50 Jahre auf der Bühne : Märchenland-Stars begeisterten

Gruppenbild aus dem Märchenland: Schnatterinchen, Pittiplatsch, Moppi und Herr Fuchs
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Gruppenbild aus dem Märchenland: Schnatterinchen, Pittiplatsch, Moppi und Herr Fuchs

Pittiplatsch und seine Freunde eroberten die Kinderherzen bei ihrem Gastspiel in der Lübzer Grundschule im Sturm

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04. November 2014, 22:00 Uhr

Sie sind die geliebte Zweitfamilie, ihr Erscheinen im Fernsehen strukturiert die Kindheit und zu Weihnachten kann ihr Auftritt bedeutsamer sein als der des Nikolaus: etablierte Puppenensembles mit ihren kleinen Geschichten ziehen die kindliche Phantasie in ihren Bann und lösen stellvertretend kindliche Probleme auf einer freundlichen Spielwiese. Zu den Stars der Handpuppenszene gehören seit Jahrzehnten Pittiplatsch und seine Freunde. Sie gastierten jüngst in der Lübzer Grundschule.

Aber verdienen müssen die Kinder sich den prominenten Besuch aus dem Märchenland schon, also singen und klatschen sie kräftig, angefeuert von Babette, schwarze Ponyfrisur, schwarzes enges Kleid. Babette ist eine Spielfigur, aber keine Puppe. Denn eine Eigenheit der Pittiplatschbühne ist, dass die Dialoge immer auch mit menschlichen Schauspielern geführt werden. Und heute ist es Babette, die mit den Puppen spricht, sich aber auch vermittelnd an die Kinder wendet. Die Älteren mögen sich erinnern, dass es einst außer Babette noch den Meister Nadelöhr oder Frau Puppendoktor Pille gegeben hat, sogar einen Meister Briefmarke. Es ließe sich eine Pittiplatsch-Chronik schreiben, so bewegt war die Geschichte dieses Ensembles, immer wieder änderte sich die Gestalt der Puppen, wurden neue hinzuerfunden, wechselten, nicht zu vergessen, natürlich auch die genialen Puppenspieler. Auf dem langen Weg von den Anfängen in den Fünfzigern bis heute wurde nicht nur eine Puppenfamilie erfunden, sondern ein ganzes Puppenvolk. Aber Prominenz ragt heraus. Es gibt Stars, die auch heute in Lübz die Kinder besonders begeistern: Da ist zunächst mal Hund Moppi, der sich nicht waschen mag, weil das die Haut dünn macht. Und Kobold Pittiplatsch, neugierig, verschmitzt und voller Tatendrang, dem so manches schief geht. Dann will er wieder „gaaaanz liiieb sein“. Kinder müssen sich mit dieser Figur einfach identifizieren. Hinzu kommt Schnatterinchen, heute von Bärbel Möllendorf gespielt, die auch die Babette gibt. Man mag es nicht glauben, aber die agile Möllendorf mit der kräftigen Stimme ist fast von Anfang an im Pitti-TV mit dabei und von Alter noch keine Spur. Als sie Schnatterinchen spielt, wünscht diese sich, eine Prinzessin zu sein und prompt hat die gelbe Ente eine Krone auf dem Kopf. Das Wunder nach Wunsch, hier gibt es das. Aber es lauern auch Gefahren, um nicht zu sagen, das Böse: Ein Geburtstagsgeschenk wird geklaut. Und nun treten als weitere Stars der listige Herr Fuchs und Frau Elster auf, auch sie vom Stammensemble. Im Spiel und spielend leicht wird der Blick der Kinder für Rollencharaktere geschärft. Und natürlich werden während der Handlung Lehren erteilt: „Ich habe sie gefunden“, behauptet Frau Elster, die ein paar Würstchen entdeckt hat, „also gehören sie mir auch.“ Nein, das tun sie nicht!

Viele Kinder lassen sich von der einstündigen Vorführung geradezu aufsaugen. Irgendwann hat sich unterhalb der hohen Puppenbühne eine Schar eingefunden, die es auf den Stühlen nicht mehr hielt. Sie fiebern mit, ein Mädchen streckt die Hand aus, als wolle es nach Herrn Fuchs greifen oder im Märchenland persönlich eingreifen. Die einstündige Dauer des Puppentheaters fordert gerade das Maß an Aufmerksamkeit, das Kinder in diesem Alter aufbringen können. Danach gibt Puppenspieler Tobias Schülke, ausgebildet an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, Autogramme. Was lässt einen jungen Mann Puppenspieler werden? „Ich drücke mich gerne über Objekte aus“, sagt Schülke lächelnd. Und am Souvenirstand – Handpuppen, Schlüsselanhänger, DVDs – schwelgt eine Zuschauerin noch in Erinnerungen an ihr Kindheits-TV. Die ausgebildete Erzieherin hat ihre Enkelin dabei. „Ja, ich gebe alles um Pittiplatsch weiter.“ Zu Hause spielt sie für die Enkelin zum Beispiel „Frau Puppendoktor Pille mit der großen klugen Brille“. Und wie ist es, wenn sie selbst heute Pittiplatsch wiederbegegnet? „Es ist wie früher“, sagt sie, „die alte Begeisterung ist sofort wieder da.“


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