vernissage : Malerei im „Seziersaal der Kunst“

„Keep Calm“ lautet der Titel dieses Bildes von Sven Ochsenreither, das gut sichtbar gegenüber der Eingangstür in der Goldberggalerie für mehrere Monate hängen wird.  Fotos: sabrina panknin
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„Keep Calm“ lautet der Titel dieses Bildes von Sven Ochsenreither, das gut sichtbar gegenüber der Eingangstür in der Goldberggalerie für mehrere Monate hängen wird. Fotos: sabrina panknin

Sven Ochsenreither präsentiert seine Bilder der Reihe „Neither...nor“ in der Goldberggalerie des Vereins Goldbergkunstr

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08. April 2015, 21:00 Uhr

Sie stehen hintereinander, nicht nach Größe geordnet, es sind Jungen wie Mädchen. Die eine hat einen Hubschrauber in der Hand, eine Fliegerbrille auf dem Kopf und schaut leicht nach oben, als suche sie nach etwas. Das Mädchen an der Spitze der Reihe hat eine Trillerpfeife um dem Hals, den Mund leicht geöffnet, als wolle sie etwas sagen, ein Kommando geben. „Keep calm“, bleib ruhig zu deutsch, heißt das imposante Bild. Eines von vielen, das derzeit in der Goldberggalerie des Vereins Goldbergkunst hängt. Sie sind weder das eine noch das andere, verrät der Künstler, Sven Ochsenreither. Diese Kinderbilder, die in der Langen Straße 90 hängen, passen in keine seiner „Schubladen“. „Ich arbeite parallel immer an ganz vielen Bildern. Gedanklich baue ich mir Schubladen. Doch bei diesen Bildern war ich mir nicht schlüssig. Sie sind weder das eine noch das andere“, erzählt Sven Ochsenreither. „Neither...nor“ so lautet auch der Titel der Ausstellung.

Zahlreiche Besucher haben wieder einmal den Weg in die Goldberggalerie gefunden, wohnen der Ausstellungseröffnung bei, sind da, als der Verein Goldbergkunst aus seinem „Winterschlaf“ erwacht, wie Birgit Schröder liebevoll erzählt. Kurator Gerhard Stromberg ist nervös. „Ich bin aufgeregter als der Künstler“, flüstert er und lächelt verschmitzt. Sven Ochsenreither hat ihn neugierig gemacht, bei Ausstellungseröffnungen in seiner Goldberggalerie. Bei der Ausstellung von Iris Vitzthum, bei Wiel Wiersma. Denn Sven Ochsenreither habe die Bilder mit Freude betrachten und genießen können. „Mir schien dieser Mann die ideale Verkörperung der berühmten Forderung Brechts, dass es genauso, wie es eine Kunst des Machens gibt, auch einer Kunst des Betrachtens bedarf“, erzählt Gerhard Stromberg. Als der Kurator dann erfuhr, dass Sven Ochsenreither selbst Maler ist, „wollte ich natürlich auch die Bilder dieses Mannes sehen“. Doch Gerhard Stromberg wollte die Bilder auch anderen zeigen, „der kritischen Würdigung“ aussetzen. Deshalb holte er Sven Ochsenreither in den „Seziersaal der Kunst“ – in die Goldberggalerie in der Langen Straße 90.

Bevor es aber in die Seziersäle der Kunst geht, wird gearbeitet – in seinem Atelier in Zölkow. In der „Geburtsstube“ geht es oftmals technischer zu, als der Betrachter seiner Bilder es vermuten mag. Einige Werke von Sven Ochsenreither haben deutsche Titel, andere englische. Warum? „Ich habe früh angefangen, die Sprachen zu wechseln und immer versucht, die sprachliche Entsprechung für meine Bilder zu finden. Das ist ein ganz technischer Prozess. Mitte des vergangenen Jahres habe ich mich dann entschieden, nur noch englisch zu betiteln“, verrät der Künstler bei der Ausstellungseröffnung. Nach und nach entstehen die Bilder, die Ausdruck seines Lebens, seiner Gefühle sind. Hinter jedem Bild steckt eine Geschichte. „Für mich sind die Bilder Geschichten, doch diese kann ich nicht erzählen“, sagt er und schmunzelt.

Wer sich auf die Bilder Sven Ochsenreithers einlässt, taucht ein in eine ganz andere Welt. Geht auf eine Reise, vielleicht auch zu sich selbst, wie Gerhard Stromberg erzählt.

Die Ausstellung „Weder...noch“ ist anders, spaltet vielleicht auch einige Geister – wie schon bei der Ausstellungseröffnung. Doch eines ist sie sicher nicht: Weder eintönig, noch uninteressant. Sven Ochsenreither lädt mit seinen Kinderbildern ein, Farben und Formen zu betrachten – egal, welche Geschichte sich hinter „Keep Calm“ oder „Sophies house“ versteckt. Die Geschichten bleiben in der Geburtsstube seiner Bilder, bleiben im Atelier in Zölkow ein Geheimnis. Seine Malerei aber kann im „Seziersaal der Kunst“ betrachtet werden. Dann kann jeder selbst entscheiden, welches Motiv hinter jedem einzelnen „Weder...noch-Bild“ von Sven Ochsenreither steckt. Gerhard Stromberg ist in jedem Fall dankbar für die Ausstellung, denn „gute Lehrer gibt es viele, gute Kunsttheoretiker schon bedeutend weniger; gute Maler aber sind selten. Sven Ochsenreither ist einer von ihnen.“  

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