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Europäische Bildungsstätte für Lehmbau : Lust am Lehm: Wangeliner greifen an

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Uta Herz, Leiterin der Europäischen Bildungsstätte für Lehmbau des FAL e.V., kann aufatmen - das Jahresprogramm 2012 steht. Die vielen neuen Angebote und die Zusagen internationaler Teilnehmer können sich sehen lassen.

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erstellt am 13.Apr.2012 | 07:40 Uhr

Wangelin | Uta Herz, Leiterin der Europäischen Bildungsstätte für Lehmbau des FAL e.V. (Verein zur Förderung Angemessener Lebensverhältnisse), kann aufatmen - das Programm für dieses Jahr ist komplett. Und dieses kann sich sehen lassen, umfasst es doch mehr als 50 anspruchsvolle Kurse und Veranstaltungen. Man stützt sich nicht nur auf Bewährtes, sondern hat auch eine ganze Reihe neuer Angebote aufgenommen. Was die Anziehungskraft der Bildungsstätte 2012 über die Grenzen von Mecklenburg - Vorpommern und sogar Deutschland hinaus deutlich verstärken dürfte: Allen Kursteilnehmern und Interessenten bietet sich, wie Uta Herz herausstellt, in diesem Jahr ein nicht hoch genug zu schätzender Vorteil. Denn diese treffen im Wangeliner Garten auf eine einzigartige Strohballen-Baustelle, die gleich durch einen Komplex von drei im Entstehen befindliche Experimentalbauten geprägt ist.

"Wir freuen uns ganz besonders, das der FAL im vergangenen Jahr den Auftakt für das Projekt MORGENland mit der Errichtung eines Gebäudes, das vor allem durch fünf Strohballengewölbe ins Auge sticht, vollziehen konnte. Das Besondere des von Prof. Gernot Mincke entworfenen Objektes: Die lasttragenden Strohballengewölbe sind bisher einmalig in Deutschland. Und dass es unter Mitwirkung von Teilnehmern eines internationalen Kurses nicht nur aus Europa, sondern auch aus China, Japan und Kanada im Rohbau entstand, ist auch nicht alltäglich. Zum Hintergrund: "MORGENland" wendet sich besonders an Kinder und Jugendliche und soll nicht nur deren Wissen in Bereichen wie z. B. gesunder Ernährung und ökologischem Bauen bereichern, sondern diese vor allem stärker befähigen, sich am gesellschaftlichen Entwicklungsprozeß aktiv zu engagieren.

Neu: Führungen über Strohballen-Baustelle

Neben diesem außergewöhnlichen Gebäude ist ein "Gärtnerinnenhaus" im Bau, für das Holz-Strohballenelemente der markante Baustoff sind, sowie ein achteckiges Mehrzweckgebäude, das u.a. als Eingangsbereich für den Wangeliner Garten dienen soll. Letzteres wird in Holzständerbauweise errichtet und soll mit einer Wärmedämmung aus Strohballen versehen werden. Hier sind die Teilnehmer des ersten Strohballen-Baustellenkurses gefordert, der noch in diesem Monat in Wangelin stattfindet. Interessenten können übrigens von Juni bis September über Führungen, die erstmals angeboten werden, die einzelnen Strohballen-Baustellen näher kennenlernen.

Insgesamt sind die Veranstaltungen und Kurse sehr breit gefächert. In Kooperation mit der Landeslehrstätte für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung Mecklenburg - Vorpommern wird ein Tagesseminar über Innendämmung und Wandheizung im Lehmbau angeboten. "Dieses richtet sich nicht nur an Handwerker und Architekten, sondern ist ebenso z.B. für Hausbesitzer sehr sinnvoll, die sich über ein System der Innendämmung aus nachwachsenden Rohstoffen informieren wollen", unterstreicht Uta Herz. Im Rahmen des Seminars wird die Technik sogar an einem praktisches Beispiel in einem Gebäude der Wangeliner Dorfstraße erläutert.

Gut angenommen wurde bisher stets der Einführungskurs in gebräuchliche Lehmbautechnik, der u.a. Ausfachungen, Putze und Lehmsteinmauerwerk einschließt. Der erste Kurs startet noch im April. Erstmals lädt die Europäische Bildungsstätte in diesem Jahr zu Lehmputzkursen ein, die einen Abschluss entsprechend dem Europäischen Qualitätsrahmen (ECVET -Zertifikat I und II) einschließen.

Neu sind außerdem die Kurse "Schmucke Wände Teil 1 und 2", die Kenntnisse zur Herstellung besonders hochwertiger Putze vermitteln. Dazu gehören Lehmedel- und Lehmglanzputze sowie Kalkputze aus echtem Marmorino Veneziano, einer italienischen Kalkglanz-Putztechnik. Mehr als 30 Fachleute aus Europa, darunter Frankreich, England, Holland Finnland und Italien, haben sich bereits für den Kurs "Neue Wege des Lehrens und Lernens - Lehmputze" beworben, der von Jahr zu Jahr wachsende Resonanz gefunden hat.

Mehr Interessenten aus der Region anziehen

Große Resonanz dürfte auch der Europäische Lehmbautag im Juli finden. Dann werden Spezialisten aus Europa, u.a. aus Finnland, Interessenten in die Kunst alter Lehmbaukünste einführen. Dazu zählen z.B. spezielle Flechttechniken, dünne Lehmbrote, Fingerputze oder Holzscheit-Lehm-Wände.

2012 legt die Bildungsstätte, wie Uta Herz besonders herausstellt, noch größeren Wert darauf, mehr Einwohner aus der Region zu begeistern. Dazu sollen solche Veranstaltungen dienen, wie z.B. der Mecklenburger Lehmbausommer, zu dem jeweils am letzten Sonnabend im Juni, Juli und August eingeladen wird. Jung und Alt können sich in praktischer Weise mit dem Baustoff Lehm vertraut machen, u.a. im Streichen von Lehmziegeln. Wer möchte, kann sich ebenso am Bau eines historischen Lehmofens beteiligen. Mehr Gäste sollen auch mit der Einführung von regelmäßigen Backtagen im Lehmmuseum in Gnevsdorf jeweils am ersten und dritten Sonnabend im Monat angelockt werden. "Wer möchte kann z.B. seinen Sonntagskuchen, Brot usw. im fahrbaren Lehmofen backen" , informiert Uta Herz. Ebenso soll das erstmals auf dem Programm stehende Sommerfest auf dem Gelände des Lehmmuseums als neuer Besuchermagnet etabliert werden.

"Unser diesjähriges Programm ist im Vergleich zu vergangenen Jahren umfassender und vielgestaltiger. Neben der Zielgruppe Lehmbauer haben wir bewusst deutlich größeres Gewicht darauf gelegt, noch stärker das Interesse von Nichtexperten zu fördern", resümiert Uta Herz. "Wir hoffen, dass dieses Konzept auf fruchtbaren Boden fällt und würden uns über viele Besucher freuen."

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