Zweite Heimat in Fernost : Lübzerin startet in China durch

Rebecca Siwek (li.) führt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und seine Wirtschaftsdelegation durch den Deutschen Pavillon. Jens Neumann
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Rebecca Siwek (li.) führt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und seine Wirtschaftsdelegation durch den Deutschen Pavillon. Jens Neumann

Für Rebecca Siwek ist das Reich der Mitte zur zweiten Heimat geworden. Als eine von 190 Hosts und Hostessen führte sie die Besucher seit Mai durch den Deutschen Pavillon "balancity" auf der Expo 2010 in China.

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06. November 2010, 04:17 Uhr

Lübz/ Shanghai | Lübz, Bremen, Peking, Shanghai - für Rebecca Siwek ist China zur zweiten Heimat geworden. Als eine von 190 Hosts und Hostessen führte sie die Besucher seit Mai durch den Deutschen Pavillon "balancity" auf der Expo 2010. Nach dem Abitur im Jahr 2004 am Gymnasium Lübz und einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) bei der Caritas in der Mutter-Kind-Kurklinik Kühlungsborn zog es die Mecklenburgerin in ihrem Studium vor drei Jahren erstmals ins "Reich der Mitte". Es sollte nicht ihr letzter Aufenthalt sein. Mit der Zusage, auf der Weltausstellung arbeiten zu können, setzte sich die heute 26-Jährige nach dem Studium der Wirtschaftssinologie an der Hochschule in Bremen im Herbst 2009 wieder in den Flieger. Über ihre Erlebnisse sprach SVZ-Autor Jens Neumann in Shanghai mit Rebecca Siwek.

Frau Siwek, siebeneinhalb Monate beruflich in Shanghai - das muss doch ein Traum sein?

Rebecca Siwek: Für mich als alte Pekingerin ging es einzig und allein um den Job auf der Expo, weniger um die Stadt Shanghai. Genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Es gibt unter den Ausländern in China niemanden, der Peking und Shanghai gleichermaßen gut findet. Als Sinologin fühle ich mich in Peking dem Volk und der Kultur sehr nahe. Trotzdem hatte ich eine beeindruckende Zeit in Shanghai. Ich glaube, dass ich der Stadt anfangs nicht die Chance gegeben habe, sich vorzustellen. Daher bin ich dankbar für einige innige Begegnungen in den letzten Monaten der Expo, durch die ich die Stadt von einer ganz anderen Seite kennenlernen durfte.

Warum haben Sie sich für die Expo beworben?

Nach meinem ersten China-Aufenthalt stand für mich fest, dass ich wieder zurück gehen werde, um hier zu leben und zu arbeiten. Die Stellenausschreibung für den Deutschen Pavillon war wie für mich gemacht. Nach meinem Studium bin ich direkt zurück nach Peking. Den Bewerbungsprozess für die Expo hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits durchlaufen - und die Zusage in der Tasche.

Deutschland präsentierte sich weltoffen, innovativ und zukunftsorientiert: Wie haben die Besucher darauf reagiert?

Sie lieben den Deutschen Pavillon. Teilweise stehen sie bis zu vier Stunden bei Hitze und starken Regenfällen in der Warteschlange, um genau diese Attribute erleben zu können. Der chinesische Besucher würde Deutschland mit drei Worten beschreiben: Hightech, Qualität und Zuverlässigkeit. Immer wieder führte ich Gespräche, in denen es genau darum ging.

Entsprach die Ausstellung Ihrem eigenen Bild von Deutschland?

Nun gut, bei dieser Ausstellung geht es nicht vorrangig darum, dem Besucher ein allgemeines Bild von Deutschland zu vermitteln. Es wird das Motto der Expo 2010 "Better City, Better Life" aufgearbeitet und mit Lösungsansätzen gefüllt. Wie kann sich das Stadtleben entwickeln? Welche Maßnahmen sind dafür notwendig? Ich finde, es ist ein sehr authentisches Design gewählt worden. Besonders in Ausstellungsräumen, in denen es um Schrebergärten oder Kölner Karneval geht, wird ein typisches Bild vermittelt. Man spürt die Gründlichkeit, mit der an diesem Konzept gearbeitet wurde. Und dies entspricht meinem eigenen Bild.

Mecklenburg-Vorpommern hat sich mit dem Parchimer Stadtentwicklungskonzept "Grüne Mitte" und mit Strandkörben präsentiert. Kommen da bei Ihnen Heimatgefühle auf?

Ein wenig schon. Ganz besonders ausgeprägt war dieses Gefühl zur Zeit der Bundesländerwoche von Mecklenburg-Vorpommern. Um den Pavillon herum wurden 20 weiße Strandkörbe drapiert, in die sich jeder Besucher hineinsetzen durfte. Dazu gab es an vier Tagen ein gut durchdachtes und typisch mecklenburgisches Bühnenprogramm zu sehen. Das Mecklenburger Heimatlied hat mich schon so manches Mal nachdenklich aber zugleich auch stolz gestimmt. Ich hatte außerdem die Ehre Jürgen Seidel, den Minister für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus für Mecklenburg-Vorpommern, und seine offizielle Delegation durch den Pavillon und über das Gelände zu begleiten.

Ist neben dem Schichtdienst Zeit geblieben, die Stadt und das Land zu erkunden?

Wir hatten einen relativ ausgeglichenen Dienstplan. Eine Schicht hatte immer frei. Daher gab es genügend Freizeit, sich umzusehen. Obwohl ich dazu sagen muss, dass ich während meiner Zeit in China schon sehr viel durchs Land gereist bin und im Moment nicht wirklich den Drang verspüre zu reisen. Ich lebe hier, das macht einen großen Unterschied - was die Reisemotivation betrifft.

Haben Sie sich die Volksrepublik so vorgestellt?

Ich bin Sinologin und habe vier Jahre damit verbracht, dieses Land zu studieren und zu verstehen. Ich spreche Chinesisch und lebe schon zwei Jahre in Peking. An meinen ersten Eindruck kann ich mich nicht mehr erinnern.

Welche Begebenheit möchten Sie nicht missen?

Ich habe auf der größten Weltausstellung aller Zeiten gearbeitet und war Teil des Teams im bisher größten Deutschen Pavillon der Geschichte. Wenn das nicht Begebenheit genug ist…

Werden Sie nach der Expo nach Deutschland zurückkehren?

Ein Großteil meiner Kollegen ja. Ich fliege jedoch nach Peking, meine Wahlheimat für die nächsten vier bis fünf Jahre.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Auf meinen Freund, meine zwei Vögel und mein Leben in einer Stadt, die so viel Charme und Authentizität hat, dass sie mein Leben bereichert. Ich freue mich aber auch auf die Herausforderungen in meinem neuen Job als Produzentin chinesischer TV-Shows. Die Arbeit als Hostess war interessant, aber auch eintönig und wenig fordernd. Deshalb wird es Zeit, wieder aktiv zu werden, Projekte zu durchdenken und zu verwirklichen.

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