Urlaubswünsche erfüllen, Lehrlinge betreuen, Trockenstellen der Kühe im Blick haben, den Kuhtransfer koordinieren, dem Chef auch mal den Rücken frei halten und, und, und. Dies sind nur einige Aufgaben, die Kerstin Gust erledigt. Die wichtigste Aufgabe aber ist das Melken. „Wir melken nie alleine. Es ist immer ein Melker und ein Treiber dabei“, erklärt Kerstin Gust. Momentan werden bei der Karbower Agrargenossenschaft noch 250 Kühe gemolken. „Wir wollen hoch auf 300 Stück. Das reicht dann aber auch“, sagt sie.

Vieles hat sich verändert. Auch der Beruf von Kerstin Gust ist technischer geworden. „In einen kleinen Becher melken wir vor. Das ist gar nicht so einfach. Denn die Striche der Euter sind kürzer geworden“, erläutert die 48-Jährige. „Durch Züchtung“, wie sie weiter erklärt. Deshalb liegen die Zitzen nicht mehr so gut in der Hand. Den Rest des Melkvorgangs erledigt dann die Maschine. In Karbow wird im Fischgrätensystem mit Schnellaustrieb gemolken. Dabei stehen die Kühe schräg im Melkstall. Zweimal zwölf Kühe werden gemolken. Danach braucht der Melker oder Treiber nur noch einen Knopf drücken und die Maschine geht automatisch hoch. Die Tiere verlassen in Ruhe den Melkstall. „Ohne ist das nicht. Deshalb sind wir immer zu zweit. Einer alleine kann eine Kuh nicht halten, wenn sie mal durchgeht.“

Wenn noch alles schläft und ruhig ist, fährt Kerstin Gust mit dem Fahrrad zur Arbeit. Nur zwei Minuten braucht sie von zu Hause. Morgens um drei Uhr ist Arbeitsbeginn. „Ich bin eher ein Morgenmensch. Im Sommer ist auf dem Hof noch alles schön ruhig“, sagt sie und lächelt. Gegen halb drei wird’s dann geschäftiger. Dann werden die ersten Schwarz-Bunten in den Melkstall gebracht. Kerstin Gust managt den Ablauf. Schließlich ist sie die Managerin der Schwarz-Bunten.

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