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Seeadler in MV : Majestät der Lüfte – ein cleverer Räuber

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Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Er ist das Wappentier der Bundesrepublik Deutschland, eine Majestät aufgrund seiner Spannweite von 2,50 Meter – der Seeadler.

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erstellt am 24.Sep.2016 | 16:00 Uhr

Die Eierschale knackt, langsam pellt sich das kleine Etwas aus der Hülle – es ist ein Seeadler. Das Federkleid des Winzlings ist noch ganz hell und flauschig. In nur 171 Tagen – nicht einmal einem halben Jahr – verlässt der Seeadler das heimische Nest. Er wird flügge. Weibchen brauchen länger – zwei Tage, um genau zu sein. Nach 171 und 173 Tagen also sind Seeadler volljährig, sozusagen. Erwachsen vielleicht noch nicht ganz, ausgewachsen auf jeden Fall.

Maximilian Byszio hat ein Herz für diese Großvögel. Der Student aus Hamburg ist zu Besuch in der Region um Plau am See, nimmt gemeinsam mit seiner Freundin an einem besonderen Vortrag teil – einer Seeadlerstunde mit Meike-Christine Karl. Die Diplom-Biologin aus Güstrow hat eingeladen, veranstaltet die Seeadlerstunde regelmäßig für den Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide. Gestartet wird am Karower Meiler – mit Wissenswertem über „Haliaeetus albicilla“, dem Lateinischen Namen für Seeadler. „Eigentlich ist der Seeadler gar kein echter Adler – zumindest vom lateinischem Namen her“, erzählt Meike-Christine Karl. Steinadler, Schreiadler, Steppenadler... – sie alle gehören zur Gattung der Greifvögel, der Seeadler auch. Aber ein „Aquila“ ist er dennoch nicht. Zu erkennen ist das auch – „der Seeadler hat Hochwasser“, sagt Meike-Christine Karl süffisant. Sein Gefieder endet einige Zentimeter über seinen Fängen – bei anderen Adlern, bei den Echten ist dies nicht der Fall. Eine kleine Gruppe von Besuchern hängen bereits an den Lippen der Diplom-Biologin, als es noch nicht um den eigentlichen Star des Ausflugs geht. Meike-Christine Karl kennt sich aus – in der Natur-, Tier- und Pflanzenwelt. Das ist ihr Metier. Doch die Seeadler haben es ihr angetan.

Kurz bevor es los geht, legt Meike-Christine Karl bereits am Karower Meiler richtig los. Zuerst stellt sie „Socke“ vor – ihr Seeadler, ein Plüschtier. Er liegt brav in einem Körbchen. Dann wird es eindrucksvoll, schließlich geht es bei dieser Seeadlerstunde nicht um irgendwen – es geht um die Majestät der Lüfte. Die Besucher werden eingespannt, für diese Demonstration braucht die Biologin Hilfe. Ein Bettlaken kommt zum Vorschein. Ausgebreitet zeigt es einen Adler. „Das ist er, die Schranktür der Lüfte“, sagt Meike-Christine Karl. So wird der Seeadler nämlich auch genannt – mit einer Spannweite von 2,50 Meter ist er ein Riese, der oben in der Luft seine Kreise zieht. Um Seeadler aber beobachten zu können, muss die Truppe weiter ziehen. In Auto-Konvois geht es nur wenige Kilometer von Karow weiter nach Glashütte. Dort bleiben die Fahrzeuge stehen. Mit Rucksäcken bepackt geht’s schnell über die B192, dann einen kleinen Feldweg entlang. Nach wenigen Gehminuten liegt der Aussichtsturm „Moorochse“ vor den Besuchern. Hoch geht’s. Ferngläser werden ausgepackt, Spektive aufgestellt. Auch Maximilian Byszio ist bestens ausgerüstet – mit Filmkamera. Schon früh morgens hat er die ersten Filmaufnahmen der Seeadler am Plauer Nordufer gemacht – das Reservat für Seeadler überhaupt, einer der Hotspots von Mecklenburg-Vorpommern liegt nämlich im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide.

Schwäne, Enten, Kormorane... – sie alle teilen sich den Plauer See mit den Seeadlern. Und siehe da, auch der Eisvogel schnappt sich den ein oder anderen Fisch an diesem Mittag. Die Seeadler aber lassen sich Zeit, verstecken sich hoch oben in den Baumkronen. Morgens waren sie noch zu sehen. Seeadler sitzen zum Teil auch 23 Stunden im Baum. Geduld braucht es, um Seeadler zu sehen. Doch dann: „Da ist einer“, sagt Maximilian Byszio. Die Kamera wird ausgerichtet, alle anderen schauen ebenfalls durchs Spektiv oder ihre Ferngläser. Es ist beeindruckend, wie der Seeadler die Thermik ausnutzt und immer weiter in die Höhe steigt. Irgendwann ist nur noch ein kleiner Punkt zu sehen – und das bei einer Spannweite von 2,50 Meter. Nicht ohne Grund wird der Seeadler Majestät der Lüfte genannt. Aber majestätisch verhält er sich nicht immer. „Seeadler ziehen Kormorane ab, sie stehlen ihnen das Fressen“, erzählt die Biologin. Ein cleverer Räuber also, dieser Greifvogel.

 

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