Privater Einsatz bei Weisin : Mädchen retten Kätzchen vor Tod

Für Tierrettung sofort zum Ruder gegriffen: Lea (l.) und ihre Freundin Anna
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Für Tierrettung sofort zum Ruder gegriffen: Lea (l.) und ihre Freundin Anna

Urlauber aus Nordrhein-Westfalen retten sechs Wochen alte Tiere, die vermutlich bei Weisin in der Elde ertränkt werden sollten

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22. Juli 2014, 21:15 Uhr

Claudia Schulz, Ehemann Ralf und ihre elfjährige Tochter Lea aus dem Sauerland verbringen den Sommerurlaub auch in diesem Jahr in ihrem Wochenendhaus an der Elde bei Weisin. Hier regiert die Natur, es ist oft still. So hört die Mutter nachmittags im Garten vor wenigen Tagen als erste ein leises, ungewöhnliches Piepsen, das sie jedoch zunächst weder orten noch richtig zuordnen kann. „Abends wollten wir unser Ruderboot am Steg festmachen und hörten das Geräusch wieder“, berichtet Ralf Schulz. „Diesmal allerdings deutlich als klägliches Miauen offensichtlich kleiner Katzen von der anderen Flussseite auszumachen.“

Tochter Lea und ihre nur ein Jahr ältere Freundin Anna sind sofort Feuer und Flamme, als der Vater mit ihnen ans gegenüber liegende Ufer rudert, um die Lage zu klären. Dort entdecken sie bald zwei eng zusammen liegende Katzen, die – wie sich später herausstellt – etwa sechs Wochen alt sind. Beim Anblick der näher kommenden Menschen laufen sie weg. „Wir haben dann versucht, wenigstens erst einmal eine zu fangen, was uns nach ungefähr einer halben Stunde gelang“, erzählt Lea. „Sie war auf dem Arm sofort ruhig.“ Nach etwas Wasser und Hundefutter verstärkt sich dieser Zustand des schneeweißen Tieres nochmals.

Das andere hatte sich so gut versteckt, dass die Familie die Suche nach ihm beinahe abgebrochen hätte, bis Ralf Neugebauer die Idee kam, als letzte Möglichkeit zu miauen, so gut er kann. Ergebnis: Tief aus einem Reisigkaufen lässt die Antwort nicht lange auf sich warten. Diesmal greift – ebenfalls mitgekommen – Claudia Schulz zu. „Zuerst wollte auch dieses grau-weiße Exemplar wieder weg, aber da gab’s kein Entkommen“, sagt sie lächelnd. Alle an der Suche Beteiligten haben Blessuren davon getragen – ob zahllose Mückenstiche und/oder vor allem durch Brombeerstacheln zerkratzte Haut an Beinen und Armen.

In der Küche entsteht umgehend eine provisorische Katzenstube mit Kuschel-ecke und Klo (das sie such benutzen), alles so abgeschirmt, dass der Hund der Familie nicht zu nahe kommt. „Dann sind wir erst mal in die Elde gesprungen, um die Mückenstiche zu kühlen“, sagt Ralf Schulz. „Währenddessen wurden die Findelkinder im Haus wieder so fit, dass sie bei unserer Rückkehr im Wohnzimmer saßen. Dann gab’s ein Gitter vor die Tür. Bis zum nächsten Morgen schliefen sie gut.“

Dann Morgen kümmern sich die Rheinländer darum, dass die Tiere vernünftig untergebracht werden. Der Rat einer Mitarbeiterin des Lübzer Bürgeramtes lautet, sich beim Tierheim in Plau am See zu melden, was auch geschieht. „Wir erfuhren, dass es eigentlich schon voll ist, aber die Katzen hat man uns trotzdem noch abgenommen“, so Claudia Schulz. „Die Leute dort waren sehr nett. Das letzte freie Gehege gab es für unsere Tiere.“

Ralf Schulz, seit Jahrzehnten zuhause selbst auch Katzenhalter, ist sich fast sicher, dass die kleinen Vierbeiner umgebracht werden sollten: „Ich habe mich gleich gewundert, dass sie beim Auffinden trotz des hochsommerlichen Wetters durchnass waren und – ganz natürlich – jeglichen Kontakt mit Feuchtigkeit scheuten. Sie sollten bestimmt ertränkt werden, da bin ich so gut wie sicher.“

Um das jährlich immer wiederkehrende Tierelend einzudämmen, gebe auch die Tierstation nur sterilisierte Katzen ab beziehungsweise prüfe, ob dies getan wurde, wenn sie zum Zeitpunkt der Abgabe noch zu jung für den Eingriff waren.

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